Beckenschiefstand – Ursachen, Symptome und Therapie

Ein Beckenschiefstand ist im wörtlichen Sinne ein aus frontaler, oder vertikaler Perspektive schiefstehendes Becken. Da das Becken den Körper mit der Wirbelsäule verbindet, und damit quasi die Unterlage für den S-förmigen Aufbau des Beckens bildet, hat ein Beckenschiefstand schnell schmerzhafte Konsequenzen. Um die Schwere des Beckenschiefstandes zu bestimmen kann die Stärke der Symptome herangezogen werden. Je stärker der Beckenschiefstand ausgeprägt ist, umso stärker werden die Symptome auftreten.

Fachärzte und Experten unterscheiden zwischen zwei unterschiedlichen Formen des Schiefstandes:
  • Struktureller Beckenschiefstand: Bei einem strukturellen Schiefstand ist die Ursache der Schmerzen eine unterschiedliche Länge der Beine. Der Schiefstand ensteht durch die unterschiedliche Länge quasi durch Gewöhnung und ist in vielen Fällen auf den ersten Blick ersichtlich.
  • Funktioneller Beckenschiefstand: Der funktionelle Beckenschiefstand entsteht durch eine einseitige Ausprägung der Muskeln. Die ungleich verteilten Muskeln belasten das Becken unterschiedlich stark und sorgen so für einen deutlich erkennbaren Schiefstand des Knochens.

Ursachen eines Beckenschiefstandes

Die Ursachen ergeben sich größtenteils aus den beiden Definitionen, allerdings unterteilt sich gerade der funktionelle Schiefstand in eine Vielzahl unterschiedlicher Ursachen. Vor allem Menschen mit einer einseitigen und oft sitzenden Arbeitsweise, aber auch Menschen mit fehlender sportlichen Betätigung werden vom funktionellen Schiefstand betroffen sein. Von verspannten Muskeln, bis hin zur Muskeldysbalance führen eine Reihe von Ursachen zu einem Schiefstand des Beckens und verursachen so teilweise massive Schmerzen und Komplikationen. Eine angeborene oder erworbene Skoliose kann ebenfalls ein Grund für einen Schiefstand des Beckens sein, kann aber auch durch genau diesen ausgelöst werden.

Symptome eines Beckenschiefstandes

Die Symptome sind weitläufig und betreffen, je nach Lage und Position des Beckens verschiedene Bereiche des Körpers. Oft ist es so, dass ein Beckenschiefstand anfänglich wenig bis gar keine Schmerzen verursacht. Die Schmerzen kommen entwender plötzlich, oder treten vehement an einer Stelle des Körpers auf. Sie wandern in vielen Fällen vom direkt verspannten und betroffenen Bereich in die oberen Bereiche des Körpers und fühlen sich anfänglich wie normale Verspannungsschmerzen an. So kommen häufig Kopf- und Zahnschmerzen als zusätzliche Symptome vor, aber auch Bauschmerzen und Beinschmerzen. Zusätzlich nehmen, bei einer längerfristigen Erkrankung, die Rückenschmerzen stetig zu da die Wirbelsäule auf Dauer einen schiefen Stand einnehmen muss um das Ungleichgewicht auszugleichen.

Kopfschmerzen durch Beckenschiefstand
Kopfschmerzen als Nebenwirkung bei einem Beckenschiefstand / Bild: Pixabay.com/de – geralt

Diagnose eines Beckenschiefstandes

Die Diagnose eines Beckenschiefstandes erfolgt immer durch einen Facharzt. Die effektiveste Methode ist ein Röntgenbild auf dem der Beckenbereich einmal deutlich abgebildet wird. Ein Facharzt kann schnell erkennen ob ein Schiefstand vorliegt und die entsprechende Diagnose gesichert feststellen. Ebenso kann für eine weitere Behandlung, aber auch noch einmal um die Diagnose zu untermauern, eine 3D-Wirbelsäulenmessung angefertigt werden. Diese Messung ist die genaueste Methode um die Art und den Umfang der Erkrankung exakt bestimmen zu können. Das sich aus Lichtprojektonen ergebende dreidimensionale Bild kann der Arzt den Erfolg der Thearpie, aber auch die Ursachen und die Härte der Erkrankung detailliert bestimmen und so eine optimierte Behandlung in die Wege leiten.

Behandlung eines Beckenschiefstandes

Ein Beckenschiefstand wird ganz nach der Diagnose und nach Art und Umfang der Erkrankung behandelt. Dabei kommen unterschiedliche Methodiken zum Einsatz, welche allerdings allesamt das Ziel haben die Wirbelsäule zu stärken und im besten Fall den Beckenschiefstand vollständig zu korrigieren. Der operative Eingriff ist nur für den Notfall vorgesehen und ist nur unter der Bedingung zwingend medizinisch notwendig, dass die Beinlänge beider Beine eine höhere Differenz als drei Zentimeter aufweist. Die operative Behandlung erfolgt in mehreren Schritten und ist oft auf eine jahrelange Betreuungs- und Behandlungsdauer ausgelegt. Bei geringeren Differenzen kommt bei einem strukturellen Beckenschiefstand oft eine Ferseneinlage zum Einsatz, welche während des Alltags die natürliche Arbeit der Wirbelsäule unterstützt und ausgleicht.

Der funktionelle Beckenschiefstand wird meistens durch individuelle Therapien behandelt. Hier findet sich die klassische Schmerztherapie und Krankengymnastik ebenso im Behandlungsplan, wie Yoga und andere sportliche Aktivitäten. Häufig hilft schon eine simple Veränderung der Alltagshaltung deutlich weiter und verringert die schmerzhaften Symptome und den Schiefstand des Beckens deutlich.

Yoga bei Beckenschiefstand
Yoga als möchgliche Behandlungstherapie / Bild: Pixabay.com/de – jesslef

Verlauf und Vorbeugung eines Beckenschiefstandes

Der Verlauf eines Beckenschiefstandes ist aus medizinischer Sicht meist unangenehm für den Patienten, allerdings lässt sich die Krankheit bei einer konsequenten Umsetzung der Therapievorschläge leicht in den Griff zu kriegen. Besonders jugendliche Menschen leiden oft unter einem angeborenen oder erworbenen Beckenschiefstand, welcher sich im Laufe der Zeit von selbst korrigiert. Medizinische Hilfsmittel wie das Korsett oder individuelle physikalische Therapien können in der Regel alle Beschwerden beseitigen und nur selten müssen operative Eingriffe in Betracht gezogen werden. Gerade die noch recht junge medizinische Fachrichtung der Chiropraxis verbucht nachweisliche Erfolge in der Behandlung der Erkrankung und hat in der neueren Zeit weitere Behandlungsmethoden zur erfolgreichen Beseitigung der Erkrankung entwickelt.

Um einem Beckenschiefstand effektiv vorzubeugen ist eigentlich nicht viel notwendig. Eine gerade Haltung beim Sitzen, beim Laufen und beim Stehen sind schon einmal eine Garantie für verminderte Schmerzen und sind auch bei einem strukturellen Beckenschiefstand eine gute Hilfe gegen die Schmerzen. Wichtig ist es immer darauf zu achten, dass der Körper in einer möglichst geraden und ausgeglichenen Position gehalten wird und so keine Körperseite über Gebühr und dauerhaft beansprucht wird. Im Rahmen einer operativen Behandlung gibt es noch eine Reihe von weiteren vorbeugenden Maßnahmen die eingesetzt werden, da hier gerade die physikalisch-therapeutische Fachbehandlung große Veränderungen im Körper und an der Wirbelsäule berücksichtigen muss. In den meisten Fällen aber reicht das obige Vorgehen und eine Portion an Achtsamkeit um einen Beckenschiefstand effektiv zu vereiteln und sich selbst Schmerzen zu ersparen.

Titelbild: Urheber: racorn / 123RF

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