Bild Schlafstörung

Schlaftabletten – Wie gefährlich sind sie wirklich und warum?

Nach einem langen Tag freuen sich viele Menschen abends darauf in ihr Bett zu gehen, für immer mehr Menschen wird dies jedoch regelmäßig zur Qual. Der Grund sind ausgeprägte Schlafstörungen. Stetiges hin und her wälzen im Bett gehört dabei zur abendlichen Routine, sowie häufiges Aufwachen in der Nacht. In Deutschland leidet etwa jeder Dritte unter Schlafstörungen und greift im Verlauf seiner Leidensgeschichte zu Schlaftabletten. Diese gibt sowohl auf Rezept, als auch frei verkäuflich. Nachfolgender Ratgeber zeigt dir auf, ob und wie gefährlich solche Schlaftabletten sein können und warum.

Der Weg in die Abhängigkeit

Alleine in der Bundesrepublik Deutschland sind über eine Million Menschen inzwischen abhängig von Schlaftabletten. Frauen ab einem Alter von 65 Jahren machen hier einen Anteil von zwei Drittel aller Abhängigen aus. Wie in vielen anderen Bereichen liegt auch hier die Dunkelziffer bei dem Missbrauch von Schlaftabletten wesentlich höher. Der Grund hierfür ist das Schweigen vieler Süchtiger. Einige Patienten lassen sich ihre Schlaftabletten auf einem Privatrezept verschreiben, damit der Arzt die Überprüfung der gesetzlichen Krankenkasse umgehen kann. Auf Privatrezepten verschriebene Schlafmittel tauchen somit erst gar nicht mehr in der Statistik auf.

Keine dauerhafte Lösung der Schlafprobleme

In den gängigsten Schlaftabletten sind die Hauptwirkstoffe Zaleplon, Zopiclon und Zolpidem. Dies sind sogenannte Z-Substanzen. Benzodiazepine sind hingegen die am häufigsten eingenommen Medikamente im Bereich der Schlafstörungen. Im ersten Anschein lösen jene Arzneien das Problem, da sie krampflösend, muskelentspannend, beruhigend und Angst lösend wirken. Sie fördern zudem die natürlichen Signale an das Gehirn zum Abschalten und Einschlafen. Allerdings bewirkt dieser Zustand, welcher künstlich herbeigeführt ist, dass das Gehirn während des Schlafens nicht normal arbeitet. Die für die körperliche Erholung wichtigen Tiefschlafphasen sind bei der Einnahme von Schlaftabletten wesentlich weniger.

Bild Schlaftabletten

Patienten in der Abhängigkeit

Da bei Schlafstörungen die Einnahme von Schlafmitteln auf der Hand liegt, werden von den Betroffenen viele andere Möglichkeiten für einen erholsamen Schlaf völlig außer Acht gelassen. Das Resultat ist häufig der Beginn einer Abhängigkeit. Patienten machen mit den Medikamenten die Erfahrung, endlich wieder zur Ruhe kommen zu können und Schlaf zu finden. Dieser Schein trügt jedoch und der Betroffene wird in einem schleichenden Prozess immer mehr abhängig von seinen Schlaftabletten. Genau, wie bei anderen Suchterkrankungen wächst in den Patienten die Nervosität, wenn sie nicht ihr “gewohntes” Mittel bekommen und im Kopf beginnt der sogenannte Suchtkreislauf. Ein weiteres Problem, das sich nach einer gewissen Zeit einstellt, ist die Gewöhnung an das Schlafmittel. Hat dieses zu Anfang der Behandlung noch relativ gute Erfolge erzielt, nehmen diese im Laufe der Zeit stetig ab. Die Patienten schlafen trotz Schlaftabletten wieder weniger Stunden am Stück und erhöhen deshalb die Dosis, damit sie wieder den gewünschten Effekt erzielen können.

Das Schlimme ist dabei, dass viele Schlafmittel, anders als beispielsweise Alkohol, innerhalb kürzester Zeit abhängig machen. Der Grund liegt in der sehr raschen Gewöhnung der Nerven an das künstlich erhöhte Signal an das Gehirn. Es kommt dazu, dass die körpereigenen Botenstoffe nicht mehr ausreichen, um durch- oder einschlafen zu können. In einigen Fällen kommt es sogar zu einer Umkehrung der eigentlich angestrebten Wirkung. Die Schlaftabletten machen den Betroffenen dann nicht mehr Müde und entspannt, sondern verursachen psychische Instabilität und Nervosität.

Es wird angeraten, derartige Medikamente nicht länger als zwei Wochen einzunehmen, damit es zu keinerlei Gewöhnung kommen kann.

Menschen in Abhängigkeit von Schlaftabletten berichten, wie sie versucht haben, auf ihre Mittel zu verzichten und dadurch in einen Entzug geraten sind. Die Entzugserscheinungen unterscheiden sich hierbei von Patient zu Patient und von Präparat zu Präparat. Während die einen von Schweißausbrüchen und Unruhe berichten, erzählen die anderen von Verwirrtheit im Kopf und der Unfähigkeit klare Gedanken zu fassen.

Bild Frau ist wach im Bett

Warnsignale für eine beginnende Abhängigkeit

Wenn du als Patient bzw. Betroffener, dir Gedanken darüber machst, inwieweit du eventuell für eine Abhängigkeit gefährdet sein könntest, zeigen wir dir nachfolgend einige Warnsignale auf.
Diese solltest du unbedingt beachten:

  • eine über Monate oder Jahre hinweg andauernde Verschreibung von Z-Substanzen oder Benzodiazepinen
  • weitere Einnahme obwohl es keinen akuten Anlass mehr gibt
  • benötigen der Arzneien, damit der Alltag bewältigt werden kann
  • Probleme mit Unruhe, Anspannung und Angstsymptomen bei niedriger Dosierung
  • Die Reduzierung der Dosis gelingt nicht
  • Sorgen über den weiteren Erhalt von Rezepten
  • Besuch unterschiedlicher Ärzte um an das Medikament zu kommen
  • Erhöhung der Dosis auf eigene Faust
  • Einnahme der Mittel vorsorglich, um Stresssituationen zu bestehen
  • trotz Einnahme Probleme mit Schlafstörungen, Panikattacken und Angstzuständen

Insbesondere bei älteren Menschen zeigen sich gravierenden Nebenwirkungen, wenn Schlaftabletten über einen langen Zeitraum eingenommen werden. Es kommt hierbei im Körper zu einer Anhäufung der Dosierung und die Betroffenen werden träger und die Aussprache kann verwaschen werden. Die Fähigkeit zur Kommunikation und die Aufmerksamkeit vermindern sich immens und allgemein mindert sich die soziale Kompetenz. Zudem erwiesen Studien, dass Menschen mit regelmäßigem Schlafmittelkonsum ein eineinhalbmal höheres Risiko haben, an Alzheimer zu erkranken.

Der Weg aus der Sucht

Bis eine solche Abhängigkeit von Schlaftabletten überwunden ist, kann es bis zu einem halben Jahr dauern. In Entzugskliniken werden die Mittel weiter in Tropfenform verabreicht, denn so ist es möglich, die Dosis über Wochen oder Monaten stetig runter zu dosieren. Dieser Prozess wird als sogenanntes Ausschleichen bezeichnet und findet bei vielen Suchterkrankungen Anwendung. Generell gilt, dass Benzodiazepine und die Z-Substanzen nur über einen kurzfristigen Zeitraum eingenommen werden sollten, z.B. in einer Übergangszeit. Gleichzeitig sollten andere Wege wie Entspannungstechniken, eine Verhaltenstherapie oder Sport beschritten werden, um Stress und Ängste abbauen zu können. Liegt bei dem Patienten eine entsprechende psychische Erkrankung vor, dann ist es in jedem Falle anzuraten, einen Psychiater zurate zu ziehen.

Bild schlafende Frau

Natürliche Alternativen

Aus Angst vor einer Abhängigkeit versuchen es viele Betroffene mit Schlaftabletten, die frei verkäuflich sind. Allerdings sind viele dieser freien Präparate, trotz ihres harmlosen Namens, alles andere als das. Sie können unter anderem zu Herzproblemen führen, weil sich die Herzfrequenz nach der Einnahme erhöhen kann und das ist insbesondere bei Patienten gefährlich, welche ohnehin schon vorbelastet sind. Baldrian hingegen kann eine Alternative sein.

Der Wirkstoff beeinflusst die Nervenzellen und ihren Stoffwechsel.
Nervosität und Unruhe werden gelindert. Aber auch hier ist auf die empfohlene Tagesdosis zu achten. Diese liegt zwischen 450 und 750 Milligramm. Eine Steigerung der Wirkung von Baldrian erzielt man durch das Zufügen von Hopfen. Es tritt eine starke Beruhigung durch die natürlichen Bitterstoffe ein. Jedoch müssen Patienten bedenken, dass die pflanzlichen Helfer meist erst nach einer Einnahme von 14 Tagen ihre Wirkung voll entfalten.

Bildernachweis: Titelbild - Schlafstörung Urheber: stefanolunardi / 123RF Lizenzfreie Bilder
Schlaftabletten Urheber: CC0 Public Domain-Pixabay.com
Frau ist wach im Bett Urheber: bialasiewicz / 123RF Lizenzfreie Bilder
schlafende Frau Urheber: valeriylebedev / 123RF Lizenzfreie Bilder