Endstadium Lebermetastasen

Wenn die Diagnose von Lebermetastasen im Endstadium gestellt wurde, drängen sich dem Betroffenen unheimlich viele Fragen auf. Der größte Irrtum, dem Patienten anheim fallen, ist, dass der Arzt damit einen Leberkrebs diagnostiziert hat. Im engeren Sinne handelt es sich bei Metastasen in der Leber aber gar nicht um eine Form des Leberkrebses.

Lebermetastasen – Definition und Entstehung

Metastasen in der Leber entstehen, wenn in anderen Organen bösartige Tumore existieren, von denen Tumorzellen abgelöst werden und sich in der Leber ansiedeln. Damit grenzen sich die Lebermetastasen vom Leberkarzinom ab, welches ein in der Leber direkt gebildetes Krebsgeschwulst ist. Das heißt, der eigentliche Krebs sitzt in einem anderen Organ wie der Brust oder dem Darm. Trotzdem handelt es sich natürlich um Tumore in der Leber, die allerdings von einem Ursprungstumor außerhalb der Leber gestreut wurden.

Eine eigenständige Krebserkrankung in der Leber liegt damit nicht vor. Zudem sollten Lebermetastasen nicht mit gutartigen Lebertumoren verwechselt werden. Es gibt in Nordamerika und Europa weitaus mehr Patienten, bei denen Lebermetastasen auftreten, als solche, bei denen ein echter Leberkrebs diagnostiziert wird. In der Fachsprache wird daher grundsätzlich zwischen „sekundären Lebertumoren“ oder „hepatischen (die Leber betreffende) Metastasen“ und einem echten Karzinom der Leber wie dem „Cholangiozellulären Karzinom“ oder „Hepatozellulären Karzinom“ bzw. einem „primären Leberkarzinomen“ unterschieden. Im Folgenden soll das Augenmerk auf den Lebermetastasen liegen.

Wie die Krebszellen in die Leber gelangen

Die Zellen vieler Tumorarten wandern zunächst über die Lymphbahnen in die Lymphknoten. Von dort gelangen die Tumorzellen in andere Organe. Lebermetastasen hingegen entstehen meist durch hämotogene Streuung, bei der sich Zellen des Ursprungstumor ablösen und über die Blutbahnen in die gut durchblutete Leber gespült werden. Krebszellen von Tumoren in den Verdauungsorganen können über die Pfortader in die Leber gelangen. Es handelt sich dabei um eine große Vene, die für den Transport von nährstoffreichem Blut aus dem Dünndarm, dem Dickdarm, dem Magen, der Speiseröhre, der Bauchspeicheldrüse und der Milz in die Leber zuständig ist. Lebermetastasen finden sich daher häufig bei Patienten mit Darm-, Bauchspeicheldrüsen-, Magen- oder Speiseröhrenkrebs. Über die Hauptschlagader sowie die Leberarterie können aus dem gesamten Kreislauf ebenfalls Krebszellen in die Leber befördert werden.

Befunde richtig verstehen – Einteilung der Lebermetastasen

Werden Lebermetastasen gleichzeitig mit dem Ursprungstumor festgestellt, so spricht der Mediziner von „synchronen Lebermetastasen„. „Metachrone Lebermetastasen“ entstehen hingegen erst im weiteren Verlauf einer Krebsbehandlung. Zudem muss zwischen einzelnen Tumorabsiedlungen („singuläre Metastasen„) und mehreren Ansiedlungen („multiple Metastasen“) unterschieden werden. Bei der Behandlungsplanung kommt es natürlich neben der Anzahl auch auf das Aussehen, die Größe und die Lage der Lebermetastasen an. „Solitäre Metastasen“, die einzeln auftreten, sind in der Leber eher selten, häufiger sind „multiple Lebermetastasen„. Die Metastasen können sich sowohl scharf vom umliegenden Lebergewebe abheben, als auch unscharf und verwachsen auftreten. Im fortgeschrittenen Stadium einer Krebserkrankung müssen viele Patienten mit der Diagnose „Lebermetastasen“ leben.

Die Prognose für eine Heilung war bislang immer sehr schlecht. In den 1990er Jahren gingen Mediziner davon aus, dass der Patient nur noch wenige Monate zu leben hatte. Mittlerweile haben sich die Prognosen deutlich verbessert, da die Medizin effektive Therapien entwickelt hat, die das Risiko mindern. Selbst bei Krebs im Endstadium, können moderne Therapieformen dem Patienten eine längere Überlebenszeit schenken und die Lebensqualität steigern.

Chirurgie bei Lebermetastasen
Es gibt große Fortschritte in der chirurgischen Behandlung / Bild: Pixabay.com/de – tpsdave

Fortschritte der Chirurgie

Für Krebspatienten im Allgemeinen ist die Zusammenarbeit der behandelnden Fachärzte wichtig. Radiologen, Onkologen und Chirurgen müssen für die Beratung der Patienten und Einleitung der passenden Therapie eng vernetzt sein. Die größte Aufgabe fällt allerdings den Chirurgen zu. In den letzten Jahren wurden in der Chirurgie sehr große Fortschritte in der Behandlung von Metastasen gemacht. Im günstigsten Fall können die Ursprungstumore zusammen mit den Lebermetastasen entfernt werden, sofern noch ausreichend gesundes Lebergewebe vorhanden ist. Im Endstadium ist eine operative Entfernung allerdings selten möglich.

Chemotherapie – neue wirkungsvolle Methoden

Wenn ein operativer Eingriff nicht mehr möglich ist, kann eine Alternative in einer chemotherapeutischen Vorbehandlung liegen. Die angewandten Antikörper können den Tumor schrumpfen lassen, so dass danach ein Eingriff ohne Probleme möglich wird. Insbesondere, wenn Lebermetastasen sehr nah an den Gallenwegen oder wichtigen Blutgefäßen liegen, sind die neuen Chemotherapien ein hilfreiches Verfahren. Lokale Chemotherapien ermöglichen die Leitung der Medikamente direkt über die Leberarterie zu den Metastasen.

Chemotherapie bei Lebermetastasen
Die Chemotherapie als mögliche Vorbehandlung / Bild: Pixabay.com/de – klbz

Intra-arterielle Radiotherapie

Eine effektive, lokale Therapie stellt auch die SIRT (intra-arterielle Radiotherapie) dar. Zu den Standardverfahren gehört die neue Therapie mittlerweile bei Krebs im fortgeschrittenen Stadium. Für diese Art der Therapie wird in die Schlagader der Leiste ein Katheter eingeführt. Über diesen werden winzige Kügelchen aus Glas, welche radioaktiv geladen sind, ins Gewebe eingebracht. Die sehr kleinen Blutgefäße werden von diesen Kügelchen verstopft. Auf diese Weise sorgen die Kügelchen dafür, dass die Metastasen nicht mehr mit „Nahrung“ bzw. frischem Blut versorgt werden können. Die intra-arterielle Radiotherapie kommt allerdings leider nicht für jeden Patienten mit Metastasen in der Leber in Frage. Bei jedem Patienten fällt die Versorgung der Blutgefäße nämlich anders aus. Entsprechend sind vor jeder Verordnung umfassende Tests notwendig, um sicherzustellen, dass diese Therapie auch sinnvoll ist.

Endstadium – nicht gleich die Hoffnung verlieren

Patienten mit Metastasen in der Leber, denen das Endstadium diagnostiziert wurde, sollten daher nicht gleich die Hoffnung verlieren. Viel mehr sollte Rücksprache mit den Fachärzten gehalten werden, welche Therapieformen für eine längere Überlebenszeit eingesetzt werden können.

Titelbild: Urheber: leptospira / 123RF

One comment

  1. Manuela Swiggett

    Hallo
    Meiner Freundin wurde 2016 Darmkrebs mit Streuung in der Leber diagnostiziert. Der Tumor im Darm wurde entfernt und dann begann die Chemotherapie. Anfangs war die Therapie nicht so vielversprechend wie erhofft, da sie eine sehr aggressive Krebsart hat. Die Metastasen in der Leber haben sich leicht vergrössert und es kamen 2 Herde in der Lunge dazu. Seit letztes Juli 2017 nimmt sie zusätzlich Methadon und es trat eine Verbesserung ein im Dezember. Meine Freundin nahm eine Pause der Chemotherapie von 5 Wochen um Kraft zu sammeln. Als sie wieder anfangen wollte mit der Chemo bekam sie plötzlich Schmerzen im Oberbauch bis in den Rücken. Es wurde immer schlimmer und nun liegt sie im Krankenhaus will sie gelb ist und der GGT Wert bei 300 ist. Es wurde ein ERCP gemacht… man sah das der Gallengang frei ist, aber mehrere Stauungen in den Verästelungen sind. Was bedeutet das nun?? Was können wir erwarten??
    Ich wäre froh wenn sie mir antworten könnten.
    MfG
    Manu

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