Bibernelle als Heilpflanze – Inhaltsstoffe und Wirkung

Die Bibernelle ist ein sehr altes Heilkraut, welches in Europa schon während der Pest von kundigen Kräuterfrauen eingesetzt wurde. Seine sekundären Pflanzen- und medizinisch wirksamen Inhaltsstoffe, von denen wenig Nebenwirkungen bekannt sind, machen die Bibernelle auch heute noch zu einem altbewährten Heilmittel. Husten, Grippe, Heiserkeit, Halsschmerzen, Bronchitis und Kehlkopfentzündungen gehören zu den häufigsten Einsatzgebieten des Krautes. Doch was weniger bekannt ist, auch bei Verdauungsstörungen, Gicht, Rheuma, Menstruationsbeschwerden, Nierensteinen und Herzbeschwerden kann die Bibernelle Linderung verschaffen.

Botanisches Wissen

Die Bibernelle (Pimpinella saxifraga und Pimpinella major) wird im Volksmund auch Deutsche Theriakwurzel, Bockwurz, Steinpeterlein, Pfefferwurz oder Pimpernelle genannt und ist ein in Asien und Europa heimisches Kraut, das heute aber auch auf dem amerikanischen Kontinent zu finden ist.
Die Bibernelle wird aufgrund der Namensgebung oft mit dem kleinen Wiesenknopf (Sanguisorba minor) verwechselt. Obwohl komplett unterschiedlich aussehend, nennt der Volksmund beide Pflanzen gern Pimpernelle. Dennoch ist es für Laien schwer, das echte Bibernellenkraut zu bestimmen, da es erhebliche physiologische Ähnlichkeiten mit vielen anderen Pflanzen aufweist.

Zu den Doldenblütlern (Apiaceae) gehörend, ist das Bibernellenkraut eine weiß blühende, mehrjährige Pflanze, das praktisch überall auf Feld und Wiesen wächst und Wanderer mit seinen ausladenden Dolden bezaubert. Doch es sind weder die Blüten noch die glänzenden, gefiederten Blätter, die zu Heilzwecken verwendet werden. Die ganze Heilkraft steckt in der grauen, im Inneren gelben, gewundenen Wurzel. Sie von der Erde zu säubern kann schwierig sein, doch lohnt sich die Mühe. Zwischen September und November, vor dem ersten Frost, sind die Heilstoffkonzentrationen am stärksten. Die mehrjährige Pflanze sammelt ihre Energie, ätherischen Öle und sämtliche Wirkstoffe in den Wurzeln als Wintervorrat. In der kalten Jahreszeit kann auch sie keine Photosynthese treiben und muss von ihren Reserven zehren. Daher sind die Wirkstoffkonzentrationen im zeitigen Frühjahr am schwächsten.

In alten Heilbüchern findet sich noch der Rat, aus den Blättern und teilweise auch Blüten einen heilenden Tee zu bereiten. Wissenschaftliche Studien konnten jedoch keine nennenswerten Inhaltsstoffe in diesen Pflanzenteilen finden. Jedoch gelang es den Wissenschaftlern, die Wirkstoffe der Wurzeln zu isolieren. Daher wurden die qualitätssichernden Analyseverfahren für die Bibernellenwurzeln auch im Deutschen Arzneibuch unter (DAB6) aufgenommen.

Bibernelle als Heilpflanze
Bibernelle als Heilpflanze / Bild: Pixabay.com/de – Hans

Medizinische Wirkstoffe und Dosierung der Bibernellenextrakte

Die beiden medizinisch zugelassenen Bibernellenarten enthalten diverse ätherische Öle, sekundäre Pflanzenstoffe und vor allem hoch wirksame.

Hierzu gehören:
  • Caffeoylchinasäuren:
    Stoffwechselanregend, harntreibend, verringerte Müdigkeit, Verdauung und Gicht
  • Saponine und Pimpinellin:
    Schleimauswerfend, entzündungshemmend und Atemwegserkrankungen
  • Cumarine und Furanocumarine:
    Gerinnungshemmend und fiebersenkend
  • Gerbstoffe:
    Adstringierend, entzündungshemmend, Darmgesundheit und Ekzeme

Bei der Dosierung sollten Erwachsene 6-12 g der getrockneten Bibernellenwurzeln pro Tag nicht überschreiten. Kinder dürfen keinesfalls mehr als 2g pro Tag erhalten. Bei länger bestehenden Symptomen ist darüber hinaus stets der Hausarzt aufzusuchen.

Für eine Tinktur werden die getrockneten Wurzeln über mindestens drei Wochen in hochprozentigem Alkohol eingelegt. Anschließend sind die festen Bestandteile abzuseihen. Lichtgeschützt sind so die essentiellen Wirkstoffe über lange Zeit haltbar. Wenige Tropfen der hoch potenzierten Lösung reichen aus, um die Wirkkräfte des Heilkrauts zu nutzen.

Für einen Tee wird ein Teelöffel der kleingeschnittenen und geschälten Wurzeln mit rund 150 ml Wasser aufgegossen und bis zu 15 Minuten ziehen gelassen. Abgeseiht und mit Honig gesüßt schmeckt der aromatische Tee angenehm.

Bibernelle als Heilpflanze
Bibernelle anstelle von Chemie / Bild: Pixabay.com/de – Tabeajaichhalt

Anwendungsgebiete – variabler als gedacht

Die Anwendungsgebiete der Bibernellenwurzel sind sehr variabel. Die verschiedenen Wirkstoffe ermöglichen die unterschiedlichsten Therapieverfahren. Am intensivsten wirkt sie gegen alle Atemwegserkrankungen und Entzündungen.

Atemwegserkrankungen
Ob Grippe, Erkältung, Husten, Heiserkeit, Asthma, Halsschmerzen oder Bronchitis – die Saponine wirken vor allem schleimauswerfend und lindernd bei allen Atemwegserkrankungen. Dadurch wird das Abhusten von Schleim erleichtert und die Atemwege befreit. Aber auch die entzündungshemmenden Substanzen lindern Reizungen in Hals und Rachen, die durch Husten und bei Rachen- oder Kehlkopfentzündungen entstehen. Dabei ist das Heilkraut so sanft, dass sogar Kinder von den lindernden Eigenschaften profitieren können.
Zudem ist seine Fieber senkende Wirkung nachgewiesen, sodass die Bibernelle bei leichtem Fieber Paracetamol oder die beliebte Acetylsalicylsäure ersetzen kann.

Bei Verdauungsstörungen
Auch bei Darmentzündungen, Verdauungsstörungen, Blähungen, Sodbrennen und Hämorrhoiden kann das Wunderheilkraut helfen. Auch hier sind erneut vor allem die entzündungshemmenden Eigenschaften zu nennen.

Herz- und Nierenprobleme
Herz- und Nierenprobleme treten häufig gemeinsam auf. Ist das Herz zu schwach, wird das Blut mit zu geringem Druck durch die Nieren gepumpt, die dann ihre entgiftenden Aufgaben nicht mehr wahrnehmen können. Die Entstehung von Nierensteinen wird gefördert und eine Operation oft notwendig. Die gerinnungshemmenden Cumarine erleichtern dem Herz die Arbeit, stabilisieren den Blutdruck und verbessern somit die Nierentätigkeit. Die Caffeoylchinasäuren wirken zusätzlich harntreibend und beugen so Nierensteinen und Gicht vor. Dabei muss jedoch stets auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden. Zwei bis drei Liter Wasser oder Tees sollte jeder Erwachsene täglich trinken, bei sportlicher Betätigung steigt der Flüssigkeitsbedarf weiter an.

Als Frauenheilkraut
Schon im Mittelalter wurden die Bibernellenwurzeln als Frauenheilkraut verwendet. Während der Schwangerschaft und Stillzeit legten die Frauen ein mit Bibernellenextrakt getränktes Tuch auf die Brust. Dies sollte gegen spannende Brüste und entzündete Brustwarzen helfen. Zudem sagten die Kräuterfrauen dem Heilkraut eine laktierende Wirkung nach, welches gerade im Mittelalter für die Kindesernährung unerlässlich war. Obwohl heute wenig in diesem Bereich angewandt, erscheint zumindest die Linderung von Entzündungen nicht unwahrscheinlich. Enthält die Bibernelle doch entzündungshemmende Wirkstoffe.

Doch auch heute ist die Bibernelle ein häufiges Frauenheilkraut bei Menstruationsbeschwerden. Unterleibsschmerzen reduzieren sich und aufgrund ihres Einflusses auf das Herz-Kreislaufsystem stabilisiert sich auch der Blutdruck. Die Cumarine und Furanocumarine wirken gerinnungshemmend, wodurch die Gebärmutter weniger arbeiten muss, um die Schleimschicht abzustoßen.
Frauen trinken bei bekannten, allmonatlich auftretenden Menstruationsbeschwerden, für die es keine medizinischen Gründe gibt, schon einen Tag vor Beginn der Regelblutung und während der Periode täglich eine Tasse Bibernellentee.

Titelbild: Pixabay.com/de – strecosa

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