Rauchfrei – so hören Sie mit dem Rauchen auf

Die Geschichte des Rauchens reicht bis vor die moderne Zeitrechnung. Schon über 200 Jahre v. Chr. wurden getrocknete Pflanzenteile geraucht, um böse Geister auszutreiben und in Verbindung mit Ritualen andere Wirkungen zu erzielen. Im Laufe der Jahrtausende wurde das Rauchen zum Genuss. Bereits im späten Mittelalter gab es Prohibitionen und strickte Strafen wie Verbannung und Hinrichtung. Ab Beginn des 19 Jahrhunderts avancierte das Rauchen weitestgehend zum Zeichen einer besonderen, gehobenen Klasse, die es weiß das Leben zu genießen.

Im 20. Jahrhundert war die Zigarette ein Wahrzeichen für die emanzipierte Frauenwelt. Auf einem öffentlichen Umzug engagierte ein führender Tabakkonzern aus den vereinigten Staaten Frauen, welche in der Öffentlichkeit rauchten. Die Empörung war groß. Rauchen galt bis kurz vor der Jahrtausendwende als schick und akzeptiert. Geraucht wurde in Flugzeugen, Restaurants, Universitäten und vielen anderen Einrichtungen. Man umwarb gesunde Zigaretten als besonders freundlich für die Zähne.

Bereits in der Mitte des 20. Jahrhunderts gab es erste Langzeitstudien die belegten, dass der Konsum von Tabak gesundheitsschädlich ist. In fundierten wissenschaftlich-medizinischen Untersuchungen wurde der Qualm direkt mit gewissen Formen von Krebs in Verbindung gebracht. Im Jahr 1997 legte das Bundesverfassungsgericht nach einer Klage fest, dass rauchen offiziell als gesundheitsschädlich anzusehen ist.

Heute gelten Raucher als Schwach: geraucht wird vermehrt in sozial schwächeren Klientels, Raucher werden in der Öffentlichkeit geächtet. In der EU gibt es immer wieder Ansätze zu einem allgemeinen Verbot der Tabakerzeugnisse in den nächsten Jahrzehnten. Nikotin gilt besonders bei der Verbrennung mit den anderen Bestandteilen im Tabak als potenter Suchtstoff und wird in Faktoren der Sucht etwa gleichwertig mit der illegalen Droge Kokain bewertet. Rauchen wird mit 19 verschiedenen Krankheiten in Verbindung gebracht, löst diese aus oder begünstigt sie.

Raucher
Raucher gelten als schwach

Warum macht rauchen süchtig?

Die Frage der Abhängigkeit ist eine Frage der Umgewöhnung des Körpers. Neben Nikotin sind zahlreiche andere Bestandteile des Tabaks und dessen industrieller Verarbeitung dafür bekannt, die Sucht zu verstärken. Der Körper gewöhnt sich an die regelmäßige Zufuhr der Stoffe, stellt sich physisch und psychisch darauf ein.

Körperliche Aspekte

Nach dem Einatmen des blauen Dunstes nehmen die Rezeptoren des Körpers die unterschiedlichen Suchtstoffe auf. Das Gehirn schüttet Endorphin, Noradrenalin, Dopamin und Serotonin aus. Der gesteigerte Pegel ist nicht nur eine Gefahr, weil wir uns psychisch an den neuen Status gewöhnen. Die Struktur der Nervenzellen wird beeinflusst. Bei reinem Nikotin erfolgt eine Steigerung der Konzentration, in Verbindung mit Tabak kommt es zu einer Abschwächung der geistigen Fähigkeiten mit starken Einschränkungen für Konzentration und Gedächtnis. Die physischen Folgen des Entzuges sind oft Kreislaufbeschwerden, Schweißausbrüche und Kopfschmerzen.

Psychische Aspekte

Der gesteigerte Dopamin- und Endorphinpegel hat einen Einfluss auf das Belohnungssystem des Körpers. Wir nehmen die Zigarette schnell als positiv wahr und stellen uns geistig darauf ein, als wäre es eine positive Tat nach getaner Arbeit. Der höhere Anteil der genannten Neurotransmitter (Endorphin und Co.) wird als normal wahrgenommen, auch wenn sich dieser aufgrund einer steigenden Zigarettenzahl pro Tag immer weiter steigert. Fällt das Level unter den gewohnten Bereich beginnen wir uns unwohl zu fühlen, einige Menschen werden aggressiv, depressiv, unruhig und gereizt.

Warum aufhören?

Wer keinen Grund spürt aufzuhören tut es auch nicht. Die verbreitetsten Gründe, welche für eine Entwöhnung angegeben werden sind: familiäre Verpflichtungen wie Schwangerschaft, Geburt oder auch ein Kinderwunsch, gesundheitliche Beeinträchtigungen, ein Abfall der Leistungsbereitschaft und der Motivation, sowie gesellschaftlicher Druck und eine Erkrankung sind die häufigsten Gründe dafür, dass sich Raucher die Last abgewöhnen wollen.

Viele Wege zurück

Die Möglichkeiten sich zu entwöhnen sind so vielseitig, wie der Wunsch dringend ist. Ob ein Ersatzstoff für Ruhe im Körper sorgt, während sich der Pegel im Körper normalisiert oder die angehenden Nichtraucher sich komplett aus eigener Kraft entwöhnen wollen, spielt für den Erfolg eine Rolle. Wir haben mehr oder weniger erfolgreiche Methoden unter die Lupe genommen.

Pflaster

Ein Nikotinpflaster versorgt den Körper über die Haut mit Nikotin. In aktuellen Studien wird das Nikotinpflaster für Menschen mit langsamen Nikotinstoffwechsel als erfolgreich beschrieben. Gegen den Schock des ersten Entzuges haben Nikotinpflaster nur eine geringe Wirkung. Am erfolgsversprechendsten ist die Kombination mit anderen Methoden.

Medikamente
Medikamente können einen Herzinfarkt verursachen

Medikamente

Tabletten sollen vor allem die ersten Phasen des Entzuges abschwächen. Medikamente mit dem Wirkstoff Vareniclin eignen sich für Menschen mit schnellem Nikotinstoffwechsel. Ich würde von Tabletten mit dem Wirkstoff abraten, da die Medikamente in einigen Fällen mit einem Herzinfarkt in Verbindung gebracht wurden. Zu ersten Fällen kam es in den USA, wo die Freigabe für Medikamente einfacher ist. Auch in Deutschland gibt es Berichte, in Form eines Entzugstagebuchs: betroffene Person kam am siebenten Tag der Entwöhnung mit Einnahme der Medikamente ins Krankenhaus- Verdacht auf Herzinfarkt.

Kalter Entzug

Der kalte Entzug wird als der schwerste beschrieben. Prinzipiell, verzeihen Sie die Äußerung, “verarschen” wir uns selbs. In Studien der University of Pennsylvania wurde dies deutlich: Eine Testgruppe bekam anstelle des Wirkstoffs Vareniclin und Nikotinpflastern ausschließlich Placebos. Der Effekt, eine Tablette einzunehmen und das Pflaster ohne Wirkung aufzukleben fruchtete – die Abstinenzrate bei der Placebogruppe lag bei 13 Prozent, der Erfolg der Tablettenstudie bei 14 %. Nikotinpflaster sorgten für eine Durchhaltequote von 19% und waren damit am erfolgreichsten.

Gruppentherapie

Um den psychologischen Effekt, die Willenskraft wärhrend des Entzugs zu unterstützen, sind Gruppentherapien bei allen die so schnell wie möglich aufhören müssen sehr gefragt: das geteilte Leid scheint geringer und gemeinsame Aktivitäten vereinfachen den Entzug enorm. Zu sehen, dass andere in der selben Situation stecken sorgt für ein Wir- bzw. Teamgefühl. Dies stärkt das Durchhaltevermögen: wir wollen nicht einer von denen sein, die es nicht schaffen.

Selbst ist der Süchtige

Wer es auf eigene Faust probieren möchte, sollte Familie und Freunde involvieren. Die Unterstützung und das Verständnis, wenn der Entzug mal zu einem Wutausbruch führt, ist wichtig um die nötige Kraft aufzubringen. Der Alltag sollte mit sportlichen Aktivitäten und anderen Beschäftigungen ausgefüllt werden. Wer Abends eine halbe Stunde joggen geht, hat im Bett die nötige schwere um Einzuschlafen. Das Lösen kleiner Aufgaben stimuliert das Belohnungssystem.

Hypnose

Ein recht junges Mittel ist die Hypnose. Eine Sitzung kann je nach Anbieter einige hundert Euro kosten. Viele Anwender sprachen schon von einem plötzlichen Erfolg auf ganzer Linie. Bei der Hypnose gibt es Ansätze dazu, dass die Sucht unterbunden- oder die Zigarette an sich zum ekligen Glimmstängel wird. Ein im Nachhinein sehr überzeugter Proband sprach davon, dass zwar noch ein geringes Verlangen zu Rauchen da war, die Zigaretten aber ungenießbar, der Konsum mit starkem Husten und Würgen verbunden war.

Die positiven Folgen der Freiheit

  • Während der ersten halben Stunde nach der letzten Zigarette sinkt der Blutdruck, die Durchblutung verbessert sich, die Körpertemperatur normalisiert sich.
  • Nach 8 Stunden fällt der Kohlenstoffmonoxidspiegel im Blut: Es kann wieder mehr und mehr Sauerstoff transportiert werden.
  • Nach einem Tag sinkt das Herzinfarktrisiko, nach zwei Tagen normalisiert sich der Geschmacks und Geruchssinn.
  • Nach zwei Wochen steigt die Funktion der Lunge um etwa 30%
  • In den ersten 9 Monaten baut die Lunge Schleim ab, die Flimmerhärchen gesunden, die Infektionsgefahr fällt enorm.
  • Nach einem Jahr ist das Risiko für Herzerkrankungen nur noch Halb so hoch.
  • Nach 5 Jahren sinkt auch das Schlaganfallrisiko.
  • Nach 10 Jahren ist das Krebsrisiko um die Hälfte gesunken.
  • Nach 15 Jahren ist das Risiko koronarer Herzerkrankungen wieder so hoch wie bei einem Nichtraucher.

Die Daten stammen aus einer Studie der American Cancer Society (dt= Amerikanische Krebsgesellschaft). Die Symptome des Entzuges verschwinden zum Glück bedeutend schneller: nach 5-30 Tagen sollten die Erscheinungen abgeklungen sein. Saunagänger berichten in einigen Fällen von einer noch schnelleren Entwöhnung.

Mein Tipp:
Nachdem der erste Versuch, das Rauchen für immer hinter mir zu lassen an der Kasse eines Supermarktes scheiterte und ich wieder eine Packung der Glimmstengel mein Eigen nannte, führte bei einem zweiten Versuch ein einfacher Trick zum Erfolg: Bei jeder Mahlzeit stellte ich einen vollen und übelriechenden Aschenbecher neben meinen Teller. Der ekelhafte Geruch hielt mich vom Essen ab, die Nahrungsaufnahme wurde zum Kampf. In meinem Kopf begann ich, den Geschmack und Geruch von Tabak als ekelerregend wahrzunehmen. Noch heute suche ich angewidert das Weite, wenn der tödliche Qualm in der Luft liegt.

Beim Entzug muss darauf geachtet werden, dass sich das Suchtpotential nicht zugunsten eines anderen Stoffes verschiebt. Viele Raucher nehmen zu, da die ausbleibende Zigarette mit ungesunden Snacks ersetzt wird.

Bilder: Pixabay.com/de

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