Nerv eingeklemmt: Ursache, Symptome und Behandlung

„Du hast dir sicher einen Nerv eingeklemmt“, das hören wir, wenn sich plötzliche, stechende oder schneidende Schmerzen bemerkbar machen. Typisch sind diese im Rückenbereich, besonders im unteren Rücken. Ein anderer Ausdruck für den in Bedrängnis geratenen Nerv ist „Hexenschuss“. In der Regel ist der Spuk bald wieder vorbei, die übliche Dauer eines Hexenschusses sind zwei bis drei Tage. Was tun, wenn der Schmerz länger anhält oder gar Taubheitsgefühle und Kribbeln dazukommen? In diesem Fall suche den Arzt auf. Für leichte bis mittelstarke Schmerzen, die lokal auftreten, gibt es wertvolle Hausmittel, die oft rasch zu einer Besserung führen.

Wie kommt es zum eingeklemmten Nerv?

Der Name bezeichnet bereits sehr gut die Ursache der Schmerzen oder der Empfindungsstörungen, die häufig auftreten: Ein Nerv ist durch das umgebende Gewebe oder innerhalb eines Gelenks in Bedrängnis geraten. Dies kann mehrere Gründe haben:

  • Muskeln verspannen sich und verringern den Spielraum, den der Nerv bei Bewegungen benötigt. Schmerzen treten etwa beim Gehen oder bei bestimmten Lageveränderungen auf.
  • Die Knochen eines Gelenks verschieben sich minimal, bereits ein Bruchteil eines Millimeters kann genügen. Vor allem an den Wirbelgelenken des Rückens kann es relativ einfach zu Verschiebungen kommen.
  • Ein Bandscheibenvorfall ist aufgetreten, der Gallertkern der Bandscheibe drückt auf einen Nerv.
  • Beschwerden treten durch ein Schleudertrauma auf.
  • Knochenbrüche oder Absplitterungen

Muskelverspannungen und Gelenksverschiebungen gehen auf verschiedene Ursachen zurück. Fehlhaltungen, Zwangshaltungen des Körpers oder fehlendes Training zeichnen in vielen Fällen verantwortlich. Auch ausgeprägtes Übergewicht erhöht die Wahrscheinlichkeit von Verspannungen, Bandscheibenproblemen und Lageveränderungen von Knochen – das eigene Körpergewicht drückt auf die Strukturen, dies führt zu ungünstigen Spannungen in Muskulatur und Skelett. Unfälle und Verletzungen können Nervenschmerzen zur Folge haben.

Bild Kribbeln im Bein

Wie macht sich ein eingeklemmter Nerv bemerkbar?

Je nach Lage und Schwere der Beeinträchtigung führt ein eingeklemmter Nerv zu unterschiedlichen Symptomen. Grundsätzlich können Nerven fast überall im Körper in Bedrängnis geraten, denn sie verlaufen neben Muskeln und schlängeln sich durch knöcherne Gelenke. Ist die Auswirkung lokal sehr begrenzt, so bemerkst du ein Stechen oder brennende Schmerzen. Häufig kommt es jedoch vor, dass der Nerv an seinem gesamten Verlauf die Auswirkungen des ungewohnten Drucks zeigt, obwohl er nur an einer Stelle beeinträchtigt ist. Der Schmerz „strahlt aus“.

Dieses Phänomen ist vor allem in den Beinen bekannt. Ziehende, stechende oder schneidende Empfindungen verlaufen am gesamten Bein entlang, oder es ist nur ein bestimmter Abschnitt betroffen. Es können Taubheitsgefühle, Kribbeln oder Ameisenlaufen auftreten. Auch Kältegefühl oder die Wahrnehmung von ungewöhnlicher Wärme ist oft zu beobachten. Ist nur ein Teil des Beins betroffen, fühlt sich etwa ein Bereich des Fußes taub an, so ist es für Betroffene gar nicht leicht zu verstehen, dass dieses Symptom auf einen eingeklemmten Nerv an der Wirbelsäulen-Basis zurückzuführen sein kann.

Auch an den Armen treten bei zu viel Druck auf die Nerven direkt an der Wirbelsäule ausstrahlende Schmerzen und Empfindungsstörungen auf. Dasselbe gilt für den gesamten Brustkasten. Stechen und Ziehen zwischen den Rippen hängen oft ursächlich mit Verspannungen im Rücken oder leichten Wirbelverschiebungen zusammen und nicht mit den befürchteten Herzbeschwerden. Selbst Organschmerzen im Bauchraum können an der Wirbelsäule ihren Ausgangspunkt haben.

Schmerzen und Empfindungsstörungen sind oft bereits ausgesprochen unangenehm, gerät ein Nerv jedoch noch stärker unter Druck, so sind sogar lokale Lähmungserscheinungen möglich. Gehe in diesem Fall sofort zum Arzt oder rufe die Sanitäter, eine rasche Behandlung ist wesentlich für den Heilerfolg.

Bild Wärmflsche gegen die Schmerzen

Druck vom eingeklemmten Nerv nehmen

Die Behandlung von unter Druck geratenen Nerven ist vielfältig und hängt stark von der Schwere der Beschwerden ab. So kannst du leichte Schmerzen, die nur lokal auftreten, häufig einfach und erfolgversprechend selbst behandeln. Starke beziehungsweise ausstrahlende Schmerzen und Empfindungsstörungen, vor allem aber lokale Lähmungen sind immer Sache des Arztes und sollten so rasch wie möglich therapiert werden.

Sofortmaßnahmen bei leichten und lokal begrenzten Schmerzen:
  • Oft hilft Wärme oder Kühle. Das ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich und kommt auf den Versuch an.
  • Ruhe ist in der akuten Phase in der Regel besser als zu viel Aktivität. Eine leichte Aktivierung der beteiligten Muskeln kann jedoch sehr hilfreich sein. Die Durchblutung verbessert sich und Verspannungen können sich lösen.
  • Schmerzstillende und muskelentspannende Medikamente können dann helfen, wenn Muskelverspannungen die Ursache der Schmerzen sind.
Grundregel: Halten die Beschwerden an, geh zum Arzt.

Ab einer gewissen Schmerzgrenze nimmt der Körper automatisch eine Schonhaltung an. Diese hilft zwar, akute Schmerzen zu verhindern oder zu lindern, kann die Ursache wie Muskelverhärtungen oder Gelenksverschiebungen jedoch verstärken. Bemerkst du, dass du zum Beispiel „schief gehst“, um Schmerz zu vermeiden, zahlt sich ein Arztbesuch auf jeden Fall aus. Du erhältst in der Regel schmerzstillende Medikamente, die die Schonhaltung unnötig machen, der Körper kann sich rascher regenerieren. Darüber hinaus klärt der Arzt die Ursache der Beschwerden genau ab.

Treten Beschwerden häufiger auf, sind Schmerzen ausgeprägt oder treten Empfindungsstörungen auf, so verschreiben die meisten Ärzte Physiotherapie, Massagen oder andere körperliche Anwendungen. In der Physiotherapie lernt der Patient Übungen, die der Kräftigung und Muskelentspannung dienen. Starke und gut trainierte Muskeln sind besser durchblutet, sie verhärten sich nicht so leicht.

Heute ist klar, dass unser Körper nicht nur über eine „Muskulatur“ verfügt – die Muskeln sind vor allem am Rumpf in mehreren Schichten angelegt. Die äußerste Lage ist die, die besondere Bedeutung fürs gute Aussehen hat. Waschbrettbauch und ein strukturierter Oberarm werden von diesen Muskeln definiert. Im Inneren des Rumpfes geben Muskeln uns Stabilität und sorgen für eine entspannte, aber aufrechte Haltung. Und dann gibt es noch die Tiefenmuskulatur. Diese besteht aus sehr unscheinbaren und vor allem kleinen Muskeln.

Sie hat jedoch eine enorme Bedeutung, wenn es darum geht, eingeklemmte Nerven zu verhindern. Die Tiefenmuskulatur stabilisiert beispielsweise die einzelnen Wirbel der Wirbelsäule und hält sie am genau richtigen Platz. Dies verhindert auf der einen Seite ein Verrutschen der Wirbelgelenke um Bruchteile von Millimetern, wodurch Nerven unter Druck geraten können. Auf der anderen Seite nimmt man an, dass gut unterstützte, stabilisierte Bandscheiben in geringerem Maße zum gefürchteten Bandscheibenvorfall neigen.

Die gute Nachricht: Es ist ganz einfach, im Alltag die Tiefenmuskulatur zu trainieren.
Stell dich einfach immer wieder auf ein Bein und beobachte deinen Körper. Bemerkst du, dass du heftig schwankst, so sind vor allem die oben liegenden, großen Bauch- und Rückenmuskeln gefordert. Das gibt zwar auch Kraft, beeindruckt die tiefen Muskeln zwischen den Wirbeln jedoch nicht. Perfekt ist die Übung, wenn dein Fuß zitternde Ausgleichsbewegungen macht, du aber ansonsten sehr ruhig stehst. Suche im Zweifelsfall zu Beginn Halt an einer Wand – Fingerkontakt kann schon genügen. Das Zittern des Fußes setzt sich im Körper und über die gesamte Wirbelsäule fort, die kleinen Muskeln arbeiten auf Hochtouren. Mit etwas Übung wirst du bemerken, dass du immer ruhiger stehst und das Zittern ausbleibt. Erhöhe den Schwierigkeitsgrad, indem du die Hand von der Wand nimmst oder dich ablenkst, etwa beim Training die Zähne putzt oder deine Haare kämmst. Für Tiefenmuskeln, die schon sehr gut in Form sind, stehen diverse Trainingshilfen zur Verfügung, die du im Sportfachhandel oder im orthopädischen Fachhandel erhältst.

Bild Arztbesuch

Schwere Beschwerden beim eingeklemmten Nerv

Heftige Schmerzen, starke Empfindungsbeeinträchtigungen oder Lähmungserscheinungen erfordern sofortige medizinische Hilfe. Die Behandlung reicht von der Verabreichung von schmerz- und entzündungshemmenden Medikamenten über Muskelentspannungsmittel bis hin zu chirurgischen Eingriffen. Die Operation wird heute nur noch in seltenen Fällen in Betracht gezogen, ist jedoch häufig bei Lähmungserscheinungen, wiederkehrenden Beschwerden oder extrem starken Schmerzen angezeigt. Dein Arzt führt die nötigen Untersuchungen durch und informiert dich.

Bildernachweis: Titelbild – Nerv eingeklemmt Urheber: CC0 Public Domain-Pixabay.com
Kribbeln im Bein Urheber: kazoka30 / 123RF Lizenzfreie Bilder
Wärmflasche gegen die Schmerzen Urheber: ginasanders / 123RF Lizenzfreie Bilder
Arztbesuch Urheber: wavebreakmediamicro / 123RF Lizenzfreie Bilder

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