Blinddarmschmerzen

Blinddarm: Wie erkenne ich eine Entzündung des Blinddarms?

Die Blinddarmentzündung – in Fachsprache Appendizitis genannt – tritt sehr häufig bei Schulkindern auf. Erwachsene sind etwas seltener betroffen, aber auch hier kommt es noch zur Blinddarmentzündung. Von 100.000 Menschen bekommen rund 100 Personen jedes Jahr den Blinddarm entfernt. Um eine Entzündung sachgemäß zu behandeln, muss diese allerdings erst einmal erkannt werden. Für einen Laien ist das jedoch nicht immer leicht und gerade bei Frauen können auch gynäkologische Ursachen für Schmerzen vorherrschen.

Wie äußert sich eine Blinddarmentzündung?

Der Ausdruck Blinddarmentzündung ist genau genommen falsch, denn entzündet ist nur ein kleines Anhängsel des Blinddarms, der Wurmfortsatz. Im menschlichen Körper hat er keinerlei Funktion und macht sich erst bei einer Entzündung schmerzhaft bemerkbar. Zwar muss nicht jede Entzündung gleich mit einer Appendektomie behandelt werden, in der Praxis ist dies aber häufig der Fall.

Charakteristisch für die Blinddarmentzündung sind Bauchschmerzen, die in der Nähe des Bauchnabels beginnen. Es dauert nur wenige Stunden, bis sich die Schmerzen in den Unterbauch nach rechts verlagern, dorthin wo der Blinddarm seine Position hat. Die Bauchdecke ist gespannt und Bewegung verursacht Schmerzen.

Auffällig ist der Loslassschmerz, der für manchen Arzt ein Hinweis auf die Blinddarmentzündung ist. Mit flacher Hand wird hierbei auf die Gegenseite (links) des Blinddarms gedrückt. Wenn der Druck dann aprupt gestoppt wird, durch Loslassen, entsteht ein scharfer Schmerz im rechten Unterbauch, der Loslassschmerz! Ist dieser vorhanden ist dies ein Zeichen für eine Beteiligung des Blinddarms.

Fieber gehört ebenfalls zu den Symptomen der Appendizitis. Es kann bis auf 39 Grad steigen, parallel hierzu tritt ein beschleunigter Puls vor. Das Fehlen von Fieber ist allerdings keine Garantie dafür, dass der Blinddarm nicht betroffen ist. Insbesondere ältere Menschen leiden sehr häufig unter einer Appendizitis ohne Fieber.

Nicht selten kommt es zu einer Beteiligung des Magens, Schmerzen und Übelkeit sind ebenso Leitsymptome wie Erbrechen. Auch die Darmtätigkeit kann beeinflusst sein, da sich durch die Entzündung Engstellen bilden können. Erste Anzeichen sind Verstopfung oder Durchfall, oft in Kombination mit bleistiftdünnem Stuhl.

Die wichtigsten Symptome der Blinddarmentzündung im Überblick:
  • Fieber bis 39 Grad
  • starke Schmerzen im rechten Unterbauch
  • Schmerzbeginn in der Bauchmitte
  • eventuell Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
  • Stuhl- und Windverhalt
  • Probleme aufrecht zu stehen

Bild Mädchen mit Fieber

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Ist der Blinddarm entzündet, kann die Diagnose nur durch einen Arzt gestellt werden. Bei akuten Schmerzen mit hohem Fieber ist es sinnvoll den Krankenwagen zu rufen, denn möglicherweise muss eine Notfalloperation durchgeführt werden. Der behandelnde Arzt wird zunächst den Bauch abstasten und die Symptome abfragen. Hierbei geht er insbesondere auf die Frage ein, wie die Schmerzsymptomatik entstanden ist. Eine Wanderung des Schmerzes von der Mitte des Bauchs in den rechten Unterbauch kann ein Anzeichen dafür sein, dass der Blinddarm betroffen ist.

In modernen Arztpraxen steht ein Ultraschallgerät zur Verfügung, welches hilfreich sein kann. Mittels Ultraschall kann der Arzt herausfinden, ob der Blinddarm und die umliegende Region entzündlich verändert ist.

Auch wird der Arzt durch Druck auf den Bauch mit dem Loslassmanöver versuchen die Ursache der Schmerzen herauszufinden. Im Krankenhaus wird Blut entnommen und Fieber gemessen. Es ist wichtig dass Patienten ihrem Arzt mitteilen, wenn sie bereits fiebersenkende oder schmerzstillende Mittel eingenommen haben. Insbesondere der Wirkstoff Paracetamol kann eine vorhandene Blinddarmentzündung durch verringerte Schmerzen und geringere Körpertemperatur verschleiern. Im Blut zeigt sich eine massive Erhöhung der Leukozyten und in sehr vielen Fällen auch ein Anstieg des CRP-Werts.

Wie äußert sich ein Blinddarmdurchbruch?

Die gefährlichste Komplikation bei einer unbehandelten Entzündung des Blinddarms ist der Blinddarmdurchbruch. Der Wurmfortsatz, welcher durch die Entzündung mit Eiter gefüllt ist, entleert sich bei einem Durchbruch in die Bauchhöhle. Die Patienten spüren eine schlagartige Erleichterung der Schmerzen, denn der Druck auf das entzündete Gewebe lässt nach.

Diese scheinbare Besserung kehrt sich dann jedoch um, die Schmerzen werden innerhalb kürzester Zeit schlimmer als vormals. Grund dafür ist, dass sich mit dem Eiter auch Stuhl und Bakterien in die Bauchhöhle entleert haben. Dies führt zu einer Entzündung des Bauchfells, in der medizinischen Sprache auch „akuter Bauch“ genannt.

Symptome hierfür sind eine brettharte, stark schmerzende Bauchdecke, die mit massiver Abwehrspannung auf Berührung reagiert. Die Betroffenen fühlen sich schwerkrank und das sind sie auch. Das Risiko einer Blutvergiftung ist hoch und bei einer akuten Bauchfellentzündung ist die Behandlung auf der Intensivstation unumgänglich.

Bild krankes Kind

Selbst herausfinden ob der Blinddarm entzündet ist

Eine Blinddarmentzündung gehört immer in medizinische Behandlung. Auch eine vermeintlich sichere Eigendiagnostik ist nicht ausreichend, hilft aber um erste Hinweise zu bekommen.

Wer unter starken Unterbauchschmerzen und den typischen Symptomen einer Blinddarmentzündung leidet, sollte versuchen auf einem Bein zu springen. Verursacht der Sprung weitere Schmerzen oder ist gar nicht möglich, deutet dies auf eine Blinddarmentzündung hin.

Gerade bei Kindern ist es ein auffälliges Zeichen, wenn diese sich nicht mehr trauen von einer kleinen Höhe zu springen oder auf einem Bein zu hüpfen. Tritt parallel hierzu Fieber auf oder beklagt sich das Kind über Bauchschmerzen, sprechen die Indizien für eine Beteiligung des Blinddarms.
Bei Erwachsenen und besonders bei sehr alten Menschen entzündet sich der Blinddarm oft ohne einen nennenswerten Temperaturanstieg. In diesem Fall ist es wichtig, dass dennoch ärztliche Hilfe in Anspruch genommen wird. Je älter der Blinddarm ist, umso schneller besteht das Risiko einer Perforation!

Bildernachweis: Titelbild – Blinddarmschmerzen Urheber: adamgregor / 123RF Standard-Bild
Mädchen mit Fieber Urheber: samotrebizan / 123RF Standard-Bild
krankes Kind Urheber: CC0 Public Domain-Pixabay.com

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