Herpangina- Kinderkrankheit: Die unbekannte Gefahr

Windpocken, Mumps, Masern, Keuchhusten und Herpangina – ja richtig gelesen: In der Liste der Krankheiten, die vor allem die Kleinsten plagen, sollten Eltern auch die Herpangina mit in ihr Sortiment der verachtungswürdigen Krankheiten aufnehmen. Glücklicherweise ist auch diese Kinderkrankheit, ähnlich wie Windpocken, vollkommen harmlos. Die Viren können nicht gezielt bekämpft, jedoch Symptome gemildert werden. Nach ein bis spätestens zwei Wochen hat das gesunde Immunsystem mit den Viren aufgeräumt und alles ist wieder in Ordnung. Dennoch gibt es seltene Fälle, die im Krankenhaus behandelt werden müssen.

Infektion, Ansteckung und Symptome

Die in Deutschland nicht meldepflichtige Infektion mit Coxsackie-Viren ruft die Herpangina oder auch Zahorsky-Krankheit hervor. Das Enterovirus ist weltweit anzutreffen und tritt in unseren gemäßigten Breiten vor allem in der warmen Jahreszeit am Ende des Sommers auf. Es differenziert sich in viele Untertypen, die jedoch meist dieselben Symptome hervorrufen. Die Übertragung findet sowohl von Mensch zu Mensch als auch über verunreinigtes Trinkwasser, Erde, Lebensmittel usw. statt. Sowohl über Speichel als auch Kot werden Viren ausgeschieden und sind höchst infektiös. Zudem kommt, dass Desinfektionsmittel nahezu wirkungslos sind. Die Inkubationszeit beträgt ein bis zwei Wochen. Dabei ist der Träger bereits vor Ausbruch der Krankheit ansteckend, wodurch nicht selten ein ganzer Kindergarten auf einmal an der Krankheit leidet.

Obwohl auch Erwachsene erkranken können, sind Kinder unter sieben Jahren am häufigsten betroffen. In den allermeisten Fällen verläuft die Infektion ohne Komplikationen und bleibende Schäden. Einmal erkrankt, stehen Antikörper einer erneuten Infektion stets entgegen, sodass lebenslange Immunität besteht. Dennoch gibt es weder eine Impfung noch Medikamente gegen den Virus. Ist bekannt, dass ein Kind einem Infektionsherd ausgesetzt war, kann binnen drei Tagen Gamma-Globulin die Ansteckung verhindern.
Treten bereits Symptome auf, können diese nur noch gelindert werden und dann heißt es abwarten. Nach spätestens zwei Wochen gewinnt das Immunsystem des kleinen Patienten den Kampf gegen die Coxsackie-Viren.

Die Herpangina ist eine Infektion der Mund- und Rachenschleimhaut, seltener des Magen- Darmtrakts, der Organe und ganz selten der Hirnhäute. Besonders der letzte Fall, bei welchem sich zusätzlich zu den normalen Symptomen Kopfschmerzen oder auch Schwindelgefühl zeigen, ist unverzüglich ein Arzt aufzusuchen. Dieser Fall ist jedoch so selten, dass sich Eltern hier keine Sorgen machen sollten.
Die normalen Symptome betreffen, wie gesagt, nur die Mund- und Rachenschleimhaut sowie die Tonsillen, auf welchen sich zuerst ein Belag niederschlägt. Danach entstehen kleine, zwei bis drei Millimeter große, rote, schmerzende Bläschen, die rasch aufplatzen und besonders gegenüber Säuren empfindlich sind. Schluckbeschwerden, allgemeines Unwohlsein, Übelkeit und leichtes Fieber sind charakteristisch.

Was tut der Arzt gegen Herpangina?

Leider kann der Kinderarzt nicht viel gegen die Krankheit tun. Er kann betäubende Lutschpastillen, die für Kinder geeignet sind, verschreiben und die Schmerzen sowie das Fieber insgesamt mit Paracetamol oder auch Ibuprofen lindern. Auch Medikamente gegen die Übelkeit sind vorhanden. Insgesamt braucht das Kind einfach nur Zeit, um ganz natürlich gesund zu werden.

Dennoch ist es ratsam, den Kinderarzt zu kontaktieren, denn nur er kann die Herpangina eindeutig gegenüber Windpocken, bakteriellen Mandelentzündungen oder auch der Mundfäule abgrenzen. Um andere Kinder zu schützen, sollte die Herpangina schnell erkannt werden und darf nicht mit den harmlosen Aften verwechselt werden.

Herpangina behandeln
Milchprodukte lindern die Schmerzen / Bild: Pixabay.com/de – artemtation

Schmerzen und Fieber mit Hausmitteln lindern

Wer das Immunsystem des Kindes nicht gleich mit starken chemischen Medikamenten belasten möchte, kann auf eine Reihe Hausmittel zurückgreifen.

Was nun hilft:
  • Aufgrund der offenen Bläschen sollte auf säurehaltige Speisen und Getränke verzichtet werden – auch Mineralwasser ist wegen der Kohlensäure ungeeignet. Genauso schadet Schärfe; d.h. keine gewürzten oder stark strukturierten, harten Speisen und kein Obst – obwohl Vitamine ja grundsätzlich positiv wären. Kalte Süßspeisen, insbesondere Milchprodukte, legen einen schützenden Film über die Wunden und lindern die Schmerzen. Brei und Suppe ist angesagt – denn Kauen fällt schwer. Der mit Bläschen belegte Gaumen drückt beim Kauen gegen die Speisen und verursacht extreme Schmerzen.
  • Honig ist ein Alleskönner der Natur. Er wirkt antibakteriell und unterstützt so ganz natürlich den Kampf gegen die Viren. Aber Vorsicht: Für Kinder unter einem Jahr ist Honig definitiv nicht geeignet.
  • Salbei- und Kamillentee wirken ebenfalls schmerzlindernd. Lauwarm oder auch leicht gekühlt werden sie am Besten vertragen. Insgesamt ist viel Trinken, wie bei jeder Viruserkrankung, oberste Pflicht. Hier ist auch das Süßen des Tees erlaubt, – denn eine Dehydrierung kann schnell drohen.
  • Rizinusöl legt sich schützend über die Bläschen und unterstützt die Heilung.
  • Gegen das Fieber, welches definitiv die 40°C Marke nicht überschreiten darf, helfen Wadenwickel und der Verzicht auf körperliche Anstrengung.
  • Für das Gesund-werden spielen psychische Faktoren auch immer eine Rolle. Kein Stress, die gewohnte Umgebung und natürlich viel Zeit und Aufmerksamkeit für den kleinen Patienten helfen, damit Schmerzen nicht so stark empfunden werden und das Immunsystem optimal arbeiten kann.

Andere Formen der Herpangina

Relativ häufig tritt die Herpangina nicht nur im Mund und Rachen auf, sondern auch am äußeren Mund, Händen und Füßen. Jetzt spricht der Mediziner von der Hand-Mund-Fuß-Krankheit, aber auch diese verläuft meist problemlos und kann nur symptomatisch behandelt werden.

Titelbild: Urheber: radnatt / 123RF

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