Geschwollene Zunge – Ursache und Behandlung

Eine geschwollene Zunge ist für alle ein großes Vergnügen – außer für dich selbst. Nicht nur, dass die Aussprache feucht wird, eine anständige Artikulation ist schlichtweg unmöglich. Das schallende Gelächter aller Umstehenden, besonders bei Worten mit vielen “S”, ist dir gewiss. Auch so pfiffige Anmachen von der Seite wie – zeig mal dein neues Zungenpiercing! – sind sich häufig wiederholende Sprüche. Doch neben diesen Volksbelustigungen ist eine geschwollene Zunge für dich selbst alles andere als witzig. Die einfachsten Dinge wie Essen, Trinken, Reden fallen auf einmal schwer. Doch am schlimmsten ist das ständige, unterschwellige Gefühl, nicht mehr richtig Luft zu bekommen. Was du dagegen tun kannst und wie sich die Schwellung schnell verringert, kannst du hier lesen.

Der Blick in unseren Körper

Die Zunge wurde schon seit jeher zur Diagnose der verschiedensten Erkrankungen herangezogen. Schon in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) vor fünftausend Jahren wurde ein Zungenatlas beschrieben, der spezifische Veränderungen mit Erkrankungen des gesamten Körpers in Verbindung bringt. Auch heute noch wird in Naturheilpraxen auf ähnlicher Grundlage der Zunge zu Recht eine besondere Bedeutung beigemessen. Neben einer Schwellung und ihrer Ausprägung sind auch Farbe, Struktur und mögliche Beläge deutliche Hinweise auf die Gesundheit des gesamten Organismus.

Die Ursachen einer geschwollenen Zunge können hier in vier Kategorien untergliedert werden:

  • Mechanische Einwirkungen
  • Allergische Reaktionen
  • Infektionen
  • Systemische Krankheiten und Mangelerscheinungen

Dementsprechend unterschiedlich sind die notwendigen Behandlungen. Während bei mechanischen Einwirkungen meist eine vergleichsweise geringe, harmlose Schwellung zustande kommt, können sowohl von allergischen Reaktionen als auch Infektionen sogar tödliche Gefahren ausgehen. Eine gründliche Anamnese grenzt die Ursachen der Zungenschwellung schnell ein. Grundsätzlich kann eine Verdickung sowohl akut als auch schleichend auftreten. Auch kann sie in regelmäßigen Abständen und scheinbar ohne Gründe erneut anschwellen (rezidivieren). In diesen Fällen muss der Arzt besonders nach der Ursache forschen.

Mögliche Ursachen
  • Mechanische Einwirkungen: Dass die Zunge nach einem Piercing enorm anschwellt, verwundert wohl niemanden so richtig. Aber unter die mechanischen Einwirkungen zählen eben auch Bisse, Verbrennungen sowie Reizungen, ausgelöst durch Zahnspangen, Prothesen oder Zähneknirschen. Es gibt Menschen, die ihre Zunge so fest gegen die Zähne drücken, dass sichtbare, langanhaltende Abdrücke zurückbleiben. Diese permanente Reibung und Beanspruchung kann zu einer mäßig angeschwollenen Zunge führen. In all diesen Fällen einer mechanischen Einwirkung hilft als akute Lösung, die Zunge zu kühlen, um so ein schnelles Abschwellen zu gewährleisten. Darüber hinaus solltest du schnell die Ursache dieser Schwellungen beheben. Der Zahnarzt kann den Sitz von Zahnspangen, Brücken, Prothesen und Co. verbessern und eine Knirschschiene verringert meist ebenfalls die auf die Zunge ausgeübte Kraft.
  • Allergische Reaktionen: Von der Tierhaarallergie über Lebensmittelunverträglichkeiten bis hin zu Insektenstichen – nahezu jede Allergie kann zu einer geschwollenen Zunge führen. Helfen kann hier nur, die Ursachen der Allergie mittels eines Tests genauestens zu bestimmen und dieser Reizquelle fortan bestmöglich aus dem Weg zu gehen. Akute Hilfe kann mittels spezieller Allergietabletten aus der Apotheke geleistet werden. Gerade bei einem Anschwellen der Zunge muss die betreffende Person jedoch genauestens beobachtet werden, da die Sauerstoffversorgung eingeschränkt sein kann. Grundsätzlich kann es sich bei einer allergischen Reaktion auch um einen anaphylaktischen Schock handeln. Dieser besteht, wenn die Reaktion auf eine Ursachenquelle rasch eintritt. Jetzt besteht sogar Lebensgefahr und der Notarzt sollte umgehend gerufen werden.
  • Infektionen: Die wohl häufigste Ursache einer geschwollenen Zunge ist eine Entzündung. Diese Glossitis kann sowohl durch Bakterien, Viren als auch Pilze entstehen. Überwiegend ist sie jedoch harmlos und bedarf keiner medikamentösen Behandlung. Um zu untersuchen, ob eine mykotische, virale oder die vergleichsweise harmlose bakterielle Form der Glossitis vorliegt, wird der HNO – Arzt eine Sichtkontrolle und gegebenenfalls einen einfach durchführbaren Abstrich vornehmen. Wenn der Arzt grünes Licht gibt, ist zu erwarten, dass die Zunge innerhalb von drei Tagen vollkommen abschwillt. Eine gute Mundhygiene hilft, die Bakterien schnell auszuschwemmen und den Genesungsprozess zu beschleunigen. Spülungen mit Salzwasser oder lauwarmen Salbeitee sind problemlos mehrfach täglich durchführbar. Besonders scharfe und heiße Speisen und Getränke sind jedoch zu vermeiden.

Neben der Schwellung der Zunge treten meist noch weitere Symptome einer Entzündung auf. Dazu gehören Juckreiz, unangenehmes bzw. verringertes Geschmacksempfinden sowie brennende Schmerzen. Eine Spezialform der Glossitis wird daher auch “Burning – mouth – Syndrom” genannt. Diese multifaktoriell bedingte Erkrankung tritt vor allem bei Frauen über 40 auf. Besonders Stress scheint der Auslöser zu sein.

Spülungen bzw. Tees aus:

  • Taubnesselblüten,
  • Eibischblättern
  • sowie Hamamelis

können das Brennen jeder Glossitis lindern. Diese sind in der Apotheke mit Anwendungsempfehlungen erhältlich.

Du kannst deinem Immunsystem auf die Sprünge helfen, sodass es die Infektion schneller bekämpft. Neben einer gesunden und ausgewogenen Ernährung sind vor allem Sport und ein seelisches Gleichgewicht essentiell. Auch mit homöopathischen Mitteln kann das Immunsystem gestärkt werden. Insbesondere die Muttertinktur Echinacea Rudbeckia erhöht die Anzahl weißer Blutkörperchen und verbessert so die Effizienz im Kampf gegen Entzündungen. Zwei- bis dreimal täglich wird die Tinktur in Wasser aufgelöst getrunken. Auch Marum verum ist ausgesprochen wirkungsvoll. Eine weitere nützliche Methode, ein schwaches Immunsystem dauerhaft fit zu machen, ist die Eigenbluttherapie.

Hamamelis
Hamamelis-Tee hilft bei einer Glossitis

Systemische Krankheiten und Mangelerscheinungen

Eine angeschwollene Zunge kann jedoch auch durch eine Reihe anderer systemischer Krankheiten erzeugt werden. Bei einer Immunschwäche wie sie durch Krebs oder HIV vorliegt, kommt es vermehrt zu Zungenentzündungen. Vorbeugende Mittel sind neben geringem Nikotinkonsum vor allem eine ausreichende und gründliche Mundhygiene. Eine direkte Krebserkrankung der Zunge sollte besonders bei konstanter Anschwellung diagnostisch ausgeschlossen werden. Aber auch Leukämie und andere Krebsgeschwüre lassen die Zunge anschwellen. Eine konstant geschwollene Zunge ist hingegen bei manchen genetischen Erkrankungen wie dem Down-Syndrom anzutreffen.

Auch die Autoimmunerkrankung des Sjögren – Syndroms bringt eine Anschwellung sowohl der Zunge als auch des gesamten Mundraumes mit sich. Mangelnde Hormonproduktion der Schilddrüse führen ebenfalls zu einer dicken Zunge. Besonders eine ausgeprägte Schilddrüsenunterfunktion sollte daher mit Hormontabletten behandelt werden.

Mangelerscheinungen führen ebenfalls zu einer geschwollenen Zunge, die jedoch, anders als eine Entzündung, meistens weder brennt noch charakteristische Beläge aufweist. So kommt es regelmäßig bei Unterernährungen zu diesem Phänomen. Aber auch ein schlichter Eisen- und Vitaminmangel kann als Ursache in Erwägung gezogen werden.

Kritische Vitamine sind:

  • Vitamin A,
  • Vitamin B 3,
  • Vitamin B 12,
  • sowie Vitamin C

Titelbild: Urheberrecht / Nagy-Bagoly-Ilona / 123rf.com

Textbild: Pixabay.com/de

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