Im Arm kein Gefühl – Ursachen und Behandlung

Taubheitsgefühle oder Hypästhesien, wie es der Mediziner nennt, können aus ganz unterschiedlichen Gründen entstehen. Häufig sind es triviale Ursachen, die zu einem harmlosen, temporären Taubheitsgefühl führen. Dieses hat im Grunde jeder schon einmal bei sich als „eingeschlafene“ Hände oder extremen Muskelkater wahrgenommen. Aber eine anormale Häufung von Hypästhesien kann auch auf eine bedrohliche Erkrankung hindeuten, die unbedingt von einem Arzt überprüft werden sollte. Untrügliches Zeichen für den Ernstfall sind asymmetrische, also nur eine Körperhälfte betreffende Symptome, ohne eine harmlose Indikation.

Harmlose Ursachen für eine Hypästhesie

Muskelkater
Bei einem extremen Muskelkater kann es nicht nur zu Schmerzen in den Armen, sondern auch zu Taubheitsgefühlen kommen. Die Muskeln tragen bei einer Überanstrengung hauchfeine Haarrisse davon. Treten diese in Massen auf, kann der Muskel nicht mehr richtig stimuliert und in Folge dessen schlecht oder unzureichend bewegt werden. Manche Personen nehmen dies nicht nur als schmerzhaft, sondern auch in Form einer Taubheit wahr. Diese vergeht jedoch wieder ganz von allein.

„Eingeschlafener“ Arm
Ein „eingeschlafener“ Arm entsteht, wenn die entsprechenden Nerven im Arm abgeklemmt werden. Dies tritt häufig durch eine ungünstige Körperhaltung auf. Wird diese verändert, entspannt sich der Nerv und das Taubheitsgefühl verschwindet wieder. Charakteristischerweise wird das „Aufwachen“ mit einem teils sogar schmerzhaften Kribbeln begleitet. Um den „Aufwach„- Vorgang zu beschleunigen, kannst du versuchen, den Arm zu bewegen. Dies ist zwar am Anfang unangenehmer als ihn ruhig zu halten, jedoch gegen Ende angenehmer.

Kälte
Als letzte unbedenkliche Ursache für eine Hypästhesie kann Kälte in Frage kommen. Durch diese verengen sich die Blutgefäße in den Extremitäten. Dies ist ein Notfallplan des Körpers, um ihn vor einer Erfrierung zu bewahren. Evolutionär ist es sinnvoller, einen Arm zu verlieren als sein Leben.
Eine temporäre Durchblutungsstörung verschwindet bei Wärme von allein. Zu bemerken sei hier, dass eine langsame Erwärmung günstiger ist als eine schnelle. Halte den Arm nicht gleich unter heißes Wasser, sondern erst einmal unter kaltes und steigere die Wärme langsam. Ein heißes Gefühl in dem ehemals mangelhaft durchbluteten Arm ist noch über Stunden normal.

Kälte aus Auslöser für Taubheitsgefühle im Arm
Kälte aus Auslöser für Taubheitsgefühle im Arm / Bild: Pixabay.com/de – PublicDomainPictures

Ernst zu nehmende Ursachen

Befürchtest du, dass das Taubheitsgefühl nicht aus einem trivialen Grund entstanden ist, solltest du möglichst schnell einen Arzt aufsuchen, um die Ursache zu ergründen. Hausmittel in Eigenregie einzusetzen kann unter Umständen sehr gefährlich werden. Ernste Ursachen können sein:

Arteriosklerose
Bei der Arteriosklerose verengen sich die Blutgefäße durch Ablagerungen. Dadurch werden die betreffenden Körperregionen nur unzureichend durchblutet und ein Taubheitsgefühl entsteht. Während eine mäßige Ausprägung der Arteriosklerose in den Extremitäten tolerierbar ist, kann ein Gefäßverschluss am Herzen zu einem Herzinfarkt und im Gehirn zu einem Schlaganfall führen.

Raynaud-Krankheit
Die Raynaud- Krankheit ist eine Fehlregulierung des Schutzmechanismus, der bei normaler Kälteeinwirkung stattfindet. Bei dieser Durchblutungsstörung, die durch den sympathischen Teil des vollkommen autonom agierenden Nervensystems ausgelöst wird, werden ohne ersichtlichen Grund Hände sowie Arme weiß und eiskalt. Dies hat der Krankheit den Trivialnamen Weiß- oder Leichenfingerkrankheit eingebracht. Durch ein stetiges Warmhalten der Extremitäten kann die anfallartig ausbrechende Krankheit kontrolliert werden. In den meisten Fällen ist sie zwar unangenehm, aber harmlos. Dennoch sollte von einem Arzt überprüft werden, ob es sich nicht doch um Arteriosklerose handelt.

Der drohende Herzinfarkt
Tritt das Taubheitsgefühl nur einseitig im linken Arm auf, kann dies ein Hinweis auf einen drohenden Herzinfarkt sein. Meist treten noch weitere Symptome wie Schmerzen im Arm, Enge in der Brust, Herzrasen, Extrasystolen und Panikattacken auf. In diesem Fall musst du umgehend einen Arzt aufsuchen.

Schlaganfall
Ein Schlaganfall gründet in einer Durchblutungsstörung im Gehirn. Diese kann durch Arteriosklerose oder Thrombose entstehen. Anders als viele Menschen glauben, mündet ein Schlaganfall nicht immer in Bewusstlosigkeit. Abhängig vom Ort des Infarkts kann schlagartig, ohne weitere Schmerzen ein Taubheitsgefühl in einer Körperregion auftreten.

Normalerweise ist dieses nur in einer Körperhälfte bemerkbar. Obwohl ein Schlaganfall unbedingt medikamentös behandelt werden sollte, heißt dies nicht, dass das Taubheitsgefühl lebenslänglich bestehen bleibt. Angrenzende Hirnregionen erlernen, die betroffenen Körperregionen zu bewegen und so kann bei kleineren Schlaganfällen eine 100% -ige Heilung bei einer schnellen Behandlung angestrebt werden. Je früher Blut verdünnende Mittel vom Arzt gereicht werden können, desto besser sind die Heilungschancen.

Neben der Hypästhesie sind Lähmungserscheinungen, Schwindel, Seh- sowie Sprachstörungen untrügliches Zeichen eines Schlaganfalls.

Tumore
Tumore beeinträchtigen ähnlich wie ein Schlaganfall die Hirndurchblutung und können bestimmte Regionen schädigen. Mithilfe einer Computertomographie kann ein Tumor als Ursache für die Hypästhesie 100% -ig ausgeschlossen werden.

Taubheitsgefühl im Arm durch Bandscheibenvorfall
Bandscheibenvorfälle als Ursache für Taubheitsgefühle / Bild: Pixabay.com/de – jochenpippir

Bandscheibenvorfall
Einen Bandscheibenvorfall verorten die meisten Menschen in den Lendenwirbeln. Wenigen ist bekannt, dass die Bandscheiben zwischen allen Wirbelsäulenelementen als Puffer dienen und dementsprechend ein Bandscheibenvorfall auch in der Halswirbelsäule auftreten kann.

Neben starken Schmerzen kann die Bandscheibe Nervenfasern in der Wirbelsäule abdrücken, wodurch eine Hypästhesie in den Armen auftritt. Mit konventionellen Mitteln, wie einer Krankengymnastik kann eine Operation oft vermieden werden.

Polyneuropathie
Die Polyneuropathie ist eine Beeinträchtigung des peripheren Nervensystems, welches mit Taubheitsgefühl und Muskelschwäche einhergeht. Die Ursachen sind vielfältig.

Diabetische Polyneuropathie
Bei der diabetischen Polyneuropathie wurden die Nerven durch anhaltend hohe Blutzuckerwerte häufig irreversibel geschädigt.

Neben einer unbehandelten Diabetes, welche sich durch extremen Durst, Harndrang und Müdigkeit in den Anfangsstadien zeigt, können auch Alkoholismus sowie andere Vergiftungen oder Infektionen für eine Schädigung der Nerven verantwortlich sein.

Infektionen
Gürtelrose, Borreliose und bakterielle Erkrankungen können zu einer temporären Empfindungsstörung oder Taubheitsgefühlen im Arm oder dem gesamten Körper führen. Mit entsprechenden Medikamenten sind diese jedoch heilbar.

Vitamin B12-Mangel
Vitamin B12 wird zur Reizweiterleitung in den Nerven benötigt. Obwohl der Mangel meist erst in Form einer Hypästhesie auf der Zunge wahrzunehmen ist, kann sie auch erst in den Armen auftreten. Mit einer Ernährungsumstellung bzw. Ernährungsergänzungspräparaten kann dem Mangel einfach entgegen gewirkt werden.

Titelbild: Pixabay.com/de – StockSnap

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