Bild Frau mit Horner Syndrom

Horner Syndrom: Symptome, Ursachen & Behandlung

Das Horner Syndrom ist eine Nervenschädigung, bei der der Sympathikus, ein Teil des vegetativen Nervensystems, betroffen ist. Diese Schädigung tritt meist einseitig auf und äußert sich durch eine Pupillenverengung, einem herabhängenden Oberlid sowie einem eingesunkenen Augapfel.

Aufgrund der Pupillenverengung, auch Miosis genannt, können sich die Pupillen bei geringem Lichteinfall nicht weiten. Die meisten Betroffenen klagen über Sehprobleme bei Dunkelheit.

Der in die Augenhöhle eingesunkene Augapfel wird dadurch verursacht, dass der Musculus Orbitales ausfällt und somit die glatte Muskulatur der äußeren Bindegewebshülle des Auges nur eine geringe Spannung aufweist.
Durch den üblicherweise herrschenden Muskeltonus wird das Auge nach außen gedrückt, fällt dieser weg, sinkt es ein.

Das herabhängende Oberlid, auch Ptosis genannt, wird ebenfalls durch die Schädigung von Teilen der glatten Muskulatur, in diesem Fall dem sogenannten Müllerschen Muskel, verursacht. Die schwache Muskelspannung verhindert, dass das Lid in senkrechter Richtung gerafft werden kann und somit herabhängt.
Diese drei klassischen Merkmale des Horner Syndrom können durch weitere Symptome ergänzt werden. Dazu zählt eine Gefäßerweiterung rund um das betroffene Auge, Pigmentflecken im Auge, unterschiedlich weiter Pupillen oder verschiedene Augenfarben.

Der Name des Horner Syndrom geht auf den Schweizer Augenarzt Johann Friedrich Horner zurück, der von 1831-1886 lebte. Er erforschte 1869 die Augenmuskellähmung, die bereits vor ihm der französische Arzt Claude Bernard, 1813-1878, beschrieben hatte. Aufgrund der Forschungen beider Ärzte wird das Horner Syndrom auch teilweise Bernard-Horner Syndrom genannt.

Bild Augenarzt

Die Diagnosestellung

Die einzelnen Symptome der Augenmuskellähmung werden separat untersucht, um letztendlich eine ganzheitliche Diagnose stellen zu können.
Die Pupillenweite wird mithilfe eines Pupillometers im Hellen und Dunkeln gemessen. Dazu legt der Patient seinen Kopf direkt an das Messgerät, dass der Arzt in der Hand hält oder auf dem Tisch abstellt. Die Augen müssen dabei möglichst exakt auf dem Messgerät positioniert sein. Der Pupillometer misst nun digital die Weite der Pupillen, indem er die Augen verschiedenen Lichtreizen aussetzt.

Anschließend kann der Augenarzt die Messwerte im Computer auswerten. Ist die Differenz der Pupillenweite beider Augen größer als ein Millimeter, wird ein weiterer Test durchgeführt.
Beim nun folgenden Kokaintest träufelt der Arzt eine kokainhaltige Lösung in die Augen. Kokain stimuliert die Reizübertragung des Sympathikus-Nervs. Eine Stunde nach dem Einträufeln der Lösung wiederholt der Arzt die Messung der Pupillenweite. Bleibt die Differenz der Pupillenweite beider Augen größer als ein Millimeter, ist ein Horner Syndrom sehr wahrscheinlich.

Ein weiterer Test, der Pholedrintest, kann Aufschluss darüber geben, wo die Ursache der Nervenschädigung liegt, die das Horner Syndrom auslöst.
Das Pholedrin erweitert eventuell die Pupille des betroffenen Auges. Ist dies der Fall, liegt die Schädigung entweder im ersten Neuron im Hypothalamus oder im zweiten Neuron im Nucleus intermediolateralis. Erweitert sich die Pupille nach der Gabe von Pholedrin nicht, ist das dritte Neuron im Ganglion cervicale superius betroffen. Der Arzt kann nun genauer differenzieren, welche Grunderkrankungen dem Horner Syndrom zugrunde liegen können. Das Spektrum ist groß und die Grunderkrankungen sollten unbedingt abgeklärt werden.

Bild Auge untersuchen

Welche Erkrankungen können zugrunde liegen?

Das Horner Syndrom kann durch eine große Anzahl verschiedenster Erkrankungen, Verletzungen und Eingriffen auftreten. Die Grunderkrankung aufzuspüren kann relativ einfach, aber auch langwierig sein. Je nachdem, was das Syndrom letztendlich auslöst, wird ein entsprechender Facharzt hinzugezogen werden, oder der Patient wird zu ihm überwiesen.
Bei Verletzungen der Hals- oder Brustwirbelsäule ist die Diagnose der Grunderkrankung relativ einfach. Die Patienten erlitten einen Unfall, anschließend traten unter anderem die Symptome des Horner Syndrom auf.

Auch eine untere Armplexuslähmung kann nach einem Unfall, aber auch aufgrund von Geburtsverletzungen auftreten und mit dem Horner Syndrom einhergehen.
Eine Dissektion, also Durchtrennung einer der Arterien der Kopfschlagader (der Arteria carotis communis, der Arteria carotis interna oder der Arteria vertebralis), aufgrund einer Verletzung kann ebenso als recht offensichtliche Grunderkrankung vorliegen, da auch hier nach der Verletzung die Symptome auftreten.

Als Nebenwirkung verschiedener Eingriffe und Komplikationen von einzelnen Erkrankungen ist ein Horner Syndrom ebenfalls denkbar.
Dies könnte etwa als Nebenwirkung einer Interskalenären Blockade auftreten. Hierbei handelt es sich um ein zeitlich begrenztes Regionalanästhesie-Verfahren, bei dem in den Treppenmuskel am Hals Betäubungsmittel injiziert werden, um das Armvenengeflecht zu blockieren. So können Schulteroperationen mit geringerem Einsatz von Vollnarkosen und Schmerzmitteln gehandhabt werden. Ähnlich verläuft eine Stellatumblockade, eine Anästhesie der Nervenzellansammlung seitlich des ersten Brustwirbels. Diese wird beispielsweise durchgeführt, um Gefäßspasmen zu behandeln.
Ein Horner Syndrom kann in seltenen Fällen auch als Folge einer Kopfrose auftreten, oder bei einem Aneurysma der Aorta.

Ein Kropf, auch Struma genannt kann Auslöser der Augennervenschädigung sein, ebenso das Wallenberg-Syndrom, eine Form des Schlaganfalls, sowie Cluster-Kopfschmerzen. Hierbei treten häufig nach dem Schlafen sehr starke, einseitige Kopfschmerzen um ein Auge herum auf, die mit großer Unruhe, Schwitzen und Ödemen einher gehen können.

Auch einzelne Krebsarten können ein Horner Syndrom auslösen, etwa Speiseröhren-, Schilddrüsen-, Lungenspitzenkrebs, sowie Neuroblastom.

Dein Arzt wird, je nachdem welche Ergebnisse seine vorherigen Untersuchungen ergeben haben, einen Spezialisten zurate ziehen oder Dich überweisen. Es gibt so zahlreiche Erkrankungen, die zugrunde liegen können, dass zunächst kein Grund zur Panik besteht. Lass Dich gründlich untersuchen, informiere Dich ausgiebig und bleibe ruhig, wenn einige Untersuchungsergebnisse auf sich warten lassen.

Bild Augentropfen

Welche Therapie gibt es?

Es gibt keine vollständige Therapie, da es sich bei dem Horner Syndrom um ein Symptom einer anderen, spezifischen Krankheit handelt. Jedoch gibt es verschiedene Ansätze, um die einzelnen Aspekte des Syndroms zu lindern oder gar zu beheben.

Die Nerven im Kopfbereich verlaufen sehr eng beieinander, sind sehr verzweigt und haben ihre Steuerzentrale im Stammhirn, von wo aus einzelne Stränge ins Rückenmark führen. Die Stränge des Sympathikus treten an der achten Halswirbel-Nervenwurzel aus, bilden eine Nervenwurzel im Bereich der Brust, ziehen sich durch ein komplexes Geflecht bis zur Halsschlagader und durch die Schädelgrube bis hin zum Auge. Auf diesem langen Weg kann überall die Schädigung entstehen, die das Horner Syndrom verursacht.

Hat der Arzt die Ursache gefunden, etwa ein Aneurysma, wird diese Ursache behandelt und nach erfolgreicher Auskurierung der Grunderkrankung erfolgt zumeist auch ein Verschwinden oder zumindest eine deutliche Verbesserung des Horner Syndroms.
Es sind sogar einige Fälle bekannt, bei denen das Syndrom nach einiger Zeit von allein verschwand. Dies ist besonders dann der Fall, wenn eine Verletzung, etwa nach einem Unfall, vorliegt. Die Selbstheilungskräfte des Körpers wirken oft wahre Wunder, benötigen aber ihre Zeit. Sind die Nerven jedoch irreparabel zerstört, wird das Horner Syndrom dauerhaft bestehen bleiben.

Bild Schwanger

Wissenswertes

Es gibt auch angeborene Fälle des Horner Syndroms. Es tritt bei Fehlentwicklungen der Halswirbel auf, ebenso nach Geburtsverletzungen im Halswirbelbereich. Diese entstehen zumeist dann, wenn das Größenverhältnis vom Kopf des Kindes und dem Becken der Mutter unpassend ist. Ist der Kopf zu groß, wird er durch die Wehenkontraktionen gegen die Beckenknochen gedrückt, wobei die Halswirbel gestaucht werden.
Ein angeborener, häufig gutartiger Tumor im Hirn oder eine überzählige Rippe im Halsbereich können Nerven abdrücken.
Eine geringe Blutzirkulation in der Halsschlagader kann auch Auslöser sein.

In einigen angeborenen Fällen oder wenn die Grunderkrankung behoben ist, ohne dass das Horner Syndrom zurückging, kann eine kosmetische Operation zur Anhebung des Augenlids durchgeführt werden. Allerdings kann das Auge danach nicht mehr richtig geschlossen werden und um ein Austrocknen zu vermeiden, muss der Patient ständig Augentropfen verwenden.

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