Pflege von Angehörigen gut organisieren

Die Frage, ob man den Lebensabend im Altersheim verbringen möchte, ist für viele Menschen lange Zeit kein Thema. Wieso sollte der Mensch auch etwas entscheiden, was noch so weit in der Ferne liegt. Doch nicht jedem Menschen sind Gesundheit und vor allem Mobilität bis ins hohe Alter vergönnt. Oft sorgt eine plötzliche Krankheit, ein Schlaganfall oder ein Unfall und ein daraus resultierender komplizierter Knochenbruch für eine plötzliche Pflegebedürftigkeit. Spätestens dann steht man vor der Entscheidung, entweder ins Pflegeheim zu gehen oder eine Pflege in den gewohnten vier Wänden zu organisieren. Letzteres muss von dem Pflegebedürftigen und der Familie gut geplant werden. Vor allem bedarf es intensiver Gespräche, in denen der zu pflegende Mensch all seine Wünsche und Vorstellungen äußern kann. Schließlich soll man sich als pflegebedürftige Person mit den zukünftigen Arrangements auch wohlfühlen.

Plötzlich Pflegefall – die Organisation ist das A&O

Ist die Entscheidung gefallen und der Angehörige hat sich für eine Pflege im eigenen Heim entschieden, muss alles gut durchdacht und organisiert werden. Dies gelingt am besten mit einer ausführlichen Liste von Dingen, die es nun zu erledigen gilt. Besonders der finanzielle Aspekt steht zu Beginn der Pflege erst einmal im Vordergrund. Egal, ob ein Familienangehöriger die Pflege übernehmen möchte oder die Familie die Dienste eines professionellen Pflegedienstes in Anspruch nimmt – beide Varianten werden von der Krankenkasse entweder finanziell komplett übernommen oder bezuschusst. Mit Hilfe der folgenden Liste, kannst Du sichergehen, dass kein wichtiges Detail übersehen wird und die häusliche oder externe Pflege des Familienangehörigen problemlos beginnen kann.

Pflege von Angehörigen zu Hause

Die Organisation der Pflege

Am Anfang steht der Gang zum Hausarzt

Nicht immer hat man die Zeit sich auf einen drohenden Pflegefall vorzubereiten. Oft trifft es die Familie völlig unvorbereitet. Der Gang zum Arzt sollte also an erster Stelle stehen. Ein Mediziner hat die nötige Erfahrung und kann Dich auf Dinge aufmerksam machen, die Du vielleicht im Chaos übersiehst. Zudem kann er den Pflegeumfang bestens einschätzen, den das Familienmitglied in Zukunft benötigt und auch sonst medizinisch beratend zur Seite stehen. Auch Pflegedienste oder Sozialstationen können den anstehenden Pflegebedarf gut einschätzen.

Der Antrag der Pflegestufe

Die Krankenkasse teilt die Pflegebedürftigkeit eines älteren oder kranken Menschen in 5 Pflegestufen ein. Nun gilt es herauszufinden, welche Stufe in Deinem Fall in Kraft tritt. Deshalb muss die Familie sofort mit der Krankenkasse Kontakt aufnehmen und einen Antrag auf eine Pflegestufe inklusive aller geforderten Unterlagen einreichen. Sollte der pflegebedürftige Mensch eine private Pflegeversicherung abgeschlossen haben, muss diese natürlich ebenfalls informiert werden. Der bürokratische Teil ist enorm wichtig, da die Pflegestufe darüber entscheidet, mit wie viel Pflegegeld die Familie monatlich rechnen kann. Um die Pflegestufe festzulegen, wird die pflegebedürftige Person von einem Gutachter des MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen) besucht. Kurz danach erhält die Familie die Bewilligung einer der fünf Pflegestufen. Und nur keine Sorge, falls die Bewilligung mal etwas länger dauert. Das Pflegegeld wird rückwirkend ab der Einreichung des Antrags bezahlt.

Ehrliche Einschätzung der familiären Kapazitäten

Eine häusliche Pflege besteht aus dem Teil, den die Familie leisten kann und der ergänzenden Unterstützung durch einen Pflegedienst. Die eigenen Kräfte zu überschätzen hilft auf Dauer niemanden. Jetzt muss eine realistische Einschätzung her, welche Teile der Pflege dauerhaft von der Familie übernommen werden können. Am besten fällt man diese Entscheidung zusammen mit einem Pflegedienst wie oder einer Sozialstation. So profitiert die Familie von den Erfahrungen von professionellen Alten- bzw. Krankenpflegern, die den Alltag eines Pflegebedürftigen realistisch einschätzen können. Im Idealfall findet das Gespräch in der Wohnung des Pflegebedürftigen statt, damit der Pflegedienst auch gleich eventuelle Veränderungen in der Wohnung bzw. im Haus vorschlagen kann, die das Leben der Person erleichtern. Eine Alternative zu den herkömmlichen Pflegedienstleistern ist auch prosenior-betreuung.de. Hier garantieren polnische Pflegekräfte 24-Stunden-Betreuung mit Herz. Nimm so viele Beratungsangebote wie möglich in Anspruch. Kirchen und Wohlfahrtsverbände warten mit zahlreichen Beratungsstellen auf, die die Familie mit vielen nützlichen Tipps versorgen können.

Hilfsmittel in Anspruch nehmen

Einen Pflegefall zu betreuen kann teuer werden. Besonders, wenn man der Meinung ist, alles alleine stemmen zu müssen. Das muss nicht sein. Die Krankenkassen übernehmen bei Pflegefällen die Kosten für Hilfsmittel wie z.B. einem Pflegebett, Toilettensitzerhöhung, Badewannenlifter oder einen Rollator. Auch die Ausgaben für Utensilien wie Inkontinenzeinlagen, Desinfektionsmittel, Bettschutzeinlagen und Einmalhandschuhe werden von der Kasse für Patienten mit Pflegestufe erstattet. Die Kostenerstattung muss jedoch beantragt werden.

Organisation der täglichen Mahlzeiten

Im Idealfall kann die Familie für das leibliche Wohl des Pflegebedürftigen sorgen, doch die wenigsten Familienangehörigen schaffen dies auf Dauer täglich. Hier können Organisationen wie Essen auf Rädern oder andere private Träger das Leben erleichtern. Hier muss die Familie mit einer finanziellen Belastung von 5 Euro pro Hauptmahlzeit rechnen, die der Pflegebedürftige selbst aufbringen muss.

Ein Hausnotruf kann Leben retten

Für alleinlebende Pflegebedürftige empfiehlt es sich, einen Hausnotruf installieren zu lassen. So kann die Familie nachts beruhigt schlafen, da im Notfall sofortige Hilfe zur Stelle ist. Einen Notruf setzt die Person ganz leicht per Fingerdruck ab. Den Notfallknopf trägt der Pflegebedürftige entweder um den Hals oder an einem Armband. Mit einem Knopfdruck nimmt er oder sie Kontakt zur Notrufstelle auf, die sich per installierten Lautsprecher über die benötige Hilfestellung erkundigt. Die Kosten für den Hausnotruf liegen z.B. bei den Maltesern oder dem Deutschen Roten Kreuz bei monatlich ca. 20 Euro. Ab Pflegestufe 1 übernimmt die Krankenkasse einen großzügigen Anteil der Kosten in Höhe von 18,36 Euro.

Für Notfälle: Kurzzeitpflege im Heim

Wenn die Familie von der Pflegebedürftigkeit eines lieben Menschen eiskalt erwischt wird und erst einmal etwas Luft für die ganze Organisation braucht, gibt es Soforthilfe. Diverse Seniorenheime halten stets sogenannte Notfallplätze frei. Hier können Familienangehörige kurzfristig für bis zu 28 Tage im Jahr betreut werden. So hat die Familie genügend Zeit, um die häusliche Pflege zu regeln und die Wohnung bzw. das Haus auf die Rückkehr der pflegebedürftigen Person vorzubereiten.

In der Ruhe liegt die Kraft

Die häusliche Pflege eines Familienmitglieds ist in der ersten Phase eine große Herausforderung und verlangt allen Beteiligten ein starkes Nervenkostüm ab. Doch ist der bürokratische Teil erst einmal abgeschlossen, kehrt auch wieder etwas Ruhe ein und der Alltag pendelt sich nach ein paar Wochen wieder ein. Wichtig ist nur, dass niemand in der Familie versucht, das Unmögliche möglich zu machen. Lebensqualität ist nicht nur für den Pflegebedürftigen wichtig, sondern auch für die Angehörigen. Solltest Du bemerken, dass Dich die Situation überfordert, dann kannst Du jederzeit eine Beratungsstelle. Gemeinsam findet man eine Option, damit der Alltag erträglicher wird. Es besteht zum Beispiel immer die Möglichkeit, die pflegebedürftige Person einen oder auch mehrere Tage in einer Pflegeeinrichtung unterzubringen, damit sich die Familie eine Auszeit gönnen kann, um neue Energien zu tanken.

Bildernachweis:
Titelbild - TaniaVdB - Pixabay.com (CC0 Creative Commons)
haltende Hände - sabinevanerp - Pixabay.com (CC0 Creative Commons)