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Augenherpes: Herpes am Auge – Ursache und Behandlung

Es ist ein seltenes Phänomen, kann aber unter Umständen gefährlich werden: Augenherpes. Rund ein Prozent der Bevölkerung ist davon betroffen. Die Patienten leiden unter juckenden und brennenden Augen, die stark gerötet sind. Unbehandelt kann die Infektion die Hornhaut ernsthaft schädigen und schlimmstenfalls zum Erblinden führen. Daher ist es hilfreich, die wichtigsten Fakten hinsichtlich Ursache, Symptomatik und Möglichkeiten zur Behandlung von Herpes am Auge zu kennen, um im Ernstfall bereits beim Auftreten erster Warnzeichen entsprechend schnell und effektiv handeln zu können.

Augenherpes – Was ist das genau?

Jeder kennt die unschönen und kribbelnden Bläschen am Mund, die Betroffene von Lippenherpes quälen. Was viele jedoch nicht wissen: Die Herpesinfektion muss nicht auf Mund und Nase beschränkt sein, sie kann sich auch auf die Augen ausbreiten. Durch dieses oftmals fehlende Problembewusstsein kann Herpes gewaltig ins Auge gehen: Dann, wenn mit den Fingern erst an den infizierten Lippen gekratzt und anschließend ins Auge gefasst wird. In den meisten Fällen ist nur ein Auge vom Virus betroffen, die Infektion der Hornhaut kann aber auch auf das zweite Auge übergehen.

Wie kommt es zu Herpes am Auge?

Viele Menschen beherbergen den Übeltäter teilweise jahrelang unauffällig und völlig unbemerkt in ihren Nervenzellen: das Herpes-Simplex-Virus. Dieses befällt als Primärinfektion übrigens in den meisten Fällen zuerst die Lippen. Über die Tröpfcheninfektion in den Körper des Menschen gelangt, ruht das Virus vorerst, ohne aktiv zu werden. Bei manchen Menschen bricht die Herpesinfektion auch nie aus.

Wodurch wird das Herpes-Simplex-Virus nun in seiner Ruhe gestört und geweckt? Es sind körperliche oder äußere Einflüsse, die das Virus aktivieren und Herpes am Auge auslösen können: Ein geschwächtes Immunsystem oder beruflicher und privater Stress. Häufig kommt eins zum anderen und die heimtückischen Viren werden angeregt. Sie befallen zuerst die Bindehaut und infizieren schließlich die äußere Schicht (Epithel) und die innere Schicht (Endothel) der Hornhaut.

Bild schmerzendes Auge und Lichtempfindlich

Charakteristische Symptome

Ist das eingefangene Herpes-Simplex-Virus erst einmal aktiv und das Herpes am Auge bricht aus, zeigen sich schnell erste, teils deutlich sichtbare Symptome.

Zu den Symptomen gehören:
  • juckende, brennende und gerötete Augen
  • hohe Lichtempfindlichkeit
  • morgendliches Verkleben
  • Bläschenbildung am Lidrand ist möglich
  • permanentes Fremdkörpergefühl im Auge
  • vermehrte Produktion von Tränenflüssigkeit

Wichtig: Herpes am Auge ist kein kosmetisches, sondern ein medizinisches Problem. Häufig wird vom Laien der Ernst der Lage nicht erkannt, denn die Symptome der Infektion ähneln denen einer normalen Bindehautentzündung. Je nachdem, wie tief die Viren in die Hornhaut des Auges eindringen, liegen unterschiedlich schwere Formen einer Hornhautinfektion vor. Unbehandelt kann Herpes am Auge deshalb zu Sehstörungen bis hin zur Erblindung führen. Um den Schweregrad der Herpesinfektion zu bestimmen und eine nachhaltige Schädigung der Hornhaut zu verhindern, ist es ratsam, sich bei Verdacht auf Herpes am Auge zügig in die Hände eines erfahrenen Augenarztes zu begeben – auch wenn die Symptome nur teilweise auftreten sollten.

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Zuverlässige Diagnose durch den Experten

Eine möglichst frühe Diagnose durch den Experten ist sehr wichtig, um zu verhindern, dass das Virus in die tieferen Schichten des Auges vordringt und dort womöglich noch größeren Schaden anrichten kann. Mittels Untersuchung kann der Arzt gleichzeitig ausschließen, dass es sich bei dem Erreger um die äußerst seltene Akanthamöbe, einen Parasiten, der sich durch die Hornhaut bis hin zum Rückenmark fressen kann, handelt.

Um sicherzustellen, dass das Herpes-Simplex-Virus für die Symptome verantwortlich ist, färbt der Augenarzt die Hornhaut mit Fluorescein, einem leuchtenden Farbstoff, ein. Zeigt die Hornhaut die bei Augenherpes typischen Verästelungen, bestätigt das den Verdacht. Zur Absicherung der Diagnose wird noch ein Abstrich am kranken Auge gemacht, der im Labor in Bezug auf das Herpes-Simplex-Virus unter die Lupe genommen wird. Führt auch diese Methode nicht zur hundertprozentigen Diagnosestellung, wird eine Gewebeprobe aus der Hornhaut entnommen und auf den Erreger untersucht.

Augenherpes muss behandelt werden

Fakt ist: Die Infektion der Hornhaut heilt nicht von alleine aus.

Vom Versuch, das Problem mittels Selbstbehandlung in den Griff zu bekommen oder – noch schlimmer – es gar auszusitzen, ist daher dringend abzuraten. Die Hornhaut fungiert als empfindliches Schutzschild für das Augeninnere, wird sie zerstört, droht der Patient zu erblinden. Durch frühzeitiges Verabreichen von antiviralen Tabletten oder Salben, die das weitere Ausbreiten der Viren blockieren, kann mit etwas Glück verhindert werden, dass eine später zurückkehrende Infektion entsteht. Therapiert wird bereits diagnostiziertes Herpes am Auge meist mit aciclovir- oder kortisonhaltigen Salben und Tropfen, um die Herpesviren und die Infektion zurückzudrängen. Die vom Experten verordnete Dauer der Behandlung sollte dabei zur Vermeidung unerwünschter Nebenwirkungen unbedingt eingehalten werden.

Einmal Herpes, immer Herpes?

Das Herpes-Simplex-Virus hat nach erfolgreicher medizinischer Behandlung der Hornhautinfektion leider mitnichten im Sinn, den menschlichen Körper zu verlassen. Von Tabletten, Salben & Co. lediglich zurückgedrängt, verharrt es in den Nervenzellen wieder im Ruhemodus, um bei nächster Gelegenheit erneut anzugreifen. Mit anderen Worten: Einmal mittels Tröpfcheninfektion über die Atemluft eingefangen, bleibt das Virus ein ständiger Begleiter, und kann theoretisch jederzeit eine erneute Infektion am Auge auslösen.

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Möglichkeiten zur Vorbeugung

Auch wenn der Gang zum Augenarzt und die damit verbundene medikamentöse Behandlung unumgänglich sind, gibt es ein paar hilfreiche Tipps & Tricks, mithilfe derer bei Herpes am Auge zumindest eine Linderung der Beschwerden erreicht und eine Ausbreitung der Infektion vom kranken auf das gesunde Auge verhindert werden kann. Die zusätzliche Stärkung des Immunsystems hält die Viren in Schach, wodurch die Häufigkeit der Ausbrüche zumindest reduziert werden kann.

Regel Nummer 1: Finger weg!

Das gilt sowohl für das Kratzen an bestehenden Lippenbläschen als auch für den Drang, am juckenden und bereits infizierten Auge zu reiben. Zum einen, um ein Verschleppen der Viren an die Augen und zum anderen eine Verschlimmerung des Augenherpes durch permanentes Reiben zu verhindern. Ein guter Tipp: Wollhandschuhe anziehen, das hält vom gedankenlosen Kratzen mit den Fingern ab – Im Sommer aber bitte nicht in der Öffentlichkeit…

Kühlung zur Schmerzlinderung

Ein zum Schutz der Haut in ein dünnes Tuch gewickeltes Kühlpad verschafft den strapazierten, juckenden und brennenden Augen wohltuende Linderung.

Konstruktive Stressbewältigung

Hektik, Stress und zu wenig Schlaf gelten als die Ruhestörung schlechthin für das Herpes-Simplex-Virus. Phasen von Stress in Alltag und Beruf sollten daher regelmäßig von Zeiten der Entspannung und Ruhe abgelöst werden, um dem Virus keinen Anlass zum erneuten Ausbruch zu geben.

Schutz der Mitmenschen

Um eine Ansteckung von Familie, Freunden & Co. mit den Herpesviren zu verhindern, sollten während der Zeit der Infektion keine Handtücher oder Waschlappen geteilt werden, die den Erreger möglicherweise weitergeben könnten. Auch auf liebevoll gemeinte Lippenbekenntnisse auf die Augen sollte während einer Herpesinfektion unbedingt verzichtet werden, um eine wechselseitige Ansteckung zu vermeiden.

Fazit:

Herpes am Auge – selten, aber gefährlich. In den meisten Fällen breitet sich das Herpes-Simplex-Virus bei einer Erstinfektion an den Lippen aus. Gerade deshalb ist ein fundiertes Wissen darüber, wie es überhaupt zu Herpes am Auge kommen kann, von Nutzen. So kann bereits bei den ersten Alarmzeichen entsprechend gehandelt und die adäquate Behandlungsmethode eingeleitet werden. Doch so weit muss es nicht kommen: Einige vorbeugende Ratschläge befolgt, lässt sich eine Infektion der Augen möglicherweise sogar verhindern.

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