Bild Posttraumatische Belastungsstörung

Die Posttraumatische Belastungsstörung und ihre Therapie

Bei der Posttraumatischen Belastungsstörung handelt es sich um eine seelische Krankheit, die aufgrund einer schlimmen, persönlichen Erfahrung ausgelöst wurde, ein sogenanntes Trauma. Hierzu gehören ganz unterschiedliche Dinge, häufig sind beispielsweise Soldaten nach Kriegseinsätzen betroffen oder Frauen, nachdem sie das traumatische Erlebnis einer Vergewaltigung erleben mussten.

Wissenswerte Fakten zur Posttraumatischen Belastungsstörung

Die Erkrankung kann jeden Menschen treffen, der ein Trauma in unterschiedlicher Form durchleben musste. Mitunter sind auch Zeugen schlimmer Begebenheiten betroffen, beispielsweise Beiwohnende bei einem schweren Verkehrsunglück. Zwischen dem Zeitpunkt des Ereignisses und dem Auftreten erster Symptome können Monate vergehen, manchmal tritt die PTBS jedoch auch akut nach dem Erlebnis auf.

Behandelt werden kann eine PTBS ambulant oder stationär. Sehr wichtig bei der Auswahl der Behandlung ist, dass sie von einem Experten durchgeführt wird. Spezialisierte Trauma Therapeuten arbeiten nicht in allen Kliniken, sie sind aber wichtig, um die Krankheit möglichst vollständig zu beheben.

Bild Trauma in der Kindheit
Auch ein Trauma in der Kindheit kann zu einer PTBS führen!

Was wird unter einem Trauma verstanden?

Ein Trauma ist die Voraussetzung dafür, dass eine Posttraumatische Belastungsstörung entstehen kann. Ohne traumatisches Erlebnis tritt diese Erkrankung nicht auf. Nicht jeder Betroffene erkennt sofort, dass er ein solches Trauma durchlitten hat, insbesondere weil die Symptome oft erst viel später auftreten. Selbst traumatische Erlebnisse in der Kindheit, an die der Betroffene keine Erinnerung mehr hat, können im späteren Leben zu einer PTBS führen.

Als Trauma wird eine Situation definiert, die für den Menschen sehr belastend war und die unabhängig vom Charakter bei den meisten Menschen zu einer schweren Erschütterung führen würde. Der Betroffene erlebt eine Situation, die mit massiven Ängsten einhergeht, bei der Leib und Leben subjektiv oder objektiv bedroht sind. Während des Traumas fühlen sich Betroffene hilflos, verzweifelt und durchleiden häufig Todesangst. Ob Sie selbst von der Situation betroffen sind oder als Augenzeuge mitleiden mussten, spielt nur eine untergeordnete Rolle bei der Entstehung einer PTBS.

Folgende Erlebnisse führen häufig zu einer Posttraumatischen Belastungsstörung:
  • Erlebnis von Naturkatastrophen (Erdbeben, Brand uvm.)
  • ein Verbrechen, ein persönlicher, bedrohlicher Angriff
  • Vergewaltigung oder sexueller Missbrauch, auch lang zurückliegend in der Kindheit
  • Kriegserfahrungen, Folter, Gefangenschaft
  • Terrorismus
  • Verkehrsunfall
  • Diagnosestellung einer gefährlichen Erkrankung

Wer bekommt eine Posttraumatische Belastungsstörung?

Die PTBS ist keine Charaktersache, selbst Menschen mit einem starken, gefestigten Charakter können daran erkranken. Vielmehr ist es entscheidend, wie ein solches Erlebnis aufgefangen und behandelt wird. Erlebnisse werden im Gehirn abgespeichert, bei der PTBS ist nach derzeitigem Kenntnisstand der Forschung eine fehlerhafte Abspeicherung eine der Ursachen.

Es gibt einige Lebensumstände, die die Entstehung einer PTBS begünstigen können. Dazu gehören:
  • ein intensives, langes Trauma (Gefangenschaft, Entführung etc.)
  • keine Freunde und Familie, die nach der Situation zum Auffangen bereit stehen
  • bereits durchlebte Traumata oder vorhandene, seelische Erkrankungen
  • Gewalteinwirkung durch einen anderen Menschen
  • eventuell eine genetische Veranlagung
  • Berufsgruppen die ein erhöhtes Risiko haben (Polizisten, Soldaten, RTW-Einsatzkräfte)

Wie äußert sich eine Posttraumatische Belastungsstörung?

Ein Leitsymptom der PTBS ist, dass Sie immer wieder mit der auslösenden Situation konfrontiert werden. Ausgelöst werden solche Flashbacks oft durch äußere Reize, beispielsweise einen bestimmten Geruch, ein Geräusch oder ein Bild, was Ihr Gehirn mit dem Trauma in Verbindung bringt.

Während eines solchen Flashbacks erleben Sie als Betroffener noch einmal die starken Gefühle, die während des Traumas in Ihnen ausgelöst wurden. Besonders schwierig wird die Lokalisierung der Ursache dann, wenn keine Erinnerung an das Trauma besteht. So sehen manche Betroffene Bilder, erleben Hilflosigkeit und Panik, können sich aber nicht an das Geschehen erinnern.

Häufig versucht das Gehirn das Erlebte auch in der Nacht zu verarbeiten. Es kommt immer wieder zu Alpträumen, in denen Bruchstücke der Situation wieder auftreten, sich die erlebten Gefühle erneut manifestieren. Das kann zu massiven Schlafstörungen mit körperlichen Folgen führen.

Wer einmal durch das bedrohliche Gefühl eines Traumas gehen musste, kann mitunter mit der Bedrohungssituation nicht abschließen. Betroffene einer PTBS fühlen sich permanent bedroht, sie haben Angst vor der Umwelt, verlieren das Vertrauen in ihre Mitmenschen und stehen dauerhaft unter Strom. Ein solcher Dauerreiz ist ungesund für Körper und Geist, es kann zu anhaltender Aggression, Schreckhaftigkeit oder permanenten Ängsten kommen.

Außenstehende haben es oft schwer die Not einer betroffenen Person zu erkennen, da diese zum sozialen Rückzug neigen. Menschen mit PTBS sprechen nicht über das Erlebte, sie isolieren sich von ihrem Umfeld, meiden Orte an denen sie Flashbacks erlitten haben und verkümmern innerlich. Zudem fühlen sich Betroffene oft stark erschöpft, sie können ihr Arbeitspensum nur noch mit Mühe oder gar nicht mehr bewältigen. Manche Betroffene greifen in ihrer Not zu Suchtmitteln wie Alkohol und Drogen, um die Emotionen zu dämpfen.

Wie wird eine Posttraumatische Belastungsstörung behandelt?

Die Behandlung einer PTBS kann ambulant oder stationär in einer Klinik stattfinden. Zunächst muss der Behandler sicherstellen, dass der Betroffene nicht unter einer anderen, psychischen Erkrankung leidet. Nicht immer ist es einfach die PTBS von Angsterkrankungen, Depressionen oder Zwangsstörungen abzugrenzen. Ein spezieller Traumatologe ist hierzu jedoch imstande und kann dann die richtige Therapie für den Betroffenen einleiten.

Die Therapie einer PTBS erfolgt in mehreren Schritten. Ob in einer Klinik oder ambulant beim Psychologen behandelt wird spielt eine untergeordnete Rolle, allerdings ist die stationäre Behandlung für viele Patienten effektiver. Mit einer falschen Therapie können sich die Symptome verschlimmern, daher sollte bei der Klinikauswahl immer darauf geachtet werden, dass erfahrene Trauma Therapeuten zur Verfügung stehen.

Die erste Phase der Therapie

Während der ersten Therapiephase stellt der Psychologe sicher, dass sich der Betroffene in einer geschützten Umgebung befindet. Er muss vor weiteren Traumata geschützt werden und Informationen über seine Erkrankung erhalten. Wenn Angehörige vorhanden sind, sollten diese nach Möglichkeit in die Therapie einbezogen werden. Sie sollten Kenntnis über die Erkrankung erhalten und mit Tipps ausgestattet werden, wie der Betroffene Hilfe erfahren kann.

Phase zwei der Therapie

Die zweite Phase dient dem Vertrauensaufbau zwischen Therapeut und Patient. Es ist sehr wichtig, dass dieses Vertrauen nicht erschüttert wird. Wenn Sie als Betroffener spüren, dass Sie mit Ihrem Psychologen kein solches Verhältnis aufbauen können, dürfen Sie jederzeit den Behandler wechseln.

Im Zuge der Behandlung lernen Betroffene, wie sie im Alltag die Symptome bewältigen können. Kontrollmechanismen für die quälenden Flashbacks und Emotionen werden erlernt, gleichzeitig erläutert der Therapeut Entspannungsmechanismen.

Bei schweren Begleitsymptomen, wie beispielsweise einer Depression mit Suizidgefahr, werden häufig Medikamente, wie z.B. Antidepressiva, verordnet. Auch wenn die PTBS grundsätzlich stationär oder ambulant behandelt werden kann, sollte bei bestehender Suizidgefahr eine Klinik den Vorzug erhalten.

Phase drei der Therapie

Wie schnell die dritte Therapiephase erreicht ist liegt daran, wie es um die emotionale Stabilität des Patienten bestellt ist. Kann er Strategien umsetzen um die Emotionen zu kontrollieren? Hat er die Möglichkeit seine Gefühle zu steuern? Erst wenn diese Fragen mit Ja beantwortet werden können, nähern sich Behandler und Patient gemeinsam dem Trauma.

Stück für Stück führt der Therapeut seinen Patienten durch die traumatische Situation, sie wird quasi noch einmal erlebt, aber anders verarbeitet und im Gedächtnis abgespeichert. Häufig sind emotionale Fehlsteuerungen die Ursache, warum eine Situation nicht verarbeitet werden kann. So fühlen beispielsweise Frauen große Schuld nach einer Vergewaltigung und können mit dem Erlebten nicht abschließen. Durch die Therapie wird die Situation noch einmal durchlebt und bewertet, so dass der Geist damit abschließen kann.

So behandelt man eine posttraumatische Belastungsstörung

Ein neuer Start ins Leben

Wie lange die Therapiephase dauert, ist im Vorfeld nicht abzusehen. Jeder Mensch reagiert individuell auf Geschehnisse und braucht unterschiedlich lang, um diese zu verarbeiten. Bei der Wahl einer Klinik ist es daher wichtig im Vorfeld Erkundungen einzuziehen, ob es Begrenzungen der Aufenthaltszeit gibt. Dies sollte bei der Behandlung einer PTBS nicht der Fall sein.

Bildernachweis:
Titelbild – Urheber: jochenschoenfeld / 123RF Lizenzfreie Bilder
Trauma in der Kindheit – Urheber: ambrozinio / 123RF Lizenzfreie Bilder

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