Blutvergiftung durch Insektenstich

Erst sticht es, dann brennt es und kurz darauf fängt es fürchterlich an zu jucken. Die Rede ist natürlich von lästigen Insektenstichen, die im Sommer fast schon für jeden Menschen zum Alltag gehören. Ob Wespe, Biene oder Mücke, kaum ein Mensch übersteht einen Sommer, ohne auch nur ein einziges Mal gestochen zu werden. Doch während die meisten Stiche von selbst wieder ausheilen, gibt es einen niedrigen Prozentsatz an Betroffenen, die eine Blutvergiftung durch einen Insektenstich erleiden und ehrlich krank werden.

Was ist eigentlich eine Blutvergiftung?

Die Blutvergiftung, in der Fachsprache Sepsis genannt, bezeichnet eine rasante Ausbreitung einer lokalen Entzündung auf den gesamten Körper. Wer nun denkt, dass es eine große Wunde braucht, um eine Eintrittspforte für Bakterien zu kreieren, ist auf dem falschen Weg. Selbst eine so banale Verletzung wie ein Mückenstich reicht aus, um die schwere Erkrankung auszulösen.

Bei der Blutvergiftung durch einen Insektenstich entsteht zunächst an der Stichstelle selbst eine lokale Entzündung. Der Körper versucht diese mit seinen eigenen Abwehrkräften zu behandeln und versagt. Nun breitet sich die Entzündung aus, die Blutbahn wird mit Keimen überschwemmt, was schließlich zu einem Multiorganversagen führt. Die Sterblichkeitsrate bei einer Blutvergiftung ist hoch, durchschnittlich jeder Zweite erliegt den Folgen der Sepsis. In Deutschland gab es pro Jahr c.a. 80.000 Neuerkrankungen. Je früher die Systemerkrankung therapiert wird, umso höher sind die Heilungschancen.

Blutvergiftung nach Mückenstich
Ein kleiner Stich reicht bereits aus / Bild: Pixabay.com/de – WikiImages

Die Symptome einer Blutvergiftung

Bevor es zu einer Blutvergiftung kommt, entsteht zunächst eine lokale Entzündungsreaktion. Diese kennzeichnet sich durch eine starke Rötung des betroffenen Areals, die mitunter schmerzhaft werden kann. Eine Überwärmung der betroffenen Stelle ist nicht selten, auch eine Schwellung kann auftreten. Dies sind noch keine Anzeichen der Blutvergiftung, sondern zunächst nur die Symptome einer lokalen Entzündung. Da eine lokale Entzündungsreaktion meist harmloser Natur ist und kaum Beschwerden bereitet, wird sie vom Großteil aller Betroffenen ignoriert. Wenn das Immunsystem jedoch geschwächt ist oder bereits eine andere Krankheit vorherrscht, können sich die Bakterien oft ungehindert über die Blutbahn ausbreiten und so zur gefährlichen Sepsis führen.

Die Symptome der Blutvergiftung selbst sind leider nicht eindeutig und werden oft fehlinterpretiert. Hohes Fieber kann als Leitsymptom bezeichnet werden, darüber hinaus fühlen sich die Betroffenen wirklich krank. Sie leiden an einem allgemeinen Schwächegefühl, sind kaum leistungsfähig und haben darüber hinaus oft starke Schüttelfrost. Anfangs werden die Symptome oft fälschlicherweise einer Grippe zugeordnet, selbst Ärzte erkennen die Blutvergiftung nicht immer sofort.

Ein großer Irrglaube ist, dass es bei einer Blutvergiftung zur Ausbildung eines roten Streifens kommt, der über den linken Arm zum Herzen wandert. Dies ist entgegen der weit verbreiteten Annahme kein Symptom der Sepsis und kommt eher bei einer Entzündung der Lymphbahnen vor.

Behandlung der Sepsis bei einem Insektenstich

Die Ursache für eine Sepsis spielt bei der Behandlung nur eine untergeordnete Rolle, wobei die lokale Entzündung als Eintrittspforte für die Bakterien natürlich therapiert werden muss. Eine Blutvergiftung wird immer im Krankenhaus behandelt und hier sogar auf der Intensivstation. Es handelt sich um eine schwere, systemische Erkrankung die mit dem Tod enden kann, wenn die Therapie nicht rechtzeitig erfolgt.

Behandelt wird mit Antibiotika, allerdings reicht die orale Gabe nicht aus. Es werden meist Kombinationen aus drei Antibiotika verabreicht, die über die Vene gespritzt werden. Die Dosierung ist deutlich höher als bei einer oralen Einnahme, daher kann es verstärkt zu Nebenwirkungen kommen. Da die Betroffenen jedoch oftmals aufgrund des hohen Fiebers kaum ansprechbar sind, ist dies nur selten ein Problem. Gegen das Fieber und die Schüttelfrost wird mit herkömmlichen Fiebersenkern, wie z.B. Paracetamol therapiert. Diese dienen dazu, den Körper zu entlasten und das Fieber in eine normale Körpertemperatur umzuwandeln.

Neben der systematischen Behandlung der Blutvergiftung, wird immer auch die lokale Entzündung therapiert. In den meisten Fällen reicht die Antibiotikagabe hier vollkommen aus, wenn es sich um eine Infektion nach einem Insektenstich handelt. Mitunter wird zusätzlich eine lokale Antibiotikasalbe aufgebracht, die den Heilungsprozess beschleunigen soll.

Besonders schwere Fälle einer Sepsis machen weitere, lebenserhaltende Maßnahmen notwendig. Es gilt primär das Organversagen aufzuhalten. Bei einem Nierenversagen wird z.B. das Dialyseverfahren eingesetzt, um die Nierenfunktion zu ersetzen. Versagt die Atmung, wird eine künstliche Beatmung notwendig, die das Überleben sichert.

Antibiotika bei Blutvergiftung
Intravenöse Antibiotikabehandlung / Bild: Pixabay.com/de – jochenpippir

Vorbeugung einer Sepsis durch einen Insektenstich

Damit es erst gar nicht zur gefürchteten Blutvergiftung kommt, können nach einem Insektenstich Maßnahmen der Vorbeugung ergriffen werden. Ein wichtiges Kriterium ist die Sensibilisierung der Patienten mit dem Gedanken an schwere Folgen, auch nach einer vermeintlich kleinen Verletzung. Ein Insektenstich sollte immer sorgfältig behandelt werden. Ein kühlendes, desinfizierendes Gel ist ebenso sinnvoll wie eine Salbe, die den schweren Juckreiz lindert. Kratzen ist ein großes Risiko, denn unter den Fingernägeln befinden sich Bakterien, die so in die Wunde eindringen können. Egal wie stark der Juckreiz ist, die Betroffenen sollten ihm wiederstehen und stattdessen auf Kühlung und juckreizlindernde Medikamente zurückgreifen.

Sollten sich erste Anzeichen einer lokalen Entzündung zeigen, ist der sofortige Arztbesuch die beste Vorbeugung gegen eine Sepsis. Wird die örtliche Infektion gleich behandelt, ist die Gefahr deutlich geringer, dass sich die Bakterien ausbreiten können.

Titelbild: Pixabay.com/de – esiuL

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