Kindermobbing – wenn Kinder zu Außenseitern werden

In den letzten Jahren wurde vor allem ein Begriff medial diskutiert: Mobbing! Dies wundert nicht, denn die Kinder sehen sich heutzutage häufig Anfeindungen ausgesetzt. Im Kindergarten und in der Schulzeit können Kinder im Bezug auf Mobbing in drei Kategorien eingeteilt werden: Entweder hänseln sie andere Kinder, werden von anderen gehänselt oder sie beobachten das Geschehen aus neutraler Sicht. Egal zu welcher der drei Kategorien das Kind gehört, die Eltern können großen Einfluss auf die Reaktion ihres Kindes nehmen. Das ist keine leichte Aufgabe, doch ein wichtiger Bestandteil des Daseins beider Elternteile. Neben dem Reagieren auf mögliches Kindermobbing gehört aber auch die Vorsorge zu den Aufgaben der Eltern. Die Eltern können versuchen, von Anfang an dafür zu sorgen, dass es erst gar nicht zum Kindermobbing kommt. Wie du das am besten anstellst und welche Tipps und Tricks es für die richtige Reaktion gibt, erfährst du hier.

Mobbing ist keine Neuheit

Da Mobbing erst seit ein paar Jahren öffentlich so stark diskutiert wird, glauben viele Menschen, dass die Existenz des Kindermobbing eine Neuheit ist und früher in dieser Form nicht existiert hat. Dies ist aber eine falsche Annahme, denn das ärgern von anderen Kindern gibt es vermutlich schon genauso lange, wie es auch die Menschheit gibt. Früher nannte man das Mobbing einfach Hänseln oder aber man gab dieser Grausamkeit gar keine Namen, da man damals noch nicht genau wusste, welche schrecklichen Auswirkungen dies für die Entwicklung eines Kindes haben kann.

Das Wort Mobbing steht für Psychoterror und kann mit den Bezeichnungen Schikanieren, Ärgern und Quälen gleichgesetzt werden.

Das Mobbing existiert sowohl im Erwachsenenalter als auch im Kindesalter. Das Kindermobbing ist besonders schlimm, da es große Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes nehmen kann. Während erwachsene Personen häufig schon ein Schutzschild aufgebaut haben und gegenüber Mobbing nicht mehr ganz so verletzlich sind, verstehen Kinder oftmals gar nicht, wieso sie gemobbt werden. Die Erziehungsberechtigten sind gefragt, wenn es darum geht, das Mobben so gut es geht zu verhindern, ebenso sollten die Eltern ihren Kindern eine angemessene Reaktion lernen.

Wie Kindermobbing entsteht

Leider leben wir in einer Gesellschaft, die von ihrem Konkurrenzdenken lebt. Wir Erwachsenen stellen uns im Arbeitsmarkt der Konkurrenz genauso wie wir uns im Sport dem Wettbewerb stellen. Vielen Erwachsenen ist es wichtig, ein besseres Auto zu haben als der Nachbar, immer das neueste Smartphone zu haben und natürlich deutlich mehr zu verdienen. Genau diese Gedanken haben wir Erwachsenen, weil uns dies von unseren Mitmenschen vorgelebt wird. Damit werden auch die Kinder bereits im jungen Alter infiziert. So geht es den kleinsten Kindern um das schnellere Bobbycar, die hübschere Spielküche und die tollsten Bücher.

Später legen sie keinen Wert mehr auf Spielsachen, sondern vielmehr auf Marken, Klamotten und technische Gimmicks. Hierbei entsteht dann sehr schnell eine Zweiklassengesellschaft. Diejenigen, die materiellen Dingen einen Wert geben, viele Wertsachen und Markenklamotten besitzen und auf der anderen Seite diejenigen, die damit nicht mithalten können oder auch gar nicht wollen. Dadurch wird ein enormer Druck aufgebaut und es entsteht durch das Konkurrenzdenken ein Gefühl, sich über den anderen stellen zu wollen. Die materiellen Dinge sind aber nur ein Aspekt des Kindermobbing, denn es kann auch andere Gründe für die Hänseleien geben. Das Erschreckende dabei ist, dass es oftmals nicht wirklich einen handfesten Grund dafür gibt und einfach willkürlich die schwächsten Personen ausgesucht werden, damit diese dann gemobbt werden können und man sich selbst überlegen und in der Gruppe akzeptiert fühlt.

Kindermobbing erkennen
Vereinsamung durch Mobbing / Bild: Pixabay.com/de / Unsplash

So grausam ist das Kindermobbing

Das Problem beim Kindermobbing ist vor allem die erforschte Tatsache, dass das Mobben irgendwann selbstverständlich wird. Wurde ein Kind erst einmal als Opfer auserkoren, so beteiligt sich die gesamte Gruppe daran. So automatisch wie die Gruppe dieses Kind dann hänselt, genauso selbstverständlich fügt sich das gemobbte Kind dann in die Opferrolle ein. Es verliert immer mehr an Selbstbewusstsein, ist sich unsicher bei eigenen Handlungen und vereinsamt immer mehr. Psychologen sind bereits seit mehreren Jahren der Auffassung, dass das Kindermobbing die Ursache für viele psychische Erkrankungen sein kann.

So kommen manche Mobbingopfer auch Jahre später nicht über das hinweg, was sie in ihrer Kindheit erleiden mussten. Das verkümmerte Selbstbewusstsein lässt sich nur sehr schwerlich wieder aufrichten und ohne Selbstvertrauen befindet man sich in einer Abwärtsspirale.

ACHTUNG:
In den schlimmsten Fällen kann dies irgendwann in einem Selbstmord enden.

Häufig hört man davon, dasss ich Jugendliche das Leben genommen haben, weil sie das ständige Mobbing nicht mehr ausgehalten haben.

Eltern können das Mobben eindämmen

Es wäre falsch, zu behaupten, dass die Eltern das Mobbing verhindern können. Die gute Nachricht ist aber, dass sie wenig Angriffsfläche bieten können und ihrem Kind beibringen können, wie es richtig reagieren soll. Das Mobbing an sich lässt sich von einzelnen Personen nicht vollkommen verhindern, da es der gesellschaftlichen Dynamik entspricht und erst dann besiegt werden kann, wenn sich die Menschheit insgesamt vom gegeneinander orientierten Konkurrenzdenken verabschiedet und sich zu einem gemeinsamen Miteinander entwickelt.

Die Eltern haben die Aufgabe, sowohl dafür zu sorgen, dass das Kind gute Chancen hat nicht gemobbt zu werden als auch, dass das Kind nicht selbst andere Kinder ärgert. Die Eltern können ihr Kind stärken, ihm Selbstbewusstsein beibringen und so wenig Angriffsfläche wie möglich bieten. Es geht nicht darum, sich dem Gruppenzwang zu beugen und beispielsweise Markenklamotten zu kaufen, sondern vielmehr geht es darum, mit der Zeit zu gehen.

Kindermobbing
Achten Sie auf Verhaltensänderungen bei Ihrem Kind / Bild: Pixabay.de / Counselling

Wie auf Kindermobbing richtig reagiert wird

Für gewöhnlich sprechen die Mobbingopfer selbst nicht gerne darüber, dass sie zu Außenseitern geworden sind. Deshalb ist es für Eltern oftmals schwierig, zu erkennen, dass das eigene Kind ein Opfer von Hänseleien geworden ist. Plötzliche Veränderungen im Wesen des Kindes, wie beispielsweise Traurigkeit, Reizbarkeit und besonders starke Aggressionen sprechen dafür. Wird festgestellt, dass in der Klasse oder dem näheren Umfeld des Kindes gemobbt wird, ist dies zwingend zu melden. In der Schule sind die Lehrer die ersten Ansprechpersonen und im Freundeskreis des Kindes die betreffenden anderen Eltern. Am Wichtigsten ist es aber, das Selbstvertrauen des Kindes wieder aufzubauen.

Du solltest ihm erklären, dass es noch andere Mobbingopfer gibt und es sich dabei um eine Straftat handelt. Dem Kind sollte zugehört und vollstes Verständnis entgegengebracht werden. Eventuell kann auch mit gemeinsamen Freunden des Kindes gesprochen werden, so dass sie als Gruppe zusammenhalten können.

Keinesfalls sollten Eltern direkt mit den Tätern sprechen, da dies das Mobben erwiesenermaßen nur noch einmal deutlich verstärkt.

Wird mit einem Mobbingopfer richtig umgegangen, so geht es oftmals gestärkt aus dieser Erfahrung hervor und kann dann umso mehr Selbstvertrauen im Erwachsenenalter entwickeln. Deshalb ist der richtige Umgang so entscheidend und die Eltern sind gefragt.

Titelbild: Urheber – Pixabay.de / Pezibear

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