Familienzeit statt Spielzeug – so wichtig ist die Familie für Kinder

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„Diese Zeit gehört dir“ – so lautet der aktuelle Werbeslogan der Deutschen Bahn AG seit April letzten Jahres. Seit kurzem werden nun auch ganz gezielt Familien angesprochen, etwa damit, dass Kinder kostenlos mit ihren Eltern oder Großeltern mitreisen können oder gesonderte Bereiche für Familien und Kinderbetreuung angeboten werden. Auch der Slogan hat sich dementsprechend angepasst – „Bahnzeit ist Familienzeit“. Die Deutsche Bahn AG erweiterte aber nicht nur ihr Zielpublikum, sondern erweiterte ihre Kampagne mit sehr emotionalen Videos von Eltern und Kindern.

Hierfür wurden Familien aus ganz Deutschland eingeladen, um der Frage nachzugehen, was sich Kinder am meisten wünschen. Und das Ergebnis ist eindeutig. Obwohl alle Kinder sich auch die unterschiedlichsten materiellen Dinge wünschen, steht ein Wunsch an oberster Stelle: Mehr Zeit mit der Familie verbringen.

Das Ergebnis verwundert kaum, vor allem, wenn beide Eltern berufstätig sind und der Spagat zwischen Beruf und Familie für alle zur Herausforderung wird. Die Videobotschaft regt auf alle Fälle zum Nachdenken an. Familienzeit ist das wichtigste Gut, das man seinem Kind schenken kann. Und dennoch scheint es immer wieder Defizite in der Familienzeitplanung zu geben. Doch ist das Problem wirklich so gravierend?

Was Kinder wirklich wollen

Dieser Frage sind die zwei Umfragen Kinderwertemonitor (KWM), der 2012 von UNICEF und GEOlino erhoben wurde und 1012 Kinder zwischen 6 und 14 Jahren befragte, und World Vision Kinderstudie 2013 (WVK), die Kinder zwischen 6 und 11 Jahren befragte, nachgegangen. Und deren Ergebnisse geben Anlass zur Freude.

Denn die Kinder sind grundsätzlich sehr zufrieden mit ihrer familiären Situation und der gemeinsamen Zeit. Laut KWM sind ihre Wertvorstellungen sehr stark ausgeprägt, das Wichtigste für die Kinder ist laut der Umfrage ihre Familie und Freunde (70%), daneben spielen auch Geborgenheit und Ehrlichkeit eine große Rolle. Besitztümer und Geld sind dagegen nur nebensächlich, nur etwa 21 % der Befragten bewerteten diese als „total wichtig“. Doch erst ein Blick auf die Ergebnisse der WVK gibt wirklich Aufschluss über die Bewertung der Familienzeit. Nach dieser Studie sind die befragten Kinder zu 59 % sehr zufrieden und zu 32 % zufrieden mit ihrem Leben. Ihre erlebte elterliche Fürsorge bewerten sie zu 88 % positiv.

Familienzeit

Allein diese Ergebnisse können alle Eltern glücklich stimmen. Doch es geht noch genauer!

Laut dem KWM verbringen die befragten Mütter im Schnitt 5,2 Stunden und die Väter 2,9 Stunden mit ihren Kindern, und die Kinder sind mehrheitlich zufrieden mit dieser Familienzeit. Ein etwas detaillierteres Bild offenbart sich bei der WVK: 64 % der Kinder finden, dass ihre Mütter genügend Zeit für sie haben, aber nur 34 % denken das auch über ihre Väter. Nicht genügend Zeit haben laut Antworten nur 6 % der Mütter und 16 % der Väter. Diese Ergebnisse sind erwartungsgemäß. Trotz des Umstandes, dass bei 60 % aller Familien deutschlandweit beide Elternteile berufstätig sind, ist es doch der Vater, der meist allein in Vollzeit arbeiten geht und sich so dem Familienleben am stärksten entzieht.

Dies soll aber nicht bedeuten, dass Kinder kein Verständnis für diese Arbeitsteilung besitzen würden. Laut dem KWM sind über 50 % der befragten Kinder froh, dass ihre Eltern eine Arbeit haben. Und nach der WVK fürchten sich 26 % vor der Arbeitslosigkeit ihrer Eltern. Doch gerade einmal 2 % fühlen sich oft und 10 % ab und zu dadurch benachteiligt, dass ihre Eltern „nicht so viel Geld haben“.
Es ist erstaunlich, wie reflektiert die befragten Kinder Einsicht über ihr Leben und das ihrer Eltern besitzen. Die Kinder haben durchaus Verständnis für das elterliche Berufsleben und scheinen auch zu verstehen, dass der Beruf der Eltern ein notwendiges Übel ist.

Zeit mit den Eltern verbringen

Wird mehr Familienzeit gewünscht?

Kinder betrachten nicht nur das Familienleben als besonders wichtig, sondern sie erleben ihr generelles und ihr familiäres Leben auch als durchaus positiv. Es zeigt sich in den beiden Studien insgesamt ein sehr positives Bild. Deutschlands Kinder sind sehr glücklich über die Familienzeiten und zeigen auch ein tiefes Verständnis für den elterlichen Berufsalltag.

Warum also geben die Kinder bei der Umfrage der Deutschen Bahn AG an, mehr Zeit mit der Familie verbringen zu wollen?

Dies liegt vor allem daran, dass die Familienzeit aufgrund von unterschiedlichen Arbeitszeiten der Eltern zerstückelt verläuft. Oftmals kommen die Väter viel später nach Hause und haben dementsprechend wesentlich weniger Zeit für die Familie. Für die Kinder ist das meist gewohnter Alltag und sie haben sich auch gut damit arrangiert. Trotzdem wünschen sie sich schlicht und ergreifend mehr Zeit mit der gesamten Familie. Das heißt nicht, dass sie quantitativ mehr Familienzeit erleben wollen. Vielmehr spiegelt das Video der Deutschen Bahn AG den Wunsch wieder, die bereits vorhandene Familienzeit qualitativer, d.h. intensiver und mit allen Familienmitgliedern gemeinsam, zu erleben.

Der Bildungsforscher Prof. Bertram von der Humboldt-Universität Berlin fasst die Situation treffend zusammen: „Berufstätige Mütter und Väter leiden mehr unter der knappen gemeinsamen Zeit als ihre Kinder.“

Kleiner Exkurs: Darum ist Familienzeit so wichtig für die kindliche Entwicklung

Die gemeinsamen Zeiten aller Familienmitglieder sind sehr wichtig, füllen sie doch erst die Familie mit Wärme. Zudem fördert die Familienzeit im besonderen Maße ein Gefühl von Nähe, Anteilnahme und Solidarität zwischen allen Familienmitgliedern. Die gemeinsame Zeit stärkt die Bindung zwischen Kindern und Eltern und gibt ihnen die Möglichkeit, sich vollkommen und angstfrei zu entfalten. Vor allem gemeinsame Rituale unterstützen diese Effekte. Es sind beispielsweise tägliche Gutenacht-Geschichten oder das gemeinsame Frühstück, jede immer wiederkehrende Kleinigkeit, die aus dem kulturellen Kontext übernommen werden (Weihnachtsessen, Ostereiersuchen etc.) oder sich aus dem Familienalltag herauskristallisieren. Rituale minimieren Hektik und helfen, den Alltag zu bewältigen sowie kritische Situationen zu meistern – sie bieten durch ihre Regelmäßigkeit angenehme Fixpunkte, die Stress vorbeugen und diesen reduzieren können.

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