Mandelentzündung

Mandelentzündung (Tonsillitis) – Ursachen, Symptome & Behandlung

Wenn das Schlucken schmerzt und die Lymphknoten im Hals geschwollen sind, gibt meist ein Blick in den Spiegel der Befürchtung Gewissheit: Kommen belegte Mandeln im Rachenraum in Form von weiß-gelben Pünktchen hinzu, liegt im Regelfall eine akute Mandelentzündung, oder wie der Fachmann sagen würde, eine “Tonsillitis acuta” beziehungsweise eine “Angina tonsillaris” vor.

Am häufigsten trifft diese akute Erkrankung Kinder und junge Erwachsene. Grundsätzlich können aber auch ältere Menschen von einer Mandelentzündung heimgesucht werden. Nicht selten ist eine erhöhte Körpertemperatur ein Begleitsymptom der ansteckenden Krankheit.

Welche Formen von Mandelentzündungen gibt es?

Am häufigsten tritt eine eitrige Infektion der Gaumenmandeln auf. Sind Bakterien die Ursache der Erkrankung, ist diese hoch ansteckend. Anders verhält es sich bei der chronischen Mandelentzündung, die im Gegensatz zum eitrigen Erscheinungsbild kaum Symptome verursacht.

Mandelentzündung: wann operieren?

Welche Ursachen hat eine Mandelentzündung?

Der akuten Tonsillitis liegt im Regelfall eine Infektion mit bestimmten Bakterien oder Viren zu Grunde. In den meisten Fällen sind Streptokokken die Ursache für die Entzündung.
Ein geschwächter Allgemeinzustand oder ein angeschlagenes Immunsystem bieten zudem ideale Voraussetzungen für die Infektion.

Betroffene mit einer chronischen Mandelentzündung leiden an einer dauerhaften Entzündung des Gewebes der Gaumenmandeln. Ursache hierfür ist häufig eine immer wiederkehrende akute Form der Mandelentzündung. Durch die vielen Entzündungen kommt es zur Vernarbung des betroffenen Gewebes, was für Bakterien ein willkommener Nährboden sein kann.

Wichtig: Eine Mandelentzündung ist eine hoch ansteckende Tröpfcheninfektion, die bereits beim Niesen, Husten oder Küssen übertragen werden kann. Sitzen zwei Menschen nahe beieinander, kann auch ein intensives Gespräch den Erreger übertragen. Die Inkubationszeit der Erreger beträgt im Durchschnitt ein bis drei Tage. Betroffene sind daher gut beraten, bei den ersten Symptomen einen Arzt aufzusuchen und das Bett zu hüten. So können Kollegen und Freunde vor einer Ansteckung geschützt werden.

Welche Symptome kündigen eine Mandelentzündung an?

Die Symptome einer Mandelentzündung, im Fachjargon auch Tonsillitis genannt, unterscheiden sich je nach chronischem oder akutem Verlauf.
Der akuten Form liegt in der Regel eine Infektion mit Bakterien zu Grunde, daher leiten Begleiterscheinungen wie Kopfschmerzen, plötzliches Fieber und Abgeschlagenheit den Beginn der Erkrankung ein. Eine bereits vorliegende oder sich ankündigende Erkältung ist keine Seltenheit. Kommen Symptome wie starke Halsschmerzen beim Schlucken, Gähnen, Kauen, Sprechen und ein ungewohnt übler Mundgeruch hinzu, liegt die Vermutung nahe, an einer Mandelentzündung zu leiden. Die Halsschmerzen können so stark ausgeprägt sein, dass sie bis in die Ohren ausstrahlen und ein ebenso starkes Krankheitsgefühl mit sich bringen. Betroffene beklagen zudem einen erhöhten Speichelfluss und leiden unter einer belegten Stimme, welche auch von anderen nicht zu überhören ist.

Anders verhält es sich hingegen mit der chronischen Form der Erkrankung. Die Symptome treten meist nicht akut und in so starker Ausprägung auf. Betroffene klagen hin und wieder über leichte Schluckbeschwerden, einen ungewöhnlichen Geschmack im Mund und ungewöhnlichen Mundgeruch. Eine verminderte Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit nimmt zudem meist schleichend zu und wird daher nicht mit den primären Symptomen der Erkrankung in Verbindung gebracht. Eine Schwellung der Lymphknoten in der betroffenen Region verursacht zudem meist keine Schmerzen, wenn eine chronische Entzündung der Gaumenmandeln vorliegt.

Leiden Betroffene wiederholt unter einer akuten Mandelentzündung, ist die chronische Entzündung der Gaumenmandeln meist eine unangenehme Folge. Zudem kann eine Mandelentzündung unangenehme Folgeerkrankungen mit sich ziehen. Dies gilt vor allem, wenn sie gar nicht oder erst im späten Krankheitsverlauf behandelt wird oder immer wieder auftritt.
Hierzu zählen Entzündungen des Herzmuskels, rheumatisches Fieber oder Nierenentzündungen. Auch eine Ausweitung der bakteriellen Infektion auf umliegendes Gewebe in Nasennebenhöhlen, Ohren oder Zahnwurzeln ist nicht ausgeschlossen.

Wie wird eine Mandelentzündung behandelt?

Welche Behandlung bei einer Mandelentzündung Heilung verspricht hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Der behandelnde Arzt wird im Vorfeld feststellen, welche Form der Entzündung vorliegt (akut oder chronisch), wie weit fortgeschritten die Infektion bereits ist und unter welchen Beschwerden der Betroffene leidet.
Liegt eine akute Form der Entzündung der Gaumenmandeln vor, sorgen fieber- und schmerzlindernde Medikamente für eine Linderung der Symptome. Nicht selten ordnet der Arzt zudem eine Therapie mit Antibiotika an, um den entzündungsauslösenden Bakterien den Gar aus zu machen. Das Antibiotikum, meist Penicillin, beschleunigt den Heilungsverlauf und sorgt für eine rasche Linderung der Symptome. Jedoch ist die Einnahme dieser Medikamente keine Garantie dafür, dass sich Symptome und Beschwerden nicht verschlimmern. Wird die Mandelentzündung erst in einem späten Erkrankungsverlauf mit Antibiotika behandelt, steigt die Gefahr der Abszessbildung. Hierbei führt eine Eiteransammlung an den Gaumenmandeln nicht selten zu akuter Luftnot und erfordert ein rasches, chirurgisches Eingreifen.
Diese Komplikation kann auch dann auftreten, wenn der Betroffene die Erkrankung zwar rechtzeitig beim Arzt vorgestellt hat, die Bakterien jedoch bereits gegen das verordnete Antibiotikum resistent sind. Daher gilt: Sollten die Symptome trotz Antibiotikum nicht nach einigen Tagen deutlich besser werden, steht ein erneuter Arztbesuch an.

Kündigt sich eine Mandelentzündung an, ganz gleich ob chronisch oder akut, können folgende Hausmittel den Heilungsverlauf positiv beeinflussen. Allerdings ersetzen sie nicht den Gang zum Arzt.
  • Das Gurgeln mit entzündungshemmenden und desinfizierenden Lösungen aus Salbei und Kamille kann Beschwerden lindern und die Heilung unterstützen. Auch lauwarme Tees aus Salbei und Kamille können hilfreich sein.
  • Bei Fieber sollten Betroffene viel trinken und auf Wadenwickel zurückgreifen, um das Fieber zu senken.
  • Bei starken Schluckbeschwerden, helfen schmerzstillende Lutschtabletten dabei, kurzfristig den Schmerz zu lindern. Steht zum Beispiel eine Mahlzeit an oder das Zubettgehen, kann dies sehr angenehm sein.
  • Warme oder kalte Halswickeln können sehr wohltuend sein. Betroffene sollten hier ausprobieren, was ihnen besser bekommt.
  • Das Lutschen von Wassereis kühlt den wunden Gaumen- und Rachenbereich. Auf Milcheis sollte verzichtet werden, da dies die Schleimproduktion begünstigt und dadurch Symptome verschlimmern kann.
  • Der Verzicht auf Fruchtsäfte ist ebenfalls ratsam, da die Säure im Saft die Mandeln zusätzlich reizt.
  • Auch Rauchen und Alkohol tragen bei einer Mandelentzündung nicht zum Heilungsprozess bei, sondern bedeuten eine zusätzliche Reizung und Belastung des Organismus.

Wann ist eine operative Entfernung der Gaumenmandeln sinnvoll?

In einigen Fällen kann es sinnvoll sein, die Gaumenmandeln operativ zu entfernen. Diesen Eingriff bezeichnen Mediziner als Tonsillektomie, die gerade bei chronischen Verläufen die gängigste Behandlungsmethode ist. Betroffene, die häufig an einer bakteriellen Infektion der Gaumenmandeln leiden, senken zudem das Risiko einer weiteren Infektion mit dem Erreger in anderen Organen. Die Tonsillektomie wird von Fachärzten für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde durchgeführt und zieht auf Grund einer erhöhten Nachblutungsgefahr einen längeren Krankenhausaufenthalt von durchschnittlich fünf Tagen mit sich.

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