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Erschöpfungssyndrom: Was ist das Chronisches Müdigkeitssyndrom? – Was kann ich machen?

Immer schneller und effektiver kommunizieren, das Smartphone vor sich auf dem Schreibtisch ist ständig am summen, klingeln oder vibrieren, man muss immer die neuesten Videotrends kennen und natürlich mit den Kollegen darüber lachen können, abends mit Geschäftspartnern zum Essen treffen oder an einem offiziellen Business-Lunch teilnehmen, auch außerhalb der Arbeitszeiten und selbstverständlich am Wochenende Anrufe und Emails entgegennehmen und beantworten, denn man weiß ja nie, ob ein neuer Auftrag rein kommt.

Der Zwang zur Selbstoptimierung und zur Selbstdarstellung hört aber nicht bei der Arbeit und dem Traumjob auf, sondern setzt sich im Privatleben fort. Die Fotos vom Wochenendausflug mit der Familie, die von den Freunden im sozialen Netzwerk oder auf speziellen Foto-Community Seiten positiv bewertet werden und ein kleines digitales Herz geschenkt bekommen, zählen da genauso dazu wie viele andere Aspekte des modernen vernetzten Lebens. Man ist quasi immer unter Beobachtung und weil man das weiß, will man ein gutes Bild abgeben.

Dieser neue Lebensalltag und diese seit Jahren immer weiter auf die Spitze getriebene Lebensrealität machen Menschen müde. Und das im wortwörtlichsten Sinne, denn mehr als je zuvor sprechen Ärzte und Verhaltenstherapeuten von der Erschöpfung, die sie bei ihren Patienten vorfinden. Burn-Out ist in aller Munde und bezeichnet nur eine Erscheinungsform der neuen Müdigkeit. Dabei gibt es selbstverständlich nicht nur eine einfache Form, sondern diese Müdigkeit und Erschöpfung hat Abstufungen, die mal schlimmer und mal leichter sein können.

Bild Mann mit Muskelschmerzen

Erschöpfungssyndrom: Was ist das Chronisches Müdigkeitssyndrom?

Eine Form dieser Müdigkeit und eine mittlerweile weit verbreitete und diagnostizierte Krankheit ist das Chronische Erschöpfungssyndrom, das im Englischen ‘Chronic Fatigue Syndrome’ heißt. Das Chronische Erschöpfungssyndrom ist dabei ein hoch komplexes Krankheitsbild, bei dem viele Faktoren und Alltagserscheinungen zusammen fließen und in einem absoluten Erschöpfungszustand münden können, bei dem vor allem der Schlafmangel bzw. das Fehlen der Erholung durch Schlaf eine große Rolle spielt.

Dabei schaffen die Ärzte es in der Regel nicht, den Grund für diese enorme Erschöpfung festzustellen. Zu den genannten Symptomen können weitere dazu treten, die es umso schwerer machen, sich auszuruhen und somit seine Energie wieder zu finden, darunter unter anderem häufig auftretende Halsschmerzen und Muskelschmerzen. Das Erschöpfungssyndrom betrifft dabei laut Statistik Frauen mehr als Männer.

Akuter oder psychischer Stress werden sehr oft als direkte Auslöser genannt, es können aber auch viele andere Erlebnisse und vor allem Ereignisse zu einem Chronischen Müdigkeitssyndrom führen, wie beispielsweise der Verlust einer geliebten Person oder ein Unfall, mit anschließender Hospitalisierung. Nicht selten gibt es begleitende Diagnosen, wie Depressionen oder Angstzustände und Essstörungen.

Bild gestresster Mann

Akuter oder psychischer Stress als Auslöser des Erschöpfungssyndrom

Was kann man tun? Wer an der Diagnose Erschöpfungssymptom leidet, der hat keine einfachen Möglichkeiten, sich schnell und einfach wieder besser zu fühlen. Es handelt sich hierbei nämlich nicht um eine Erkrankung, die man mit Tabletten oder einer lehrbuchartigen Therapie wieder in den Griffe bekommen kann. Deswegen kommt es auch sehr auf die individuellen Erlebnisse und Einstellungen an.

Schlafmangel oder die mangelnde Fähigkeit, seine Energien aufzuladen, der Umgang mit andauernder Mattigkeit und starke Konzentrationsstörungen führen dazu, dass man sich einfach sehr lange sehr matt und ausgemergelt fühlt. Man hat keinen Appetit, kann nicht seinen alltäglichen Verrichtungen nachgehen bzw. wenn, dann nur mit einem wiederum gesteigerten Kraftaufwand und viel Kaffee, dadurch schließt sich der Kreis der Ermüdung und man kommt noch erschöpfter in die nächste Runde.

Wenn sich eine einfache Erschöpfung, die ein paar Tage anhält zu einem Erschöpfungssyndrom auswächst, dann muss man dringend Hilfe suchen.

Stellt man sich vor, dass man ein paar Tage lang sehr viel zu tun hat, beispielsweise bei einem Umzug, bei dem die ganze Familie in eine andere Stadt zieht, man das Haus besenrein haben muss, die neue Wohnung beziehen, sich um den Umzug, das Verladen der Möbel und in manchen Fällen auch um verlorene Teile kümmern muss, dann wird man einsehen, dass die Erschöpfung, die nach einer solchen Unternehmung eintritt, ganz normal ist. In diesem Fall erholen sich aber die meisten Menschen schnell wieder und sind nach einer durchgeschlafenen Nacht wieder auf den Beinen.

Bei Patienten, die am Erschöpfungssyndrom leiden, funktioniert das leider nicht. Und es braucht eben noch nicht einmal eine riesige Anstrengung, um total kraftlos, antriebslos und mit den Nerven einfach am Ende zu sein. Der Körper scheint in diesen Fällen zu sagen: Halt, ich kann nicht mehr! Leider funktioniert aber das einfache Ausruhen nicht und mit einer gesunden Runde Schlaf, wie es landläufig heißt, ist es nicht getan. Tatsächlich ist es erwiesen, dass Schonung und Ruhe das Erschöpfungssyndrom nicht in den Griff bekommen oder beseitigen können. Deswegen ist der manchmal freundschaftliche Hinweis eines Kollegen, dass man doch einfach mal ein Wochenende richtig ausspannen sollte, leider nicht sehr hilfreich. Denn mit einem Wochenende Ruhe ist es nicht getan.

Bild Frau entspannt mit Hund

Erschöpfungssyndrom: Was kann ich machen?

Um noch einmal zusammenzufassen: Das Erschöpfungssyndrom tritt häufiger bei Frauen auf, es treten dabei langanhaltende Phasen von Müdigkeit und Ermattung auf, man hat sowohl Gedächtnis- als auch Konzentrationsprobleme, oft einhergehend mit leichten bis mittleren Halsschmerzen, sich auszuruhen fällt einfach schwer und man kommt auch nach einer Nacht voll Schlaf nicht in die Gänge, erschwerend können außerdem Muskel- und Gelenkschmerzen und eine leichte Migräne dazu kommen.

Wer über diese Symptome verfügt und mehrere Tage und vor allem Nächte lang nicht erholsam geschlafen hat, der sollte unbedingt seinen Arzt aufsuchen und ihm einen Verdacht auf Erschöpfungssyndrom mitteilen.
Dabei gilt leider immer noch eine relative Ratlosigkeit im Umgang mit der Erkrankung und es werden deswegen vor allem einzelne Bestandteile wie die auftretenden Kopfschmerzen oder die Gelenkbeschwerden medikamentös behandelt. Auch Schlaftabletten können verschrieben werden.

Wenn man die ersten Schritte unternommen hat kann man eine langfristige Psychotherapie in Augenschein nehmen, wobei auch in diesem Fall die Wirksamkeit umstritten ist. Wer Ruhe sucht, der kann sie in den meisten Fällen nur selbst finden und ebenso herbeiführen. Dabei geht es vor allem darum, die stressauslösenden Faktoren zu beseitigen, beispielsweise sich eine Auszeit von der Arbeit zu nehmen. Sich dabei von seinem Arzt unterstützen zu lassen ist selbstverständlich absolut zu empfehlen.

Bildernachweis: Titelbild – schlafende Frau Urheber: CC0 Public Domain-Pixabay.com
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