Venenleiden

Kompressionstherapie und Behandlung bei Venenleiden

Venenleiden und Veränderungen an den Venen werden inzwischen als Zivilkrankheiten angesehen. Es wird angenommen, dass falsche Ernährung und Bewegungsmangel erheblichen Einfluss auf die Krankheitsentwicklung nehmen. Im Volksmund als „offene Beine“ bezeichnet, handelt es sich um ein gefürchtetes und weit verbreitetes Leiden, welches unter anderem mit der Kompressionstherapie behandelt wird.

Die Kompressionstherapie wurde inzwischen wissenschaftlich belegt und konnte sich als wirksame Therapiemaßnahme in zwei verschiedenen Formen etablieren:

Auch wenn ein Ulkus abgeheilt ist und die Beschwerden abgeklungen sind, stellt die Kompressionstherapie weiterhin eine entscheidende Behandlungsform dar. Denn als Patient musst du dich damit abfinden, dass die Einschränkung nicht geheilt werden kann und dich die Bindegewebsschwäche ein Leben lang begleitet. Die Auswirkungen lassen sich jedoch mit einem Kompressionsverband eindämmen.

Was bewirkt ein Kompressionsverband?

Wenn du unter einer krankhaft erweiterten Vene leidest, dann sind deine Venenklappen nicht mehr in der Lage, ihre Ventilfunktion zu erfüllen. Daraus resultiert, dass das Blut zurücksackt. Dies führt zu Stauungen und letztendlich zur Gewebeversumpfung. Ein angelegter Venenverband sorgt dafür, dass die Venen eingeengt werden. Dies hat zur Folge, dass die Venenklappen wieder schließen können und das venöse Blut wieder normal zum Herzen zurücktransportiert wird.

Die Funktionsweise des Kompressionsverbandes ist leicht verständlich: Dieser umschließt das Bein mit festem Druck. Die erweiterten Venen werden dadurch zusammengepresst. Die Venenklappen können ihre Ventilfunktion auf diese Weise wieder erfüllen, sodass das Blut nur Richtung Herz fließt. Dabei wird die Strömungsgeschwindigkeit erhöht und der Rücktransport normalisiert. Parallel dazu dient der Verband als eine Art festes Widerlager für die schlaffe Beinmuskulatur.

Die Beinmuskulatur wird daran gehindert, sich nach außen auszudehnen. Stattdessen wird ein größerer Druck auf das Gewebe und somit auch auf die Vene ausgeübt. Auf diese Weise kann die Wadenmuskelpumpe wieder in Aktion treten. Diese spielt beim Rücktransport zum Herzen ebenfalls eine wichtige Rolle, indem der Rückstrom unterstützt. Diese Funktionen ermöglichen in ihrer Gesamtheit eine aktive Entstauung, welche durch eigene Muskelkraft erzeugt wird.

Der Kompressionsverband kann aber noch mehr. Der ausgeübte Druck sorgt zusätzlich dafür, dass „Abfälle“ abtransportiert werden. Dabei handelt es sich um Ausscheidungen aus Stoffwechselprozessen, welche sich im umliegenden Gewebe angesammelt haben. Das versumpfte Gewebe wird gewissermaßen trockengelegt, sodass sich Ödeme und Schwellungen zurückbilden. Dabei wird neuer Platz für frisches Blut geschaffen. Geschwüre haben die Möglichkeit abzuheilen. Der Druck von außen verhindert zudem, dass neues Wasser in das Gewebe eindringen kann. Dadurch wird die Gefahr der Entstehung von Thromben verhindert. Thromben sind Blutgerinnsel und Entzündungen.

Verschiedene Methoden zur Behandlung

In der Kompressionstherapie können verschiedene Methoden angewandt werden, um die Entstauung zu erzielen. Diese richten sich sowohl nach der Schwere der venösen Stauung, als auch nach den sonstigen klinischen Erscheinungsbildern. Entsprechend des Befundes entscheidet der behandelnde Arzt, welche Kompressionsmaßnahme erforderlich ist.

Der phlebologische Kompressionsverband

Bei der Phlebologie handelt es sich um die Lehre über Erkrankungen von Venen. Die Bezeichnung wurde von dem griechischen Wort „phlebos“ abgeleitet, welches übersetzt „Vene“ beziehungsweise „Blutgefäß“ bedeutet. Der phlebologische Kompressionsverband wird mit PKV abgekürzt. Dabei handelt es sich um den Verband, welcher bei sämtlichen Erkrankungen wie Entzündungen, Thrombosen, offenen Geschwüren und schweren Stadien einer CVI, also der chronisch venösen Insuffizienz eingesetzt wird.

Dieser Verband kann als Wechsel- oder Dauerverband angelegt werden. Wie der Name schon sagt, bleibt der Dauerverband über einen längeren Zeitraum angelegt. Das kann über Nacht oder über mehrere Tage der Fall sein. Ein Wechselverband wird dagegen jeden Tag neu angelegt. Handelt es sich um eine Kompressionsbinde, welche über eine geringe Dehnbarkeit verfügt, kann diese auch über Nacht angelegt werden, sofern eine optimale Verbandtechnik angewendet wurde. Bei beiden Methoden können unterschiedliche Bindematerialien eingesetzt werden. Kompressionsverbände gibt es beispielsweise von Trusetal – weitere Infos unter tshs.eu.

So wird ein Zinkleimverband angelegt

Um einen Dauerverband anzulegen, werden primär nicht wiederverwendbare Binden eingesetzt. Dabei kann es sich um klebende oder starre Binden handeln. Letzteres wird in der Regel in Form von Zinkleimbinden angeboten. Für ein vereinfachtes Anlegen sind diese meist in längs- und querelastischen Varianten erhältlich.

Die Zinkleimbinde ergibt im angelegten Zustand einen halbstarren Verband. Diese setzt von allen Verbandmaterialien, welche an der tätigen Beinmuskulatur angelegt werden, den größten Widerstand entgegen. Auf diese Weise wird ein intensiver Druck entfaltet, welcher sich auf die tiefen Venenbereiche ausübt und dort zu einer raschen Entstauung führt. Die Eigenschaften des Zinkleimverbandes können nicht nur in der akuten Phase der Therapie genutzt werden. Auch bei der Erhaltung bereits erreichter Entstauungen, sind diese Verbände sinnvoll. Aber auch bei Patienten mit demenziellen Problemen können sich diese Binden als hilfreich erweisen, sofern die Betroffenen Wechselverbände manipulieren.

Hinweis: Der Zinkleimverband ist nicht geeignet, wenn ein Ulkus die tägliche Wundversorgung voraussetzt. In diesem Fall sollte auf einen Wechselverband aus Kurzzugbinden zurückgegriffen werden.

Die Verwendung von Wechselverbänden

Kommt ein Wechselverband zum Einsatz, werden in der Regel wiederverwendbare und flexible Kompressionsbinden verwendet.

Die Elastizität wird in drei verschiedenen Prozentwerten ihrer Dehnbarkeit angegeben:

  • Kurzzugbinden: 40 bis 90 Prozent
  • Mittelzugbinden: 100 bis 130 Prozent
  • Langzugbinden: 150 bis 200 Prozent

Im deutschsprachigen Raum werden für den phlebologischen Verband Kurzzugbinden bevorzugt. Aufgrund der hohen Elastizität sind Mittel- und Langzugbinden dafür weniger geeignet. Damit wird ein konstanter Dauerdruck ausgeübt. Die Wirkung auf die Oberfläche bleibt dabei jedoch beschränkt. Sofern die Verbände einzeln angelegt werden, ist es erforderlich diese nachts abzunehmen. Sollte alternativ ein Mehrfachkomponenten-System angewendet werden, können die Binden mehrere Tage lang verwendet werden. Die Kurzzugbinden weisen eine geringere Dehnbarkeit auf, womit diese im Gegensatz zu Mittel- und Langzugbinden eine straffe Kompression im Verband ergeben. Diese ist ausreichend, um die krankhaften Venenverhältnisse im tiefen Bereich zu beeinflussen. Kurzzugbinden haben aber noch weitere Vorteile: Sie passen sich den Veränderungen im Beinumfang sehr gut an und können deshalb bis zu drei Tage angelegt bleiben. Voraussetzung dafür ist eine gute Anlegetechnik, sowie der Ausschluss eines akuten und hochödematösen Stadiums.

Wann sollte auf das Wickeln verzichtet werden?

Handelt es sich um ein älteres Venenleiden, welches mit Begleiterkrankungen einhergeht, ist Vorsicht geboten. Zu diesen Begleiterkrankungen zählen beispielsweise Diabetes mellitus oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dieser Umstand ist darauf zurückzuführen, dass sich die Kompression nicht nur auf die Venen einengend auswirkt. Auch das umliegende Gewebe und Arterien sind betroffen. In diesem Fall kann der arterielle Blutfluss gestört werden. Die Gefahr ist umso höher, wenn das falsche Bindematerial oder eine falsche Wickeltechnik zum Einsatz kommt.

Den Verband selbst anlegen

Handelt es sich um ein akutes Stadium wird der Kompressionsverband zunächst von einem routinierten Arzt angelegt. Um die weitere Behandlung zu gewährleisten, können geschulte Pflegefachkräfte konsultiert werden. Du hast aber auch die Möglichkeit, dich vom Personal schulen zu lassen, um deine Verbände künftig selbst anzulegen. Alle Informationen dazu bekommst bei deinem behandelnden Arzt oder bei entsprechenden Pflegefachkräften.

Venenschwäche – Symptome und Therapie

Bildernachweis:
Titelbild - Urheber:vencavolrab78 / 123RF Standard-Bild

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