Mönchspfeffer als Heilpflanze

Der Mönchspfeffer, in der Umgangssprache und in historischen Beschreibungen oft auch Keuschlamm, Keuschbaum, Tanis oder Liebfrauenbettstroh genannt, ist hauptsächlich in den warmen Mittelmeerländern zuhause, wobei sich sein ursprünglicher Verbreitungsraum bis ans Schwarze Meer und nach Südwestasien hinein erstreckt. Seinen Namen verdankt der an Hanf erinnernde Strauch seinen braunschwarzen, pfefferartigen Früchten und deren besondere Wirkung. So fand man Mönchspfeffer in zahlreichen Klostergärten, und die Pflanze wurde zum Symbol eines keuschen Mönchslebens. Heutzutage gilt der Mönchspfeffer als Heilpflanze, dessen Wirkstoffe vor allem bei Frauenbeschwerden, insbesondere beim prämenstruellen Syndrom (PMS) zur Linderung und Therapie eingesetzt werden.

Botanische Merkmale des Mönchspfeffers

Der Strauch gehört zur Pflanzengattung Vitex in der Familie der Lippenblütler. Einzelne Pflanzen können eine Höhe von bis zu knapp fünf Metern erreichen und bilden kleine, dichte endständige Blütenstände von violetter, blauer, rosaner oder weißer Farbe aus, welche von Ende Juli bis September blühen. Als Frucht wird eine viersamige Scheinbeere ausgebildet. Der Strauch verströmt einen angenehmen, pfefferartigen Geruch, was ihn stets auch als Zierpflanze sehr beliebt gemacht hat. Der wissenschaftliche Name des Mönchspfeffers ist Vitex agnus-castus, wobei die lateinische Bezeichnung „agnus castus“ soviel wie „keusches Lamm“ bedeutet und zur umgangssprachlichen deutschen Benennung Keuschlamm führte. Allerdings geht der Name auf eine fehlerhafte Interpretation des ursprünglichen griechischen Namens der Pflanze zurück. Der Mönchspfeffer benötigt ein warmes Klima und ist nicht winterhart, weswegen er nur sehr bedingt in mitteleuropäischen Breitengraden angepflanzt werden kann.

Die Geschichte seiner Nutzung

Bekannt war der Mönchspfeffer schon im Altertum. Der griechischen Mythologie nach war die Göttin Hera auf der Insel Samos unter einem Mönchspfefferstrauch geboren worden und vereinigte sich auch unter ihm mit ihrem Gatten Zeus. Dies führte zu einer kultischen Verehrung der Pflanze im antiken Griechenland. Der Mönchspfeffer wurde zum Symbol einer enthaltsamen Ehe und Frauen schmückten das Nachtlager mit den Blüten des Strauchs um ihre Keuschheit zu bewahren. Dieser Mythos wurde von den Römern übernommen und führte schließlich zur Nutzung der Früchte als Anaphrodisiakum in den mittelalterlichen Klöstern. Dabei wurden nicht nur die Früchte als Gewürz eingesetzt, sondern auch mit den getrockneten Blättern und Zweigen des Strauchs die Schlafstätte ausgepolstert.

Doch erkannte man darüber hinaus auch die Wirksamkeit als Heilpflanze. So wurde der Mönchspfeffer etwa schon früh bei Unterleibsbeschwerden sowie bei Wasser-, Milz- und Lebersucht eingesetzt. Auch als Emmenagogum zur Anregung der Monatsblutung bei Frauen, sowie als Arznei gegen Blähungen wurde die Pflanze gerne in der Volksheilkunde verwendet. Der Strauch wird bereits in den Schriften berühmter antiker Ärzte wie Hippokrates von Kos und Galenos von Pergamon genannt, welche den Mönchspfeffer als Heilpflanze bei Verletzungen und Entzündungen, sowie gegen „Blutfluss“ und zur „Beförderung des Abgangs der Nachgeburt“ einsetzten. Albertus Magnus und Hildegard von Bingen empfahlen später weiblichen Patienten Sitzbäder mit Mönchspfeffer im Falle von Gebärmuttererkrankungen und bei Menstruationsstörungen. Bis heute wird der Mönchspfeffer erfolgreich in der Pflanzenheilkunde und speziell in der Frauenheilkunde eingesetzt.

Mönchspfeffer im antiken Griechenland
Mönchspfeffer war bereits im antiken Griechenland bekannt / Bild: Pixabay.com/de – ColdSmiling

Die Inhaltsstoffe und ihre Wirkung

Zu den potentiell wirksamen und wirksamkeitsbestimmenden chemischen Bestandteilen, gehören vor allem verschiedene Iridoidglykoside, lipophile Flavonoide, Triglyceride, Öl- und Linolsäure, sowie ätherische Öle und organische Säuren. Die Wirkung der Inghaltsstoffe im Einzelnen, sowie die exakten Wirkmechanismen, sind wissenschaftlich jedoch noch nicht vollständig erforscht. Die wirksamen Substanzen mit hemmender Wirkung auf das Hormon Prolaktin, sind wahrscheinlich Diterpene mit einer Dopamin-analogen Wirkung. Eine Senkung des Prolaktinspiegels bei Frauen hat eine Wirkung auf den Follikelstimulierenden Hormon (FSH)- und Östrogenspiegel. Bei Männern wird dagegen der Testosteronspiegel beeinflusst, wodurch die Wirkung als Anaphrodisiakum erklärbar ist.

Extrakte aus den Früchten des Mönchspfeffers sind in häufig verwendeten Arzneimitteln gegen Menstruationsbeschwerden, Reizbarkeit und Wassereinlagerungen enthalten. Diese Symptome sind in der Frauenheilkunde unter dem Begriff prämenstruelles Syndrom (PMS) zusammengefasst. Daneben werden die Pflanzenextrakte auch zur Behandlung bei Störungen des Regelzyklus und bei Spannungsgefühlen und in der Brust (Mastodynie) verwendet. Da Mönchspfeffer stabilisierend auf den weiblichen Zyklus wirkt, kann sich eine Anwendung günstig im Falle eines Kinderwunschs auswirken. Außerdem soll Mönchspfeffer bei Frauen eine eher sexuell stimmulierende Wirkung haben.Darüber hinaus konnte der Pflanze eine vertreibende Wirkung gegen Zecken und weitere blutsaugende Arthropoden nachgewiesen werden, was den Mönchspfeffer zu einem wirksamen Repellent macht.

Mönchspfeffer in der Schwangerschaft vermeiden
In der Schwangerschaft sollte Mönchspfeffer vermieden werden / Bild: Pixabay.com/de – bmphotography

Empfehlungen zur medizinischen Anwendung

Präparate mit den pflanzlichen Wirkstoffen des Mönchspfeffers sind üblicherweise als Filmtabletten, Kapseln oder Tropfen rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Dabei handelt es sich in der Regel um Trockenextrakte oder wässrig-alkoholische Auszüge der Früchte. Auch ist ein Teeaufguss möglich, allerdings nicht unbedingt zur therapeutischen Anwendung empfehlenswert, da verschiedene Wirkstoffe der Pflanze nur schlecht wasserlöslich sind. Als mittlere Tagesdosis empfiehlt sich eine Einnahme von maximal 3 g der zerkleinerten Früchte, beziehungsweise von etwa 30-40 mg des Früchteextrakts. Damit eine therapeutisch sinnvolle Wirkung erreicht, sollten die Früchte oder deren Extrakt mindestens drei Monate lang regelmäßig eingenommen werden. Bei der Behandlung von PMS empfiehlt sich ein Absetzen der Medikation nach drei, spätestens nach sechs Monaten, um die weitere Beschwerdeentwicklung beobachten zu können. Auch empfiehlt es sich eventuell bei Erfolg der Therapie im weiteren Verlauf späterer Zyklen das Medikament nur noch an den Tagen mit auftretenden Beschwerden einzunehmen.

Achtung:
Während der Schwangerschaft sollte Mönchspfeffer aufgrund von möglichen Komplikationen nicht eingenommen werden. Auch ist jungen Mädchen und stillenden Frauen die Anwendung von Extrakten der Pflanze nicht zu empfehlen. Liegen Erkrankungen vor, welche von Geschlechtshormonen beeinflusst werden können, wie etwa Brustkrebs oder ein Tumor der Hirnanhangdrüse, ist die Einnahme von Mönchspfeffer unbedingt zu unterlassen.

Mögliche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen

Mitunter kann die Anwendung von Mönchspfeffer zu juckenden Hautausschlägen führen, vereinzelt können außerdem Magen- und Darmbeschwerden oder Kopfschmerzen auftreten. Werden gleichzeitig Dopamin-Rezeptorantagonisten wie etwa Neuroleptika oder Antiemetika verabreicht, kann deren Wirkung aufgrund der Dopamin-analogen Wirkung des Mönchspfeffers abgeschwächt werden.

Titelbild:Urheber: tunedin123 / 123RF

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