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Vollnarkose: Ablauf und Gefahren

Nach wie vor ist die Vollnarkose mit viel Unsicherheit verbunden. Viele Menschen empfinden Angst, die Kontrolle über ihren Körper zu verlieren. Auch teilen Patienten die Befürchtung, einen dauerhaften Schaden zu erleiden, aus der Narkose zu früh oder überhaupt nicht zu erwachen. Der folgende Artikel soll über den Ablauf und die Gefahren der Vollnarkose informieren. So können Ungewissheiten schon im Vorfeld geklärt werden. Dennoch ist es empfehlenswert, sich vom Arzt individuell beraten zu lassen. Nur er kann verlässliche Aussagen gestützt auf den individuellen Krankheitsfall geben.

Vorbereitung

Zunächst wird der Patient auf die Narkose vorbereitet. Etwa 20 Minuten vor Beginn erhält er ein Beruhigungsmittel, meist Benzodiazepin. Der Inhaltsstoff wirkt Angst lösend und entspannend. Konkret hemmt er GABA-Rezeptoren, dies ist der wichtigste Rezeptor im zentralen Nervensystem. Durch seine Hemmung beruhigen sich Puls und Atmung. Außerdem empfindet der Patient das Gefühl von Schläfrigkeit und Benommenheit. Da er unbegleitet nicht mehr laufen sollte, befindet er sich meist im Operationssaal. Die verbliebene Zeit nutzen die Schwestern, um alle nötigen Kontrollgeräte anzuschließen. Diese helfen dem Narkosearzt bei der Überwachung der Körperfunktionen. Das ‚Monitoring‘ umfasst Kontrollwerte zum Herzrhythmus, Blutdruck und zur Sauerstoffsättigung. Hinzu kommen Körpertemperatur und Sauerstoffkonzentration.

Bild Narkose

Verabreichung der Narkosemittel

Meist dauert es nur wenige Minuten, bis ein Patient in eine Vollnarkose gefallen ist. Der Anästhesist verwendet drei Wirkstoffe, um einen künstlichen Schlaf hervorzurufen. Diese spritzt der Arzt in die Vene auf dem Handrücken. Beim ersten Wirkstoff handelt es sich um ein Hypnotikum. Die Wirkung des Schlafmittels zeigt sich bereits nach 30 Sekunden. Zunächst verspürt der Patient eine schwere Müdigkeit, dann verliert er das Bewusstsein.

Als Schlafmittel verwendet der Arzt Propofol, Thiopental oder Etomidate. Sie beeinflussen die Kommunikation zwischen Thalamus, Cortex und Hirnstamm. Beim zweiten Narkosemedikament handelt es sich um ein Schmerzmittel. Meist sind es Opioide, die eine bewusstseinsdämpfende Wirkung entfalten. Das Ziel besteht darin, dass der Patient während der Vollnarkose keine Schmerzen mehr empfinden kann. Das dritte Medikament ist eine Mischung aus Relaxanzien. Sie führen zur Muskelerschlaffung und lähmen die natürlichen Abwehrreflexe des Körpers. Da gleichzeitig auch die Atemmuskulatur gelähmt wird, führt der Arzt ein weiches Rohr in die Luftröhre. Während der Vollnarkose unterstützt es den Patienten bei der Atmung.

Ablauf der Vollnarkose

Nachdem der Patient in die Vollnarkose gefallen ist, kann das Ärzteteam mit der Operation beginnen. Während der gesamten Narkosedauer ist ein Anästhesist anwesend. Er ist für die Überwachung der Körperfunktionen, insbesondere der Atmung, verantwortlich. Dank der angeschlossenen Geräte kann er die unbewussten (vegetativen) Reaktionen des Körpers beobachten. Anhand des Blutdrucks und der Pupillengröße kann er auch die Tiefe der Vollnarkose nachvollziehen.

Steigt der Puls an, kann der Anästhesist die Dosis der Schlafmittel erhöhen. Nachdem die Operation durchgeführt wurde, leitet der Anästhesist die sogenannte Ausleitung aus der Narkose ein. Dazu werden die Narkosemittel stufenweise abgesetzt. Innerhalb von fünf bis zehn Minuten lässt die Wirkung der Narkosemittel nach. Daraufhin gewinnt der Patient die Kontrolle über die vegetativen Funktionen zurück. Außerdem lassen die Muskelerschlaffung und die Schmerzlinderung nach.

Sobald die Schutz-und Atemreflexe wieder einsetzen, wird der Beatmungsschlauch entfernt. Abschließend prüft der Anästhesist, ob der Patient das Bewusstsein zurückerlangt hat. Dazu stellt er personenbezogene Fragen und einfache Aufgaben. Der leitende Arzt klärt den Patienten über den Erfolg der Operation auf. Auch geht er auf mögliche Komplikationen der Narkose ein.

Bild Operation

Gefahren

Viele Patienten teilen die Angst, während einer Vollnarkose zu sterben. Untersuchungen zur Anästhesie zeigen allerdings, dass lebensbedrohliche Komplikationen zur Seltenheit gehören. Im Durchschnitt kommt es bei einer von 250.000 Vollnarkosen zu einem Sterbefall. Dabei handelt es sich nur um eine Schätzung. Das Risiko hängt mit dem Gesundheitszustand und der Erkrankung eines Patienten zusammen. Bei guter Gesundheit ist das anästhesieassozierte Risiko aber vergleichsweise gering.
Dennoch kann eine Vollnarkose vorübergehende und bleibende Nachwirkungen mit sich tragen. Häufig klagen Patienten über Übelkeit und Erbrechen.

Die Nebenwirkungen treten einige Stunden nach dem Erwachen auf und können einige Tage anhalten. Auch berichten Patienten von Verwirrtheit und Halluzinationen, deren Ausmaß innerhalb einiger Tage nachlässt. Seltener kommt es während der Narkose oder im Nachhinein zu einer allergischen Reaktion. Daher ist es wichtig, den Arzt im Vorfeld über bekannte Allergien zu informieren. Allergene können in den Inhaltsstoffen der Narkosemittel vorkommen. Ebenfalls sollte dem Arzt eine Vorerkrankung, insbesondere Diabetes oder eine Herzrhythmusstörung, mitgeteilt werden.

Bild Untersuchung

Aufwachen ist der größte Risikofaktor

Untersuchungen haben ergeben, dass schwerwiegende Komplikationen auftreten, wenn die Nachsorge vernachlässigt wurde. Üblicherweise wird die Ausleitung von einem geschulten Pflegepersonal überwacht. Es prüft die Organfunktion, insbesondere den Kreislauf und die Atmung. Ebenfalls ist das Pflegepersonal für die Verabreichung von Schmerzmitteln verantwortlich.

Durch eine ständige Kontrolle und einer umfassenden Nachbehandlung kann einem Postoperativen Delir vorgebeugt werden.
Bei einem Postoperativen Delir handelt es sich um eine Komplikation, bei der sich die Betroffenen von der Narkose nicht erholen können. Unter anderem wird von einem gestörten Tag-Nacht-Rhythmus, von einer schweren Benommenheit und einer gestörten Sinneswahrnehmung berichtet. Wenn die Vitalfunktionen des Patienten nicht beobachtet werden, kann der Patient einen Kreislaufzusammenbruch erleiden. Dem kann mit einer modernen Überwachungstechnik und einem geschulten Personal vorgebeugt werden.

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