Kinesiologisches Taping bei Schulter- und Rückenschmerzen

Inzwischen sieht man die bunten Pflasterstreifen nicht nur bei Profifußballern. Auch im Alltag begegnen uns viele Menschen mit Kinesiotapes an Rücken, Knie Oberschenkel oder Wade. Doch welche Wirkung hat das Tape überhaupt und welche Beschwerden lassen sich damit behandeln? Kann man sich damit sogar selbst behandeln? Wir sind diesen Fragen auf den Grund gegangen.

Kinesiotapes bei Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich

Wirft man einen Blick auf die Einsatzmöglichkeiten von Kinesiotapes, könnten diese kaum vielfältiger sein.

Die Pflasterstreifen werden bei folgenden Beschwerden eingesetzt:
  • das Lösen von Verspannungen
  • die Verbesserung der Gelenkbeweglichkeit
  • das Abschwellen von Entzündungen nach Verletzungen
  • zur Linderung von Migräne und Tinnitus

Vor etwa 20 Jahren etablierte sich das Kinesiologie-Tape, welches im Volksmund auch als Kinesio-Tape bezeichnet wird, in der alternativen Therapie. Waren die Tapes zunächst nur bei Sportlern in den USA zu sehen, haben sich diese blitzschnell auch in der Bevölkerung breitgemacht. Die farbefrohen Klebebänder sind inzwischen aber schon über 30 Jahre alt. Dr. Kenzo Kase ist ein japanischer Arzt und Chiropraktiker, welcher das Taping bereits in den 1970er Jahren entwickelt hat. Kase forschte nach einer Methode, um Schmerzen auf natürlichem Wege zu beseitigen und übte zunächst an Sumo-Ringern.

Die Wirkungsweise des Kinesiotape

Das Kinesio-Taping beschreibt eine Therapie, bei der es darum geht, einen haftenden elastischen Streifen auf die Haut zu kleben. Die Fixierung erfolgt dabei mehr oder weniger gedehnt. Das Kinesio-Tape stellt dabei den Gegensatz zu starren Klebebändern dar, welche zur Stabilisierung und Ruhigstellung in der Sportmedizin eingesetzt werden. Denn es bleibt elastisch und flexibel. Und dieser Umstand ist gewollt, da die Wirkung erst bei Bewegung entfaltet wird.

Typische Anwendungen des Kinesio-Taping

Nachdem das Tape auf die Haut geklebt wurde, massiert es die darunterliegenden Gewebeschichten. Zusätzlich stimuliert es Muskelkontraktionen, Gelenkfunktionen, den Lymphfluss und beeinflusst nicht zuletzt Schmerzsensoren. Das Tape kann aber noch mehr: Es fördert die Durchblutung in dem betroffenen Bereich und regt Nervenzellen an. Zwar konnte die Wirkung des Tapes wissenschaftlich bis dato nicht eindeutig belegt werden, jedoch schwören viele Therapeuten, Sportler und Sportmediziner auf die farbenfrohen Klebebänder.

Kinesiotape bei Schulterschmerzen

Das bedeuten die Farben

Das besondere Merkmal des Tapes ist seine Farbe.

Kinesiotapes sind in folgenden Farben erhältlich:
  • orange
  • schwarz
  • rot
  • violett
  • pink
  • grün
  • türkis

Zusätzlich werden weiße und hautfarbene Tapes angeboten. Es gibt Therapeuten, welche die Farben auf die zu behandelnden Beschwerden abstimmen. Die Farblehre gibt vor, dass pinke und rote Farbtöne Wärme erzeugen und aktivieren. Entspannung und Kühlung wird mit blauen Nuancen erzielt. Andere Therapeuten halten nichts davon, den Farben eine therapeutische Bedeutung beizumessen.

Kenzo Kase fokussierte sich zunächst auf hautfarbene Tapes. Doch dann wies ihn eine seiner Patientinnen darauf hin, dass diese Farbe sie krank mache. Und auch Sportler drückten ihre Farbwünsche aus. Sie forderten schwarze Tapes, weil diese sie stärker aussehen lassen, als ein pinkes oder blaues Klebeband. Inzwischen haben sich viele Therapeuten darauf eingespielt, ihre Patienten entscheiden zu lassen, welche Farbe es sein soll. Diese sollen entscheiden, mit welcher Farbe sie sich am meisten wohlfühlen. Wer das Tapen selbst in die Hand nehmen will, bekommt sowohl die hautfarbenen, als auch die bunten Bänder zu kaufen. Diese können sowohl im Sanitätsfachhandel erworben oder online bestellt werden. Kinesiologische Tapes von sl-praxisbedarf.de gibt es in verschiedenen Formen, Farben & Stärken. Hier findet sich eine große Auswahl an Tapes, welche sich für die Anwendung zu Hause eignen.

Bei diesen Beschwerden wird geklebt

Ein Blick auf die Anwendungsbereiche visualisiert ein breit gefächertes Spektrum. Das Klebepflaster kommt immer dann zum Einsatz, wenn es schmerzende Muskeln, Bänder und Sehnen zu behandeln gilt.

Typische Beschwerden in der Kinesio-Therapie sind:
  • Rücken- und Schulterschmerzen
  • Fußschmerzen
  • Überlastung der Knie
  • altersbedingte Abnutzung
  • Achillessehnenbeschwerden
  • Sprunggelenksbeschwerden
  • Schmerzen am Ischias (Ischialgie)
  • Nackenverspannungen
  • Menstruationsbeschwerden
  • Tennisarm
  • Sehnenscheidenentzündung
  • Hexenschuss
  • Karpaltunnelsyndrom

Die Tapes können aber auch präventiv eingesetzt werden, um beispielsweise Verletzungen vorzubeugen.

Anleitung zum Kinesiologie Tapen bei Menstruationsbeschwerden

So werden die Tapes angewendet

Die aus Baumwoll-Gewebe bestehenden Streifen weisen eine Beschichtung mit Acrylat-Kleber auf. Dieser wird in der Regel auch bei Pflasterallergie gut vertragen. Der Kleber ermöglicht die feste Fixierung auf der Haut und lässt diese trotzdem atmen. Auf der klebenden Seite befindet sich ein Schutzpapier. Dieses wird kurz vor der Fixierung abgezogen. Der Streifen wird von der Rolle abgerissen und nach dem Entfernen des Papiers angelegt. Die Streifen werden auf die zu behandelnden Körperstellen geklebt. Entweder einzeln oder zu mehreren. Dabei werden die Tapes gedehnt. Wie stark ein Tape gedehnt wird, richtet sich nach den Beschwerden. Handelt es sich um große Blutergüsse oder geschwollene Gelenke, werden die Tapes netzförmig aufgeklebt. Dies soll den Lymphfluss unterstützen. Einfacher geht dies mit speziellen Gittertapes.

Nachdem das Tape angelegt wurde, ist rasch eine Wirkung zu verspüren. Viele Patienten berichten von einem Kribbeln oder Prickeln unter der Haut und bestätigen eine sofort spürbare Linderung ihrer Beschwerden. Handelt es sich jedoch um chronische Schmerzen, so kann die Wirkung auch eine Weile auf sich warten lassen. Bis zu zehn Tage kann das Pflaster auf der Haut verbleiben. Beim Baden oder Duschen gibt es keine Einschränkungen. Selbst eine Massage kann dem getapten Rücken nichts anhaben.

Volkskrankheit Rückenleiden

Bei Schulter- und Rückenschmerzen handelt es sich inzwischen um weit verbreitete Beschwerden, welche mittlerweile als Volkskrankheit bezeichnet werden. Eine schmerzende Schulter kann bei den unterschiedlichsten Einschränkungen mit einem Kinesio-Tape behandelt werden. Meistens wird der Schulterschmerz durch eine Instabilität am Schultergelenk hervorgerufen. In diesen Fällen ist es empfehlenswert, das Gelenk zu stabilisieren. Wer den regelmäßigen Gang zum Therapeuten und die anfallenden Kosten scheut, kann die Tapes auch selbst anlegen. Die Voraussetzung dafür ist jedoch ein anatomisches Grundwissen.

Infografik: Deutschland hat Rücken | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

SO wird der Rücken beklebt

Sie sollten sich zunächst ein Y-Tape zurechtschneiden. Dazu messen Sie vom Kreuzbein hinauf, bis Sie sich oberhalb des Schmerzpunktes befinden. Das Kreuzbein definiert die Stelle, wo der Hosenbund beginnt. Nun schneiden Sie das Tape der ausgemessenen Länge nach ab. Runden Sie die Ecken mit der Schere ab. Jetzt schneiden Sie den Streifen der Länge nach auf, bis Sie am unteren Ende noch 4-5 cm als Basisstück haben. Beugen Sie sich anschließend nach vorn, um das geschnittene Tape direkt auf den Rücken zu kleben.

Tipp: Am besten Sie stützen sich vorne ab, um die Rückenschmerzen auf einem erträglichen Niveau zu halten.

Nun reißen Sie das Schutzpapier an den beiden Schenkeln ab. Achten Sie darauf, dass Sie das Papier an der Basis leicht abziehen können. Dieses kleben Sie nun auf Ihr Kreuzbein. Die Gabelung sollte sich exakt über der Kreuzbeinoberkante befinden. Reiben Sie das Tape an, um die optimale Verbindung zwischen Kleber und Haut zu erzielen. So gewährleisten Sie, dass das Tape auch gut am Rücken haftet. Nun werden die Schenkel des Y-Tapes fixiert. Das Schutzpapier wird von unten hinauf gelöst. Lassen Sie am oberen Ende 4-5 cm Platz. Auf diese Weise können Sie den Klebestreifen besser anfassen. Bringen Sie das Tape rechts oder links entlang der Wirbelsäule auf. Sie sollten dabei eine Dehnung von maximal 10 Prozent praktizieren. Die beiden Enden des Tapes werden anschließend ohne Dehnung aufgeklebt.

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Titelbild – Urheber: wavebreakmediamicro / 123RF Standard-Bild
Kinesio Schulter – Urheber:belchonock / 123RF Standard-Bild