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Wanderhoden : Erklärung, Ursache und Behandlung

Als Wanderhoden wird eine Form des Hodenhochstands bezeichnet, bei der sich der Hoden zwar die meiste Zeit über im Hodensack befindet, aber durch reflexartige Anspannung eines Muskels im Samenstrang in den Leistenkanal gezogen wird. Ausgelöst werden kann dieser Reflex von Kälte, sexueller Erregung oder großem Stress. Doch wie entsteht ein Wander- bzw. Pendelhoden und wie wird er behandelt? Viele Männer werden sich außerdem fragen, ob ein Wanderhoden negative Auswirkungen auf ihre Fruchtbarkeit hat.

Was genau ist ein Wander- bzw. ein Pendelhoden?

Man spricht von einem Wander- oder auch Pendelhoden, wenn der Hoden zwar in der Regel an seinem Platz im Hodensack liegt, doch bei Kälteeinwirkung oder anderen Reizen durch den Hodenhebermuskel, den Musculus cremaster, zurück in den Leistenkanal gezogen wird. Lässt der Reiz wieder nach, entspannt sich der Muskel und der Hoden gleitet zurück in den Hodensack. Im Vergleich zu anderen Formen des Hodenhochstandes ist der Pendelhoden nicht behandlungsbedürftig und stellt in der Regel keine Bedrohung für die Fruchtbarkeit dar. Anders kann der Fall liegen, wenn der Hoden sich überwiegend im Leistenkanal befindet. Ist dies gegeben, kann eine operative Behandlung in Betracht kommen.

Wie entsteht ein Wanderhoden?

Um die Entstehung eines Wanderhodens zu verstehen, ist es sinnvoll, die Entstehung des Hodens an sich zu betrachten. Die Hoden entstehen bereits in einer frühen embryonalen Entwicklungsphase des Jungen. Gebildet werden die Hoden im Bauchraum, ungefähr auf der Höhe der Nieren. Ab der 5. Embryonalwoche beginnen die gebildeten Hoden über die Leistenkanäle bis in das entsprechende Skrotalfach des Hodensacks zu wandern. Diese Wanderung wird auch als Hodenabstieg (Descensus testis) bezeichnet. Abgeschlossen ist diese Wanderung erst ab dem siebten Schwangerschaftsmonat Da dieses Absinken des Hodens erst in einer relativ späten Phase der Schwangerschaft abgeschlossen wird, sind besonders zu früh auf die Welt gekommene Jungen von einem Hodenhochstand betroffen.

Neben einer Frühgeburt können aber auch genetische Ursachen, hormonelle Störungen oder die Einnahme von bestimmten Medikamenten während der Schwangerschaft, wie beispielsweise Analgetika, einen Hodenhochstand verursachen.

Der Wanderhoden in Angrenzung zu anderen Formen des Hodenhochstandes

Der Wander- oder auch Pendelhoden gehört systematisch zum Krankheitsbild des Hodenhochstandes. Neben den Pendelhoden gibt es noch die Bauchhoden, die Leistenhoden und die Gleithoden.

Bei den Bauchhoden wurde die Wanderung der Hoden bereits im Bauchraum unterbrochen, während sich die Hoden bei dem Krankheitsbild des Leistenhodens im Bereich des Leistenkanals befinden. Im Unterschied zu den Pendelhoden lassen sich die Hoden bei dieser Lageanomalie nicht in den Hodensack verlagern. Eine weitere Form des Hodenhochstands ist der sogenannte Gleithoden. Bei dieser Lageanomalie liegen die Hoden ebenfalls im Leistenkanal, allerdings sehr weit unten, knapp oberhalb des Hodensacks. Es ist zwar möglich, den Hoden aus dieser Position heraus durch die Ausübung sanften Drucks in den Hodensack zu schieben, doch aufgrund des zu kurzen Samenstranges, gleitet der Hoden schnell wieder in seine ursprüngliche Position zurück.

Im Unterschied zu diesen Formen des Hodenhochstandes befindet sich der Hoden bei dem Krankheitsbild des Wanderhodens die meiste Zeit über im Hodensack und wird nur bei Anspannung in den Leistenkanal hinauf gezogen.

Bild Arzt

Wie wird ein Wanderhoden diagnostiziert?

In vielen Fällen wird ein Hodenhochstand bereits im Säuglingsalter diagnostiziert. Besonders Neugeborene sind häufig von einer Form des Hodenhochstandes betroffen. Rund 30 Prozent der Frühgeborenen weisen eine Lageanomalie eines oder beider Hoden auf. In den ersten zwei bis drei Monaten nach der Geburt wird die Lage der Hoden weiter von den behandelnden Ärzten , in der Regel dem Kinderarzt, beobachtet, da sich rund 80 Prozent der Hoden von selbst wieder in die richtige Position verlagern. Nach Ende des ersten Lebensjahres sind nur noch wenige Babys (0,7 Prozent) von einer Lageanomalie der Hoden betroffen.

Wer Schmerzen an den Hoden hat oder ein Verrutschen der Hoden bemerkt, sollte einen Urologen aufsuchen.
Um Hodenveränderungen frühzeitig zu bemerken, empfiehlt es sich außerdem, regelmäßig die eigenen Hoden abzutasten. Gibt es Auffälligkeiten, wird der Urologe nach einen ausführlichen Anamnese die Hoden abtasten und die Schmerzempfindlichkeit abfragen. Kann nicht genau bestimmt werden, ob ein Wanderhoden vorliegt, können zusätzlich Ultraschall- und Blutuntersuchungen durchgeführt werden.

Wie werden Wanderhoden behandelt?

Die meisten Pendelhoden müssen nicht behandelt werden, da sie in der Regel keine weiteren Komplikationen nach sich ziehen und sich nicht negativ auf die Fruchtbarkeit des Mannes auswirken. Bei einem diagnostizierten Wanderhoden ist der Samenstrang nicht verkürzt und der Hoden zieht sich nur aufgrund eines Reflexes in die Leistengegend zurück. Anders kann der Fall beurteilt werden, wenn sich die Hoden über längere Zeiträume in der Leistengegend befinden. Denn damit die Hoden ihrer Funktion als Produzent von Samenzellen nachkommen können, muss die Temperatur in ihnen rund 2 Grad niedriger sein als die Körpertemperatur. Hoden, die sich den Großteil der Zeit außerhalb des Hodensacks befinden und dadurch die Körpertemperatur annehmen, können mit der Zeit eine verringerte Samenproduktion aufweisen.

In schweren Fällen oder wenn andere Formen eines Hodenhochstands als der Wanderhoden vorliegen, ist eine Operation angezeigt. Diese Operation ist die Orchidopexie. Bei diesem unter Vollnarkose durchgeführten Eingriff werden die Hoden von einem Chirurgen freigelegt und anschließend an den ihn umhüllenden Hautschichten festgenäht. Auf diese Weise kann der Hoden nicht mehr in die Leistengegend hinaufgleiten.

Bild Paar in Unterwäsche

Fazit:

Bei Wander- oder Pendelhoden handelt es sich eine Form des Hodenhochstands, bei der die Hoden durch bestimmte Reflexe wie beispielsweise Kälte oder sexuelle Erregung in den Leistenkanal rutschen. Da bei Pendelhoden in der Regel keine Gefährdung für die Fruchtbarkeit gegeben ist und die Erkrankung keine weiteren gesundheitlichen Folgen nach sich zieht, muss sie zumeist nicht weiter behandelt werden. Lediglich, wenn die Hoden sich häufiger in der Leistengegend als im Hodensack befinden oder das Verrutschen starke Schmerzen mit sich bringt, kann ein operativer Eingriff angezeigt sein.

Vor allen Dingen zu früh auf die Welt gekommene Jungen können von einem Hodenhochstand betroffen sein. In vielen Fällen reguliert sich die Lageanomalie in den ersten Monaten nach der Geburt von selbst. Ist dies nicht der Fall, können die Kinder durch eine Hormontherapie oder einen chirurgischen Eingriff behandelt werden.

Neben den Wanderhoden gehören außerdem die Bauchhoden, die Leistenhoden und die Gleithoden zu dem Krankheitsbild des Hodenhochstandes. Von all diesen Formen der Hodenveränderungen ist der Pendelhoden die leichteste Form, da die Hoden sich in der Regel im Hodensack befinden und keine weiteren medizinischen Komplikationen nach sich ziehen. Dennoch sollte man bei Verdacht auf Wanderhoden unbedingt einen Arzt aufsuchen.

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