Plica: Der kaum bekannte Störenfried im Knie

Wohl jeder Mensch hatte schon einmal Schmerzen, die das Knie durchzucken. Schmerzen die Knie jedoch häufiger oder sogar ständig, beginnt die Suche nach der Diagnose. Eine wenig bekannte Ursache der Knieschmerzen: die Plica. Diese kleine Hautfalte ist nur wenige Millimeter dick, kann aber einen Menschen im wahrsten Sinne des Wortes in die Knie zwingen. Sie ist ein Überbleibsel aus der Zeit als Embryo. Die noch sehr kleinen Knieknochen eines Kindes sind mit einer Membran ausgekleidet. Diese bildet sich im Laufe der Jahre zurück, manchmal bleiben von der Membran jedoch Reste stehen. Eine Plica kann überall im Körper vorkommen, besonders im Knie kann sie zu starken Schmerzen führen.

Ursachen der Schmerzen

Diese zurückgebliebenen Schleimhautfalten heißen auf Latein: Plica. Etwa die Hälfte aller Erwachsenen hat eine solche Falte im Knie. Die meisten bemerken von dieser Falte ihr Leben lang nichts, andere bekommen starke Schmerzen gerade im inneren oder vorderen Kniebereich.
Es gibt viele potenzielle Auslöser für die Schmerzen: Sportunfälle, starke Belastung oder ungenügende Stabilität können den Anfang bilden. Ursache ist häufig eine unterschiedliche Ausbildung des vorderen Oberschenkelmuskels.

Dieser ist in weitere Muskelstränge unterteilt. Wenn der innere Schenkelmuskel weniger austrainiert ist als der äußere, gleitet die Kniescheibe beim Strecken erst nach außen und dann nach innen. Dadurch wird die Gelenkschleimhaut gereizt. Das Bindegewebe entzündet sich und die Plica schwillt an. Dadurch nimmt sie im Gelenk zu viel Platz ein und reibt bei jedem Schritt am Knorpel des Oberschenkelknochens oder der Kniescheibe. Resultat: Die Entzündung verstärkt sich und Schmerzen treten auf. Manchmal klemmt die Plica auch im Gelenkspalt ein.

Bild Fahrradfahrer und Jogger

Symptome eines Plica-Syndroms

Besonders belastend sind zu Beginn eines Plica-Syndroms Bewegungsabläufe, bei denen das Knie abwechselnd gebeugt und gestreckt wird wie etwa beim Laufen, Treppensteigen oder Radfahren. Durch die Reibung wird immer mehr vom Knorpel abgenutzt. Es werden je nach Lage der Schleimhautfalte unterschiedliche Namen für die Erkrankung angegeben, die jedoch alle mit „Plica“ beginnen.

Neben den belastungsabhängigen Schmerzen gibt es noch viele weitere Symptome, die häufig bei einer Entzündung der Gelenkschleimhaut auftreten.
Dazu gehören beispielsweise ein „Knacken“ beim Beugen des Gelenks, lokaler Druckschmerz oder Steifheit des Kniegelenks nach längerem Sitzen. Ist das Knie schon weitergehend geschädigt und die Gelenkschleimhaut reibt auf dem Knochen, schmerzt es häufig auch nachts oder in Ruhephasen. Durch den anhaltenden Schmerz begeben sich viele Patienten in eine Schonhaltung, mit der sie versuchen den Schmerz zu vermeiden. Sie bewirken dadurch jedoch häufig nur, dass sie eine Fehlhaltung einnehmen, die zu weiteren Schmerzen führt.

Wann zum Arzt gehen?

Allerdings sind Knieschmerzen nicht immer Anlass zur Sorge. Das Knie ist jeden Tag starken Beanspruchungen ausgeliefert: Manche Bereiche des Knies müssen das fünf- bis siebenfache unseres Körpergewichts tragen. Zudem ist das Knie ein komplexes Gebilde, weswegen es anfällig für Störungen ist. Ist der Schmerz jedoch nach einigen Tagen noch nicht abgeklungen oder tritt immer wieder auf, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Da es einige Erkrankungen gibt, die anhaltende Schmerzen im Knie verursachen können (etwa im Bereich des Meniskus oder der Bänder), wird er das Knie genau untersuchen. Häufig ist die Feststellung eines Plica-Syndroms eine Ausschluss-Diagnose, wenn keine andere Erkrankung festgestellt werden kann. Syndrom bedeutet, dass mehrere Symptome vorliegen, die zusammengefasst werden.

Bild MRT

Die Diagnose ist schwierig

Die Plica ist häufig schwierig zu diagnostizieren, da sie häufig nicht zu ertasten und auch auf einem MRT nicht immer zu sehen ist. Durch den geringen Durchmesser der Falte muss das MRT besonders eingestellt sein, damit sie zu erkennen ist. Häufig schmerzt das Kniegelenk, wenn der Patient die Oberschenkelmuskulatur anspannt, während die Kniescheibe gegen das Gleitlager gedrückt wird. Eine sichere Methode der Ursachenforschung ist eine Kniespiegelung. Hierbei wird das Knie zunächst betäubt und eine kleine Kamera in das Knie eingeführt. Wird eine Schleimhautfalte gefunden, kann diese sofort entfernt werden.

Bei vielen Patienten verschwinden dann auch die Schmerzen. Ist durch die Reibung der Hautfalte am Knorpel bereits eine Schädigung eingetreten, können die Schmerzen auch nach der operativen Entfernung noch weiter bestehen.

Zudem können Operationen immer Nebenwirkungen haben, sodass zunächst meistens empfohlen wird, die Schmerzen ohne eine Operation zu lindern.

Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten

  • Zunächst sollte die Schmerz auslösende Bewegung unterlassen werden.
  • Kühlen mit Kältekompressen hilft häufig gegen den Schmerz und wirkt gegen die Schwellung.
  • Auch Schmerzmittel, Antirheumatika oder schmerzlindernde und entzündungshemmende Salben können hilfreich sein.

Sobald der Schmerz abgeklungen ist, sollte mit einem gezielten Beintraining begonnen werden. Starke Muskeln entlasten die Gelenke. Jedoch Vorsicht: Das Knie dabei nicht überlasten und nicht mit Schmerzen trainieren.

Durch Dehnen der Beinmuskulatur wird versucht, den Druck von der Kniescheibe zu mildern.
Eine weitere Möglichkeit ist Kortison oder Hyaluronsäure in das Gelenk zu spritzen. Eine Linderung der Knieschmerzen tritt häufig schnell ein, jedoch hat gerade Kortison starke Nebenwirkungen, weshalb es nicht zu häufig eingesetzt werden sollte.

Bild Physiotherapie

Nach Ursachen suchen und diese beheben

Nachdem sich die Schmerzen gebessert haben, sollte die Belastung der Knie langsam erhöht werden. Dafür empfiehlt sich das Training mit einem Physiotherapeuten. Dieser kann ein maßgeschneidertes Training zusammenstellen und achtet darauf, dass die Knie nicht falsch belastet werden. Wurde die Plica nicht entfernt droht sonst ein Rückfall und die Schmerzen treten wieder auf. War Sport nicht die Ursache, sollte nach dem Grund der Knieschmerzen gesucht werden, um diese in Zukunft bestmöglich zu verhindern. Auch durch häufiges Knien, etwa beim Fliesen legen oder bei der Gartenarbeit, kann die Gelenkschleimhaut gereizt werden.

Ablauf einer Operationen

Helfen alle anderen Therapien nicht oder besteht ein hoher Leidensdruck wird als letzte Maßnahme eine Operation des Knies durchgeführt. Dabei wird über zwei Schnitte an den Seiten des Knies eine Kamera und das Operationswerkzeug eingeführt. Von der Kamera überwacht kann so die Plica entfernt werden.

Die Operation wird meistens ambulant durchgeführt, der Eingriff selber dauert in der Regel nicht länger als 15 bis 30 Minuten. Sollten Komplikationen auftreten, ist eventuell eine Beobachtung im Krankenhaus notwendig. In der Zeit nach der Operation werden Gehilfen benötigt, da das Knie nicht voll belastet werden darf. Diese müssen so lange genutzt werden, bis das Gelenk nicht mehr gereizt ist. Das dauert je nach Patient zwischen wenigen Tagen und drei Wochen. In dieser Zeit sollte bereits in einer Physiotherapie mit dem Aufbautraining des Oberschenkels und der Muskeln um das Knie begonnen werden. Auf anderen Sport sollte zunächst noch verzichtet und erst in Absprache mit dem Arzt oder Physiotherapeuten begonnen werden.

Je nach Verfassung des Patienten, kann dieser nach ein bis vier Wochen wieder arbeiten. Doch auch wenn die Plica entfernt wurde, können bestehende Knorpelschäden bei falscher Beanspruchung zu weiteren Schmerzen führen.

Zusammenfassung:
Die Plica ist eine Schleimhautfalte im Knie, die zu Schmerzen führen kann. Sie kann sich durch Überanstrengung beim Sport oder langes Knien entzünden. Durch Schonung, entzündungshemmende Medikamente und gezielten Muskelaufbau des inneren Oberschenkels können die Schmerzen aufhören. Bestehen sie weiterhin, ist als letzte Maßnahme auch eine Operation möglich.
Bildernachweis: Titelbild – Knieschmerzen Urheber: CC0 Public Domain-Pixabay.com
Fahrradfahrer und Jogger Urheber: CC0 Public Domain-Pixabay.com
MRT Urheber: CC0 Public Domain-Pixabay.com
Physiotherapie Urheber: CC0 Public Domain-Pixabay.com

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