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Angst vor dem Zahnarzt – 7 Tipps gegen die Angst

Die Angst vor dem Zahnarzt ist ein weitverbreitetes Problem. Jeder Zehnte in Deutschland leidet unter beklemmenden Gefühlen im hohen Ausmaß, wenn er auf den Behandlungsstuhl muss. Manche Menschen sind von einer regelrechten Dentalphobie betroffen und meiden daher den Gang zum Arzt. Doch wer auf Dauer gesunde und gepflegte Zähne haben möchte, muss regelmäßig den Zahnarzt aufsuchen. Die folgenden Tipps können Betroffenen helfen, ihre Ängste vor und während des Zahnarztbesuches in den Griff zu bekommen.

Wann spricht man von einer Dentalphobie?

Eine Dentalphobie liegt dann vor, wenn die Angst vorm Zahnarzt so groß ist, dass der Zahnarztbesuch kaum oder gar nicht möglich ist. Es treten verschiedene Angstsymptome auf und der Patient bricht regelrecht in Panik aus. Abzugrenzen ist die Dentalphobie von einem normalen mulmigen Gefühl beim Zahnarzt, was fast jeder Mensch spürt.

Die Panik kann sich dabei auf folgende Szenarien beziehen:
  • die Vibrationen und das Geräusch des Bohrers plus die damit verbundenen Schmerzen,
  • die Betäubungsspritze sehen und spüren,
  • der Arzt betritt den Raum (im weißen Kittel),
  • die Gerüche, Geräusche und visuellen Reize im Wartezimmer,
  • die Angst vor den Schmerzen danach und
  • die Angst, den Mund nicht aufzubekommen.

Bild Zahnarzt erklärtTipp eins: die Angst offen ansprechen

Menschen, die unter Ängsten beziehungsweise einer Phobie leiden, sollten das nicht für sich behalten. Ihnen kann nur geholfen werden, wenn sie ihre Ängste benennen und sich trauen, diese zuzugeben. Für den Zahnarzt ist die Phobie vor seiner Arbeit keine Seltenheit. Entsprechend handeln und dem Patienten die Angst nehmen kann er allerdings nur, wenn er im Bilde ist.

Vielen Menschen ist ihre Angst vorm Zahnarzt peinlich und sie stehen die angstbehaftete Situation nur schwer durch. Sie setzen sich so enormen Stress aus: Zum einen müssen sie die Angst aushalten, zum anderen noch alles dafür tun, dass das Umfeld die phobische Reaktion nicht mitbekommt. Da so jeder Zahnarztbesuch zu einer kaum aushaltbaren Tortur wird, kommt es dann häufig zum Vermeidungsverhalten. Das heißt, es wird nicht mehr zum Zahnarzt gegangen.

Weiß der Arzt hingegen Bescheid, kann er viel sensibler mit seinem Patienten umgehen und seine Angstreaktion verstehen. Vor allem sollten die Ängste konkret angesprochen werden. Manchmal handelt es sich um eine diffuse Angst, oftmals gibt es aber auch speziellen Angstauslöser. Das kann der Bohrer sein, die Schmerzen oder die Spritzen. Was es auch ist, weiß der Zahnarzt Bescheid, kann er viel gezielter ansetzen.

Tipp zwei: sich Beistand suchen

Für viele Angstpatienten ist nicht die Behandlung auf dem Zahnarztstuhl das Schlimmste, sondern die Zeit im Wartezimmer. Hier ist Gelegenheit, dass sich die Angst so richtig hochschaukeln kann. Es werden sich Horrorszenarien ausgemalt und die Geräusche aus dem Behandlungszimmer tun sowieso ihr Übriges. Hier kann es helfen, dass sich eine Begleitperson zum „Händchenhalten“ mitgenommen wird. Diese kann verhindern, dass der Betroffene zu tief in seine Angst vorm Zahnarzt abtaucht.

TIPP: Wichtig ist es, permanent Reize von außen zu setzen, die den Patienten ablenken.
Um den Geräuschen aus dem Weg zu gehen, kann Musik gehört werden. Kommt es zum Aufruf des Patienten, hört das die Begleitperson und kann dies dem Patienten mitteilen. In vorheriger Absprache mit dem Arzt oder der Schwester darf vielleicht auch draußen gewartet werden. Hier muss jeder für sich entscheiden, was ihm guttut. Manchmal hilft es aus der Wartezimmersituation zu fliehen, und sich nur der eigentlichen Behandlung auszusetzen. Andere brauchen die Zeit im Wartezimmer, um sich mit der Umgebung vertraut zu machen. Wichtig ist nur, dass man nicht alleine ist.

Tipp drei: die Wahl des Zahnarztes

Es ist enorm wichtig, dass sich Menschen, die unter einer Angst vorm Zahnarzt leiden, einen verständnisvollen Mediziner aussuchen. Niemand ist gezwungen, bei einem bestimmten Arzt zu bleiben. Da eine Zahnarztphobie aber heutzutage keine Seltenheit ist, gibt es kaum noch Ärzte, die dafür kein Verständnis haben. Idealerweise wird gleich beim ersten Anruf in der Praxis von den Ängsten berichtet oder ein Vorgespräch ausgemacht.

Eine Zahnarztphobie steht und fällt mit dem richtigen Arzt.

TIPP: Am besten wird gezielt nachgefragt, welche Angebote es für Phobie-Patienten gibt.
Oftmals reicht das Wissen schon aus, dass man mit seinen Ängsten in der Praxis nicht übergangen wird und im schlimmsten Fall sogar Anspruch auf eine Narkose oder Vollnarkose hat. Das vermittelt das Gefühl, dass nicht alles ausgehalten werden muss. Wichtig ist auch, dass der Zahnarzt dem Patienten genau erklärt, welche Behandlungsschritte er unternimmt. Nichts füttert eine Angst mehr, als Unvorhersehbares. Daher sollte der Zahnarzt dem Patienten genau erklären, welche Geräte er benutzt und was er damit vorhat.

Bild Zahnarzt PraxisTipp vier: Vorbereitung ist alles

Bevor sich einer Behandlung unterzogen wird, sollten sich Menschen mit Angst vorm Zahnarzt Zeit nehmen, die Praxis kennenzulernen. Es darf ruhig nachgefragt werden, ob es möglich ist, sich die Praxis vorab einmal anzusehen. Sind Arzt und zahnmedizinische Fachangestellte keine Fremden mehr und stimmt die Sympathie, hat das einen enormen Einfluss auf die Angst. Auch die Praxis sollte inspiziert werden. Wartezimmer, Behandlungsraum, Tresen – alles darf sich genau angeschaut werden. Ein freundliches Ambiente und das Gefühl gut aufgehoben zu sein, sind die optimale Voraussetzung für eine stressfreie Behandlung.

Tipp fünf: Entspannungstechniken und Musik

In einer Angstsituation ist der Körper extrem angespannt: Puls beziehungsweise Herzschlag und Atmung sind beschleunigt und es kommt zu Symptomen, wie Zittern, Schwitzen und innerer Unruhe. Eine beliebte Methode, um die Anspannung einzudämmen, sind sogenannte Entspannungsverfahren.

Bei panischer Angst vorm Zahnarzt bietet sich das Autogene Training (AT) an. Hier werden gedanklich Sätze zur Beruhigung gesprochen. Diese versetzten Körper und Geist in einen Entspannungszustand, welcher Herzfrequenz und Atmung verlangsamt. Zwar ändert sich an der Situation, dass der Zahnarztstuhl wartet, nichts, aber der Körper reagiert darauf nicht mehr mit Angstsymptomen.

Um den Effekt des Autogenen Trainings zu spüren, bedarf es etwas Übung. Hier gibt es professionell geleitete Kurse oder Anleitungen im Netz.
Die Entspannungsübung ist als eine Art Selbsthypnose zu verstehen und sowohl für den Zahnarztbesuch als auch für davor geeignet. Am besten funktioniert das in Kombination mit Entspannungsmusik, weil das Körper und Geist noch zusätzlich herunterfährt. Musik im Ohr, um sich abzulenken und die Behandlungsgeräusche zu überhören, ist etwas, was viele Praxen von Haus aus anbieten. Wichtig ist, dass die Musik entspannt und nicht zusätzlich aufputscht.

Tipp sechs: therapeutische Hilfe suchen

Eine phobische Störung liegt eigentlich nicht im Kompetenzbereich eines Zahnarztes.
Bis zu einem gewissen Grad kann er auf die Ängste eingehen, doch bei einer anhaltenden Phobie sollte ein Psychotherapeut zurate gezogen werden.
Eine panische Angst vorm Zahnarzt hat Ursachen, nach denen es zu forschen gilt. Zusammen mit dem Angstpatienten wird ein Behandlungsplan erstellt, in denen die Angst Stück für Stück angegangen wird. Das ist zwar nicht leicht, denn hier muss sich den Ängsten gestellt werden. Doch mit der Zeit wird es immer leichter.

Bild KontrolleTipp sieben: die Kontrolle behalten

Zahnarztphobiker sehen die Behandlung auf dem gefürchteten Stuhl oftmals als Kontrollverlust. Sie sind dem Arzt vollkommen ausgeliefert und können sich im schlimmsten Fall nicht mal bemerkbar machen. Sind Arzt und zahnmedizinische Fachangestellte im Mund zugange, kann sich schlecht verbal geäußert werden.

Handzeichen und Klopfzeichen sind hier das Mittel der Wahl, um sich mitzuteilen. Wenn etwas zu sehr schmerzt oder die Situation unerträglich wird, können sich so bemerkbar gemacht werden.
Das gibt dem Patienten ein gewisses Maß an Entscheidungsgewalt und die Angst vorm Zahnarzt muss nicht daher rühren, dass er sich als Opfer fühlt. Die Position auf dem Zahnarztstuhl bleibt unangenehm, keine Frage. Doch bei einer Phobie ist allein das Wissen darum, dass die Situation pausiert werden kann, eine hilfreiche Sache.

Nicht alle Ratschläge sind für jeden Menschen geeignet. Genauso wenig reicht es aus, nur einen Tipp zu befolgen. Hier lohnt es sich etwas zu experimentieren, bis die passende Strategie gefunden wurde. Bei einer leichten bis mittleren Angst vorm Zahnarzt können die hier genannten Tipps, eine hilfreiche Unterstützung im Kampf gegen das mulmige Gefühl sein. Bei einer schwer ausgeprägten Phobie, die selbst nicht in den Griff zu bekommen ist oder in Verbindung mit Panikattacken einhergeht, ist therapeutische Hilfe vonnöten.
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