Betablocker und Impotenz

Bis vor einigen Jahren waren für Markus W. Erektionsstörungen kein Thema. Schwindende Manneskraft und Impotenz waren die Probleme, die andere Männer hatten. Er machte sich keine Gedanken darüber. Wieso auch, klappte der Geschlechtsakt doch immer, wenn er Lust verspürte. Eines Tages ließ er sich von seinem Hausarzt Betablocker gegen Bluthochdruck verschreiben, worauf sich sein Sexualleben grundlegend veränderte.

Die Impotenz trat schleichend in sein Leben

Es dauerte ein paar Monate, bis Markus W. merkte, dass seine Erektionsfähigkeit beeinträchtigt war. Die Impotenz kam nicht mit einem Mal, sondern trat schleichend in sein Leben. Seine Erektionen wurden von Mal zu Mal schwächer, bis sie schließlich ganz ausblieben. Natürlich merkte er, dass etwas mit ihm nicht stimmte, aber da er die 40 schon überschritten hatte, hielt er sein sexuelles Versagen für eine natürliche Schwäche. Anfangs versuchte er sich noch mit Ausreden zu trösten. Er schob seine Impotenz auf seinen stressigen Job und hoffte darauf, dass es sich nur um eine vorübergehende Störung handeln sollte.

Durch Zufall wurde Markus W. auf den Zusammenhang von Betablockern und Impotenz aufmerksam

Weil er sich seine Impotenz nicht erklären konnte und aus Scham mit keinem Arzt darüber sprach, quälte er sich mehrere Jahre. Er dachte nun, dass ihm nur eine Psychotherapie weiterhelfen konnte, doch er schämte sich als psychisch Kranker abgestempelt zu werden und sich mit seiner Krankheit zu outen. Dass die Betablocker, die er während dieser Zeit immer weiter nahm und nicht abgesetzte, die Ursache für sein Leiden waren, kam ihm nicht in den Sinn. Erst als sein Hausarzt im Urlaub war und er dessen Vertretung aufsuchte, um sich neue Betablocker verschreiben zu lassen, schnitt der noch junge Arzt das Thema Betablocker und Impotenz an. Markus W. ließ sich die Zusammenhänge sofort erklären und öffnete sich dem Doktor.

Wichtig: Sprich mit deinem Arzt und lass die Ursachen für deine Impotenz umgehend abklären

Wenn du unter Impotenz leidest und Betablocker einnimmst, solltest du nicht abwarten und hoffen, dass sich das Problem von alleine löst. Spreche deinen Arzt frühzeitig auf deine Erektionsprobleme an und teile ihm ebenfalls mit, dass du vermutest, dass deine Erektionsprobleme mit der Einnahme der Betablocker zusammenhängen. Es reicht nicht aus, einfach nur die Betablocker abzusetzen und auf eigene Faust herumzuexperimentieren, denn möglicherweise liegen deiner Impotenz völlig andere Ursachen zugrunde.

Mögliche Ursachen können sein:

  • Diabetes
  • Arteriosklerose
  • Leber- oder Nierenfunktionsstörungen
  • Hormonelle Probleme
  • Verletzung an der Prostata
  • Fettstoffwechselstörungen
  • Herz und Kreislauferkrankungen
  • Erkrankung des Nervensystems
  • Schäden an der Wirbelsäule
  • Depressionen

Du siehst selbst, dass es wirklich in deinem eigenen Interesse liegt, schnellstmöglich die Ursache für deine Impotenz herauszufinden. Wenn du abwartest, riskiert du nicht nur deine Beziehung und ein zufriedenstellendes Sexualleben, sondern du riskiert deine Gesundheit.

Arzt bei Impotenz durch Betablocker kontaktieren
Wenden Sie sich vertrauensvoll an Ihren Arzt / Bild: Urheber: lsantilli / 123RF

Weshalb stehen Betablocker als Ursache für Impotenz in Verdacht?

Die Wissenschaftler haben den Zusammenhang zwischen Betablockern und Impotenz bis heute noch nicht vollständig entschlüsselt. Vermutet wird, dass nicht das Medikament selbst, sondern dessen Wirkung für die Impotenz verantwortlich ist. Denn Betablocker, wie verschiedene andere Bluthochdruckmedikamente auch, senken den Blutdruck, worauf dieser nicht mehr stark genug ist, um die Schwellkörper des Penis vollständig zu durchbluten. Der Blutdruck reicht also nicht mehr aus, um den Penis vollständig aufzurichten. Das Zusammenspiel zwischen Psyche, Physik und Biochemie im Menschen ist sehr komplex, sodass nicht exakt bestimmt werden kann, weshalb Betablocker als Ursache für Impotenz verantwortlich sind.

Wichtig:

Wenn du unter Impotenz leidest, aber keine Betablocker, sondern andere Medikamente einnimmst, können auch diese für deine Erektionsstörungen verantwortlich sein. Außer Bluthochdruckmitteln stehen noch zahlreiche weitere Präparate unter Generalverdacht. Beispielsweise Psychopharmaka, Entwässerungspräparate, Cholesterinsenker und verschiedene Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen und Magenschmerzen.

Warum werden Betablocker vom Patienten oft nicht mit Impotenz in Verbindung gebracht?

Wie schon eingangs am Beispiel des Markus W. ersichtlich, verläuft der Krankheitsverlauf schleichend. In den meisten Fällen nehmen die Patienten ihre Betablocker schon geraume Zeit vor den Erektionsstörungen ein, sodass sie, wenn sich die ersten Störungen bemerkbar machen, überhaupt nicht daran denken, dass die Betablocker der Auslöser sind. Betroffene tappen oft jahrelang im Dunkeln und machen sich selbst oder ihren Partner für ihre Impotenz verantwortlich. Verantwortungsvolle Mediziner klären deshalb ihre Patienten über mögliche Risiken auf, wenn sie Betablocker verschreiben. Das Problem ist, dass es manchem Allgemeinmediziner schlichtweg gleichgültig ist, ob sein Patient ein befriedigendes Sexualleben führt. Manche Ärzte schneiden das Thema auch aus Scham nicht an.

Tipp:

Wenn du von deinem Arzt Betablocker verschrieben bekommst und dein Doktor dich nicht über die Risiken aufgeklärt, solltest du selber die Initiative ergreifen und das Thema ansprechen. Verlasse dich bitte nicht ausschließlich auf die Beipackzettel der Medikamente, denn die sind in vielen Fällen unverständlich. Oft ist nur versteckt von Impotenz die Rede. Wörter wie Impotenz werden auch gerne mit Fachbegriffen wie beispielsweise erektiler Dysfunktion umschrieben, was für viele Menschen eben nicht verständlich ist.

Viagra bei Impotenz durch Betablocker
Viagra als Alternative / Bild: Pixabay.com/de – PublicDomainPictures

Was tun, wenn die Betablocker für deine Impotenz verantwortlich sind?

Eigenmächtig solltest du die Medikamente keinesfalls absetzen. Gerade bei Bluthochdruck kann dies gefährlich werden. Spreche erst mit deinem Arzt, der dir mit Sicherheit ein bestimmtes Alternativpräparat anbieten kann. Möglicherweise verschreibt er dir auch bestimmte Hormone oder ein Präparat wie Viagra. Ebenso können Vakuumpumpen sinnvoll sein, um eine Erektion zu erzeugen. Es kommt immer auf den Einzelfall an, welche Lösung der Arzt in Betracht zieht.

Gut zu wissen: Werden die Betablocker abgesetzt, kannst du nicht erwarten, dass deine Beschwerden mit einem Mal beseitigt sind. Es kann Wochen, Monate und sogar Jahre dauern, bis deine Erektionsfähigkeit wieder vollkommen hergestellt ist.

Titelbild: Pixabay.com/de – geralt

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