Bild Nervenzusammenbruch

Nervenzusammenbruch: Symptome, Ursachen & Behandlung

Der umgangssprachlich als Nervenzusammenbruch bezeichnete Zustand der psychischen Entkräftung wird in der Fachsprache auch als akute Belastungssituation bezeichnet. Es handelt sich hierbei um eine starke Reaktion auf ein traumatisierendes Erlebnis. Unterschieden wird zwischen der akuten Belastungssituation, die innerhalb von 48 Stunden nach dem Ereignis auftritt und der akuten Belastungsstörung, die bis zu vier Wochen nach dem Auslöser stattfinden kann. Ein ähnliches Bild ist auch die posttraumatische Belastungsstörung, die noch bis zu drei Monate nach dem auslösenden Erlebnis beginnen kann.

Die Symptome des Nervenzusammenbruchs:

Ein Nervenzusammenbruch kann sich mit vielen, unterschiedlichen Symptomen äußern.

Die gängigsten Anzeichen sind:
  • Derealisation (bei diesem Symptom nimmt der Betroffene seine Umwelt als fremd wahr)
  • Veränderung des Bewusstseins
  • Flashbacks
  • Alpträume
  • soziale Isolation
  • Stimmungsschwankungen
  • körperliche Symptome
  • fehlende Fähigkeit zur Kommunikation

Derealisation kommt bei einem Nervenzusammenbruch relativ häufig vor. Es handelt sich um einen Zustand, bei dem der Betroffene seine Umgebung wie im Film, unreal und fremd wahrnimmt. Häufig werden durch Derealisationserlebnisse weitere Symptome wie Panikattacken ausgelöst.

Das Bewusstsein kann sich im Zustand des Nervenzusammenbruchs verändern. Patienten können sich gedanklich nur noch auf das eine Thema konzentrieren und sind für Einflüsse von außen kaum noch empfänglich. In dieser Phase kommt es nicht selten zur kompletten Isolation.

Der erlebte Auslöser wird von den Betroffenen oftmals immer wieder durcherlebt. Es kommt zu sogenannten Flashbacks, bei dem sich der Patient unmittelbar der auslösenden Situation ausgeliefert fühlt und gedanklich alles noch einmal erlebt. Auch Alpträume treten häufig auf, müssen aber inhaltlich nicht vom Geschehenen handeln. Die Stimmung von Personen mit einem Nervenzusammenbruch kann schwanken.

Es kommt wechselnd zu Aggressionen, Wutausbrüchen und tiefer Traurigkeit, bis hin zur Benommenheit. In dieser Phase ist das Risiko einer Suchterkrankung erhöht.

Manche Patienten neigen dazu ihre Symptome körperlich zu äußern. Es kommt nicht selten zu Blutdruckveränderungen, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden und anderen Symptomen. Für Laien ist es äußerst schwer zu erkennen, dass die Symptomatik eigentlich von der Psyche ausgelöst wird.

Die meisten Patienten, die unter dieser Erkrankung leiden, sind unfähig über das Erlebte zu sprechen und können somit auch nicht verarbeiten was passiert ist. Es kann in extremen Fällen dazu führen, dass die Betroffenen überhaupt nicht mehr sprechen und jegliche Kommunikation einstellen.

Bild Gewalt

Ursachen für einen Nervenzusammenbruch

Ein Nervenzusammenbruch tritt auf, wenn im Leben des Betroffenen ein traumatisches Erlebnis stattgefunden hat. Nicht nur Menschen die selbst von einem Schicksalsschlag betroffen sind, sondern auch solche die dabei zugeschaut haben oder entfernt beteiligt waren können erkranken. Vielfach handelt es sich um ein lebensbedrohliches Ereignis oder einen Verlust, der für die Betroffenen kaum zu verwinden ist.

Zu den häufigen Auslösern des Nervenzusammenbruchs gehören:
  • bedrohliche Situation mit Körperverletzung (Raub, Überfall, Einbruch)
  • Kriegserlebnisse
  • Flucht aus Kriegsgebieten
  • sexuelle Gewalt
  • schwere Unfälle
  • Verlust einer nahestehenden Person

Ein schockierendes Erlebnis, bei dem das eigene Leben oder das Leben einer nahestehenden Person in Gefahr ist, ist häufig der Grund für einen Nervenzusammenbruch. Die Symptomatik tritt plötzlich auf und kann sich sowohl seelisch, als auch körperlich manifestieren. Oft funktionieren die Betroffenen noch auf Autopilot, kommen ihren Aufgaben nach oder versuchen ihren Alltag normal zu leben. Die tiefe Verzweiflung und die starke, psychische Reaktion kann von Laien nicht immer richtig eingeschätzt werden.

Wer ist besonders gefährdet einen Nervenzusammenbruch zu bekommen?

Nicht bei jedem Menschen entwickelt sich durch ein traumatisches Erlebnis ein Nervenzusammenbruch. Es gibt einige Risikofaktoren, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen. Es ist jedoch zu beachten, dass auch Personen ohne diese Risikofaktoren einen Nervenzusammenbruch erleiden können.

Die Wahrscheinlichkeit steigt durch:
  • erhöhte, seelische Verletzbarkeit
  • keine Möglichkeit die Erlebnisse zu verarbeiten
  • seelische und körperliche Grunderkrankungen

Bild Therapie

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Viele Patienten die unter einem Nervenzusammenbruch leiden suchen sich keine Hilfe. Entweder versuchen sie mit ihrer Erkrankung selbstständig umzugehen oder sie erkennen die Gefahr nicht, in der sie sich befinden.

Kommt es zu einer akuten, traumatischen Situation, sind meist Krisenhelfer im Einsatz, die das Schlimmste verhindern sollen. Speziell ausgebildete Personen, wie zum Beispiel Feuerwehrmänner, das technische Hilfswerk und Sanitäter können die Erstversorgung übernehmen und die Betroffenen an einen sicheren Ort bringen.

Während der Therapie ist die erste Aufgaben des Therapeuten Zugang zum Patienten zu finden. Es braucht einen geschützten Rahmen, in dem sich der Betroffene öffnen kann. Hier ist es Aufgabe des Psychologen zu überprüfen, ob möglicherweise eine Gefahr der Selbstgefährdung besteht.

Liegt ein erhöhtes Suizidrisiko vor, wird der Patient meist stationär behandelt. Bei Fällen ohne Suizidgefahr ist eine ambulante Therapie ausreichend.

Es gibt verschiedene Therapieformen, die bei einem Nervenzusammenbruch zur Anwendung kommen. Eine Verhaltenstherapie unterstützt den Patienten dabei mit dem Erlebten umzugehen und das eigene Verhalten bezüglich des Umgangs damit zu bearbeiten. Die sogenannte Psychoedukation zeigt dem Patienten dass er ein Problem hat und hilft dabei das traumatische Erlebnis zu verarbeiten. Eine dritte Therapiemethode nennt sich Eye Movement Desensitization (EMDR) und soll durch Bewegungen der Augen dabei helfen, dass der Betroffene das Trauma noch einmal durchlebt und dann besser verarbeiten kann.

Medikamente sind bei einem Nervenzusammenbruch nicht der Regelfall, werden aber von Zeit zu Zeit eingesetzt. Insbesondere wenn der Schlaf angestoßen werden soll oder wenn akute Angstzustände eine Therapie unmöglich machen können Benzodiazepine zum Einsatz kommen. Langfristig ist auch die Gabe eines Antidepressivas in Erwägung zu ziehen, die Wirkung setzt allerdings erst nach sechs Wochen ein.

Bild Hilfe

Verlauf eines Nervenzusammenbruchs:

Ein Nervenzusammenbruch verläuft nicht immer gleich. Der weitere Verlauf ist maßgeblich von den erste Hilfe Maßnahmen abhängig. Ein klassischer Nervenzusammenbruch hält etwa 48 Stunden nach dem auslösenden Ereignis an. In einigen Fällen heilt der psychische Zusammenbruch dann folgenlos aus. Es besteht allerdings auch die Möglichkeit, dass sich eine akute Belastungsstörung und daraus folgend eine posttraumatische Belastungsstörung entwickelt. Diese wiederum kann sich chronifizieren.

Je früher in einer starken Belastungssituation professionelle Hilfe aufgesucht wird, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit dass der Nervenzusammenbruch schnell wieder ausheilt.
Die nächsten Vertrauten der betroffenen Person sollten über den psychischen Zustand Bescheid wissen, damit keine weiteren Belastungen auf den Patienten einströmen. Es ist wichtig den Betroffenen nicht zu Gesprächen zu drängen, aber bei Redebedarf das Gespräch anzubieten.

Manche Betroffene können sich nach einer Weile öffnen und verarbeiten das Erlebte dann durch persönliche Gespräche mit Freunden oder Verwandten.

Durch therapeutische Unterstützung ist es möglich, das durchlebte Ereignis zu verarbeiten und den Zusammenbruch zu heilen. In akuten Situationen können auch Gespräche mit Fremden helfen, zum Beispiel mit der Telefonseelsorge.

Bildernachweis: Titelbild – Nervenzusammenbruch Urheber: CC0 Public Domain-Pixabay.com
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