Bild Blinddarmreizung

Blinddarmreizung: Symptome, Ursachen & Behandlung

Bauschmerzen könne die vielfältigsten Ursachen haben -von Nervosität über Infektionen und Parasiten bis hin zu entzündlichen Prozessen ist die Bandbreite der möglichen Auslöser groß und eine Diagnostik nicht immer einfach oder eindeutig. Das trifft besonders auf eine Blinddarmreizung zu.

Bauchschmerzen bei Teens – nicht immer sind die Hausaufgaben schuld

Wer Kinder im Teenageralter hat, kennt die Symptome: Klassenarbeit oder Referat stehen an und der Junior liegt mit Bauchschmerzen im Bett.
Doch Obacht: Hinter vermeintlichem Schulstress kann gerade bei 9 – 14-jährigen eine Blinddarmreizung- oder gar Entzündung stecken.
Zwar kann eine solche Entzündung prinzipiell in jedem Alter auftreten, es ist aber eine besondere Häufung der Fälle im frühen Teenageralter zu beobachten. Doch was ist eine Blinddarmreizung und wie geht man am besten mit ihr um?

Bild Darmbakterien

Kleiner Übeltäter – große Wirkung

Der Name ist irreführend: bei einer Blinddarmreizung ist meist gar nicht der Blinddarm selbst, sondern sein kleines, dünnes Anhängsel, der Wurmfortsatz betroffen. Dieser heißt in Medizinerkreisen Appendix, woher auch der treffendere Name Appendizitis herrührt. Früher als Rudiment der Evolutionsgeschichte mehr ver- als beachtet, wissen Forscher heute, dass er eine kleine, aber nicht unbedeutende Rolle für die Darmflora spielt.

In der kleinen Röhre sammeln sich nämlich Darmbakterien, die zum Einsatz kommen, wenn bei einer Durchfallerkrankung die nützlichen Darmbakterien ausgespült wurden. Die kleine Population kann sich dann aus ihrem Versteck auf dem Weg machen und den Darm neu besiedeln. Allerdings ist diese Funktion bei unseren heutigen hygienischen Verhältnissen nahezu überflüssig. Daher wird der kleine Wurm auch relativ emotionslos weggeschnitten, wenn er Ärger macht.

Durch seine etwas verquere Lage am Ende eine Biegung des Dickdarms können sich hier gern einmal Kotsteine ansammeln. Doch auch Parasiten, Tablettenreste, Obstkerne und andere Fremdkörper bleiben hier gern einmal liegen und verstopfen die einzige Öffnung zwischen Blinddarm und Appendix.
Ist das der Weg versperrt, können Sekrete aus dem Wurmfortsatz nicht mehr abfließen – es kommt zunächst zu einer Reizung des Wurmfortsatzes, im weiteren Verlauf kann es dann zu einer Blinddarmentzündung kommen. Bis Anfang des letzten Jahrhunderts war die Appendizitis eine gefürchtete Erkrankung, da die Operationsbedingungen längst nicht die Möglichkeiten eröffneten, wie wir sie heute haben.

Schmerzen und Fieber immer ernst nehmen

Bauchschmerzen allein sind für viele Eltern noch kein Grund zur Sorge. Halten die Beschwerden allerdings über mehrere Stunden an und kommen weitere Symptome hinzu, sollte der Ursache auf den Grund gegangen werden. Die Schmerzen einer Blinddarmreizung fangen typischerweise um den Nabel herum an. Im Verlauf wandern sie dann nach unten rechts. Der Arzt kann bei seiner Untersuchung dann Schmerzen am sogenannten Mcburney- oder Lanz-Punkt, einer Stelle zwischen Nabel und Darmbeinstachel, auslösen.

Außerdem fühlt sich der Patient matt und abgeschlagen, oft kommen Appetitlosigkeit oder Übelkeit und Erbrechen hinzu. Fieber ist ein echtes Alarmzeichen. Dieses kann sehr schnell auf bis zu 39 Grad Celsius ansteigen. Ein Temperaturunterschied von mehr als einem Grad zwischen rektaler und axillarer Messung lässt einen Rückschluss auf eine Appendizitis zu.

Bild Blutabnahme

Wie wird die Diagnose gesichert

Eine hundertprozentig sichere Diagnostik der Blinddarmreizung gibt es trotz allen technischen Fortschritts in der Medizin leider nicht. Die oben beschriebenen Beschwerden sollten auf jeden Fall ärztlich abgeklärt und wenn nötig auch direkt behandelt werden. Dabei geht der Arzt auf die Vorgeschichte des Patienten beziehungsweise des Auftretens der Symptome ein, die sogenannte Anamneseerhebung.

Bei verschiedenen Tastuntersuchungen wird nach typischen Symptomen der Appendizitis gesucht. Hier kommen der McBurney und der Lanz-Punkt wie auch der kontralaterale Loslassschmerz zum Tragen. Hierbei handelt es sich um einen Schmerz auf der rechten Seite, der nach Loslassen eines Druckpunktes auf der linken Seite ensteht. Dazu kommt der Douglas-Schmerz, der bei Abtasten durch das Rektum auftritt, sowie der Psoas-Dehnungsschmerz. Schmerzen treten dann bei dem Dehnen des Beines in der Hüfte auf.

Außerdem können sowohl bei der Blinddarmreizung- als auch bei der Entzündung Rückenschmerzen auftreten.

Neben den Tastuntersuchungen, die oft auch eine gespannte Bauchdecke zeigen, ist die Blutuntersuchung ausschlaggebend für die Diagnostik. Sind die Entzündungswerte erhöht, müssen weitere Maßnahmen ergriffen werden. Eine Ultraschalluntersuchung kann Aufschluss darüber geben, ob eine Blinddarmreizung- oder Entzündung vorliegt. Auch andere bildgebende Verfahren, wie die Computertomographie (CT) können zu Rate gezogen werden.

Da auch die Harnleiter durch die Enzündung in Mitleidenschaft gezogen werden können, kann auch eine Urindiagnostik sinnvoll sein. Insbesondere bei Mädchen und Frauen müssen mögliche weitere Ursachen der Beschwerden, wie eine Eileiterentzündung oder Eileiterschwangerschaft ausgeschlossen werden. Eine gynäkologische Untersuchung ist daher unumgänglich.

Bild Antibiotika

Blinddarmreizung – was dann?

Ist der Appendix nur leicht gereizt und die Entzündungswerte nur moderat erhöht, muss meist noch nicht operiert werden. In aller Regel reicht dann eine abwartende konservative Behandlung aus. Neben Bettruhe und leichter Kost wird der Arzt Antibiotika verschreiben, die die Entzündung zum Stillstand bringen sollen. Eine Blinddarmreizung kann sich schubweise verbessern wie auch verschlechtern. Der Verlauf sollte gut beobachtet werden, um bei einer stetigen Verschlechterung reagieren zu können.
TIPP: Leicht verdauliche Schonkost ohne blähendes Obst und Gemüse kann die Heilung unterstützen.

Kommt es zu anhaltenden Beschwerden und zeigen sich weitere Symptome, so ist eine OP meist unumgänglich. Dabei wird unter Vollnarkose entweder ein kleiner Bauchschnitt vorgenommen oder der entzündete Appendix laparoskopisch als über eine „Schlüsselloch-OP“ entfernt. Die Blutversorgung zum Appendix wird dabei erst unterbunden, dann wird er vom eigentlichen Blinddarm abgesetzt. Die Wunde am Darm wird mit einem resorbierbaren Faden verschlossen.

Neben den allgemeinen Risiken einer Vollnarkose gehören Wundheilungsstörungen, Missempfindungen im Bereich der Wunde, Narbenbildung und Infektionen zu den häufigsten Nebenwirkungen einer solchen OP. Ob die OP tatsächlich notwendig war, zeigt sich erst nasch der Feinschnittdiagnostik des entfernten Wurmfortsatzes. Dann kann hundertprozentig entschieden werden, ob eine Entzündung vorlag.

In 90% der Fälle lag tatsächlich eine Appendizitis vor. In 4-10% der Fälle wurden die Beschwerden durch andere Ursachen ausgelöst.
Die Unterscheidung zwischen Blinddarmreizung und- entzündung ist also sehr diffizil und erfordert viel diagnostisches Wissen. Neuere Forschungen haben ergeben, dass eine Antibiotikagabe eine OP verzögern oder sogar unnötig machen kann. Sind die Symptome und Beschwerden also nicht besonders ausgeprägt und lassen keinen Schluss auf eine akute Gefahr zu, kann eine abwartende Therapie also zunächst sinnvoll sein.

Eine OP sollte aber nicht verzögert werden, wenn die Diagnostik auf eine schwerwiegende Entzündung hinweist. Auf jeden Fall sollte bei den benannten Beschwerden in Kürze der Hausarzt oder ein Chirurg aufgesucht werden, um eine Blinddarmreizung auszuschließen.

Bildernachweis: Titelbild – Blinddarmreizung Urheber: ruigsantos / 123RF Standard-Bild
Blutabnahme Urheber: CC0 Public Domain-Pixabay.com
Darmbakterien Urheber: CC0 Public Domain-Pixabay.com
Antibiotika Urheber: CC0 Public Domain-Pixabay.com

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