Hodenbruch (Skrotalhernie) – Ursachen, Hilfe und Behandlung

Von einem Hodenbruch sind etwa 4% der männlichen Bevölkerung im Laufe ihres Lebens betroffen. Die Erkrankung tritt hauptsächlich im Kindesalter oder zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr auf. Sie kann zunächst beschwerdefrei verlaufen. Dennoch handelt es sich um ein ernst zu nehmendes Krankheitsbild, das Risiken birgt und auf jeden Fall der Behandlung durch einen Facharzt bedarf.

Was ist ein Hodenbruch?

Die männlichen Geschlechtsorgane sind äußerst empfindlich. Starke Druckeinwirkungen auf den Unterbauch führen zu Verletzungen des Gewebes. Bei einem Hodenbruch handelt es sich nicht um den Bruch des Hodens, sondern um einen Gewebebruch der Bauchwand. Der eigentliche Bruchsack besteht aus dem Bauchfell. Aufgrund ihres Gewichtes können Darmanteile aus der Bruchpforte in den Hodensack (Skrotum) absinken. Es bildet sich eine sogenannte Hernie, die den Hodensack betrifft und Skrotalhernie heißt.
In der Embryonalzeit findet eine Wanderung der Hoden des Mannes statt. Vom Ort ihrer Entstehung, hinter den Nieren, treten sie durch den Leistenkanal in den Hodensack ein. Während die Hoden die Bauchdecke durchwandern, hinterlassen sie eine sogenannte „Sollbruchstelle„, die erklärt, dass Männer von Gewebebrüchen im Unterbauch häufiger betroffen sind, als Frauen.

Welche Ursachen hat das Krankheitsbild?

  • Leistenbruch
    Ein Hodenbruch muss nicht zwingend mit einem Leistenbruch in Verbindung stehen. Es ist jedoch die häufigste Ursache. Durch die Bauchmuskulatur wird in der Leiste ein Kanal gebildet, in dem beim Mann der Samenstrang mit begleitenden Blutgefäßen verläuft. Kommt es zur Schwächung des Gewebes, erweitert sich der Kanal. Baucheingeweide treten dann von innen nach außen, sind als Vorwölbung sowohl tast-, als auch sichtbar.
    Auch genetische Faktoren sind für den Leistenbruch verantwortlich und können zu einer familiären Häufung führen. Eine weitere Ursache ist im Rauchen zu finden. Nikotin nimmt in ungünstiger Weise Einfluss auf das Kollagen des Bindegewebes. Der Raucherhusten ist zu dem ein chronischer Reiz, der andauernd auf das Gewebe einwirkt. Wie beim Niesen und Pressen wird hier der Innendruck des Bauches erhöht.
  • Zwerchfellbruch
    Eine Zwerchfellhernie führt zu Geweberissen, die Organ- und Darmanteile in den Hoden absacken lassen. Ursache dafür ist eine Fehlentwicklung des Zwerchfells, die zu einer Verlagerung von Organen führt, so dass nachfolgend ein Hodenbruch durch verschobene Darmanteile nicht ausgeschlossen ist.
  • Hodentorsion
    Bei einer Hodentorsion kommt es zu einer Stielverdrehung von Hoden und Nebenhoden. Diese Form betrifft vor allem männliche Säuglinge und Kleinkinder, da die Hodenhülle noch nicht ausreichend verwachsen ist. Sportliche Aktivitäten, sowie intensive Bewegungsabläufe können im Erwachsenenalter einen Hodenbruch durch schwere Torsionen auslösen.
  • Krebserkrankung
    Ein Karzinom im Bereich von Hoden, Bauch oder Leistenkanal kann das gesunde Gewebe schwächen, verdrängen oder in dieses einwachsen. Auch bei dieser Ursache für einen Hodenbruch können Anteile des Darms in den Hoden wandern. Daher erfordert ein Hodenbruch immer eine gewissenhafte Untersuchung, um eine Krebserkrankung auszuschließen.
  • Hernia vaginalis testis
    Dabei handelt es sich um einen angeborenen Hodenbruch männlicher Säuglinge.
Welche Symptome weist die Erkrankung auf?
  • Vergrößerung des Hodens
  • Spannungsgefühl
  • Missemfindungen
  • Schmerzen
  • Übelkeit
  • Verstopfung und Durchfälle
  • verminderte Leistungsfähigkeit
  • allgemeines Krankheitsgefühl

Kleine Gewebebrüche und Hernien können zunächst beschwerdefrei verlaufen. Schmerzen treten häufig erst unter einer gezielten Anspannung der Bauchmuskulatur auf. Unbehandelt kann die Bruchpforte jedoch schnell größer werden und zu Komplikationen führen, die dann oftmals nur als Notfall durch ein sofortiges, operatives Eingreifen behandelt werden können.

Hodenbruch durch CT erkennen
Schnelle Diagnose mittels CT / Bild: Pixabay.com/de – edusoft

Wie erfolgt die Diagnose?

Die klinische Untersuchung wird zunächst im Liegen und Stehen durchgeführt. Dabei wird die Bruchstelle getastet. Moderne bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Röntgen, Computertomografie oder Kernspin ergänzen die Diagnose und geben Auskunft über die Lage des Bruchsacks, Bauchfells und des Darms.

Welche Möglichkeiten der Behandlung gibt es?

  • Bruchband
    Das Bruchband wird bei einem Hodenbruch zur konservativen Behandlung eingesetzt. Es handelt sich dabei um eine Korsage, die eine Verlagerung des Bruchsacks nach unten verhindern soll. Der Aufbau des Bruchbands ist ähnlich einem Ledergürtel mit Fixierplatte aus Holz oder Metall. Es kann darin behilflich sein, das Bauchfell durch die Bruchpforte in die Leistengegend zurück zu drängen.
  • Operation
    Zur operativen Behandlung eines Hodenbruchs stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Die Entscheidung über die Art des chirurgischen Vorgehens richtet sich nach der Größe der Bruchstelle, dem Risikoprofil des Patienten, nach dem Alter, den Begleiterkrankungen, den körperlichen und beruflichen Anforderungen, sowie nach dem Wunsch des Patienten. Zum Risikoprofil eines Patienten gehören genetische Faktoren, Rauchen, Asthma, chronische Bronchitis und Übergewicht.
  • Vernähen der Gewebelücke bei Hodenbruch
    Zunächst müssen Bruchsack und Darm in die natürliche Ausgangsposition gebracht werden. Dann wird die Bruchpforte mittels einer speziellen Nahttechnik geschlossen.
  • Schließen der Gewebelücke mittels Kunststoffnetz bei Hodenbruch
    – Variante 1: Das Kunststoffnetz wird mittels einer Bauchspiegelung eingebracht. Dabei wird es vor dem Bauchfell und der Bruchpforte mit Hilfe von Kunststoff- oder Metallclips befestigt. Das Verfahren heißt Transabdominale Präperitoneale Netzimplantation (TAPP).
    – Variante 2: Unter Eröffnung des Bauchraums wird das Netz auf das Bauchfell gelegt, so dass sich die Bauchwand nachhaltig verstärken lässt. Die Belastung der Bauchdecke ist nach der Operation schneller gewährleistet. Bei diesem Verfahren handelt es sich um eine Total Extraperitonale Hernioplastik (TEP).
Hodenbruch Operation
Operative Eingriffe laufen meist problemlos ab / Bild: Pixabay.com/de – tpsdave

Kann es Komplikationen beim Hodenbruch geben?

Starke Druckeinwirkungen sind in einem Zeitraum von 3-6 Monaten nach operativem Eingriff unbedingt zu vermeiden. Dazu gehören das Heben von Schwerlasten, ruckartige Bewegungen und Rauchen mit eventuellem Reizhusten. Die Betroffenen müssen sich schonen. Die Wiederaufnahme einer Belastung des Unterbauchs sollte nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.
Bei einer Überlastung kann es trotz guten Heilungsverlaufs zu einem erneuten Hodenbruch als Spätkomplikation kommen. Begründet wird das Risiko damit, dass eine Wunde in der unteren Bauchwand eine dauerhafte Schwächung des Gewebes zur Folge hat.
Eine große Gefahr stellen das Einklemmen von Blutgefäßen und Nerven des Hodens dar. Auch die Durchblutung und Funktion des Darms bei Hodenbruch kann beeinträchtigt sein. Nachfolgend können sich Missempfindungen und Lähmungen einstellen. Im schlimmsten Fall sterben Organe ab, vor allem bei eingeklemmter Hodenarterie. Ist der Samenstrang betroffen, kann dieses einen dauerhaften Verlust der Zeugungsfähigkeit nach sich ziehen.

Komplikationen bei Operationen sind eher selten.

Fazit

Betroffene mit einer Skrotalhernie fühlen sich häufig unbeeinträchtigt und schmerzfrei. Doch es besteht die Gefahr einer andauernden Funktionseinschränkung von Hoden und Unterleib. Diese Körperabschnitte sollten generell vor starken Druckeinwirkungen und belastungsintensiven Bewegungsabläufen geschützt werden.

Eine trainierte Muskulatur kann hilfreich sein, den Unterleib des Mannes zu unterstützen. Dazu gibt es eine Vielzahl von speziellen Angeboten wie Beckenbodengymnastik und Pilates. Bei Interesse weiß der behandelnde Arzt sicherlich einen Rat.

Titelbild: Pixabay.com/de – geralt

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