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Sinuslift – Wichtige Fakten zum Knochenaufbau im Oberkiefer

Der Sinuslift, oft auch als Sinuselevation oder Sinusaugmentation bezeichnet, ist ein operatives Verfahren um die Knochenmasse des Oberkiefers, medizinisch Maxilla genannt, kieferchirurgisch zu verdicken. Dadurch können Zahnimplantate eingesetzt werden, die aufgrund eines zu geringen Knochenangebotes des knöchernen Bodens des Sinus Maxillaris sonst keinen ausreichenden Halt finden würden. Ein Großteil der heute durchgeführten Zahnimplantate wäre ohne den Sinuslift im Oberkiefer nicht möglich.

Oberkieferknochen, Sinus maxillaris, Sinusboden – was denn nun?

Unser Oberkieferknochen, der im medizinischen Fachjargon auch als Maxilla bezeichnet wird, trennt unsere Mundhöhle mit seinem knöchrigen Boden, alias Sinusboden, von unseren Kieferhöhlen. Wie der Name schon sagt, sind die Kieferhöhlen hohl und mit einer Schleimhaut ausgelegt.

Diese “Leichtbauweise” ist für uns unerlässlich, da wir ohne diese Hohlräume unseren Kopf wohl gar nicht bewegen könnten, da er viel zu schwer wäre.

Die Kieferhöhlen, die in internen Fachkreisen als Sinus maxillaris bezeichnet werden, gehören zu der Gruppe der Nasennebenhöhlen.
Dieser Begriff kommt dem ein oder anderen wahrscheinlich bekannt vor, entzünden sich diese Nasennebenhöhlen doch gern einmal in der kalten Jahreszeit.

Die paarig angelegten und luftgefüllten Sinus maxillaris grenzen anatomisch an die Augenhöhlen, die Nasenhöhle und unsere Mundhöhle. Zwischen der Mundhöhle und der Kieferhöhle liegt der knöchrige Sinusboden des Oberkiefers als Grenze zwischen Mund- und Kieferhöhle. In ihm sind vor allem die Wurzeln unserer Backenzähne fest verwurzelt.

Im Laufe unseres Alters dehnen sich auf der einen Seite unsere Kieferhöhlen immer weiter im Oberkieferknochen aus, auf der anderen Seite verliert der Sinusboden durch fehlende Reize, zum Beispiel durch den Verlust des ein oder anderen Backenzahns, an Knochenmasse. Das führt in der Zusammenschau dazu, dass die Dicke des knöchernen Sinusbodens stark abnehmen kann.

Bild Röntgen

Knochenaufbau des Sinusbodens – aber wie?

Das verfügbare Knochenangebot des Sinusbodens bestimmt der Arzt mittels Röntgenaufnahmen. Panoramaschichtaufnahmen oder dreidimensionale Darstellungen der anatomischen Kiefersituation erlauben Rückschlüsse auf das vorhandene Knochenangebot des Oberkiefers.
Ist das Volumen des Knochens zu gering, spricht man auch von einer Knochenatrophie. In diesem Fall finden notwendige Implantate keinen Halt. Sie würden einfach durch den zu schmalen Sinusboden in die hohle Kieferhöhle ragen.

Ein langfristig und qualitativ hochwertiges Resultat ist so unmöglich. Hier hilft der Knochenaufbau des Sinusbodens mittels Sinuslift.

Generell stehen mehrere Verfahren für den Sinuslift zur Verfügung. Allen gemein ist jedoch, dass von außen ein Zugang, durch den knöchernen Sinusboden bis zu dessen Kieferhöhlenschleimhaut, auch Schneider Membran genannt, geschaffen wird. Diese wird dann vorsichtig vom Knochen angehoben, so dass ein Hohlraum zwischen knöchernem Sinusboden und Schleimhaut entsteht.
Genau in diesen Hohlraum werden dann Knochenersatzmaterialien eingebracht, an die sich natürlicher Knochen anlagern- und anwachsen kann.

Knochenersatzmaterialien – was ist denn das?

Für den Aufbau des Knochens werden sogenannte Knochenersatzmaterialien eingesetzt, an die sich der natürliche Knochen im Laufe der Zeit dann anlagern und anwachsen kann. Das ursprünglich eingebrachte Knochenersatzmaterial wird hierbei vom Körper abgebaut und natürlicher Knochen wächst darauf an den benötigten Stellen ein.

Zur Anwendung kommende Knochenersatzmaterialien sind:
  • Autologes Knochenersatzmaterial: Vom Patienten selbst entnommene Knochensplitter, beispielsweiße aus dem Beckenkamm.
  • Allogenes Knochenersatzmaterial: menschliches Knochengewebe, durch Lebend- oder Organspende gewonnen.
  • Xenogenes Knochenersatzmaterial: tierisches Knochengewebe. Meist aus Rindern, aber auch Schweinen und Pferden.
  • Synthetisches Knochenersatzmaterial: künstlich erzeugtes Knochenersatzmaterial. Beispielsweiße aus Hydroxylappatit.

Alle menschlichen oder tierischen Knochenersatzmaterialien werden vor Gebrauch vollständig aufbereitet und gereinigt. Beim synthetischen Knochenersatzmaterial entfällt der aufwendige Reinigungsprozess.

Bild Zahnarzt

Welche Risiken birgt die Sinusaugmentation?

Die Risiken und Gefahren des Eingriffs sind insgesamt sehr gering einzuschätzen. Es handelt sich um ein Routineverfahren das seit vielen Jahren erfolgreich angewandt und durch viele Studien in seiner Wirksamkeit belegt ist.

Wie jeder operative Eingriff, so ist jedoch auch die Sinusaugmentation nicht gänzlich frei von gewissen Restrisiken. Schwellungen, Blutungen sowie Wundinfektionen sind bekannte Nebenwirkungen jeden operativen Eingriffs.

Blutungen können jedoch meist bereits intraoperativ gestillt werden, Entzündungen und Wundinfektionen lassen sich adäquat mit Antibiotika behandeln.
In seltenen Fällen kann es vorkommen, dass der Körper das eingebrachte Knochenersatzmaterial entzündlich abstößt, oder während des Eingriffs die Schneider Membran verletzt wird. Dadurch kann Knochenersatzmaterial in die Kieferhöhle gelangen und dort zu Entzündungen führen.

Sinuslift Verfahren – im Detail

Für die Sinusaugmentation stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung. Welches Verfahren angewandt wird, entscheidet das verbliebene Knochenvolumen des Sinusbodens sowie individuelle anatomische Begebenheiten.

Interner Sinuslift auch geschlossener Sinuslift genannt:
Der Interne Sinuslift, oft auch geschlossene oder indirekte Sinusaugmentation genannt, ist dann das Verfahren der Wahl, wenn noch eine gewisse Restdicke des knöchernen Sinusbodens vorliegt und für die Implantation nicht allzu viel Volumen aufgebaut werden muss. Er wird zudem meist auch bei der Implantation von nur einzelnen Zähnen bevorzugt, insofern es die knöchernen Bedingungen zulassen.

Für den internen Sinuslift wird nur das Bohrloch des Implantates an sich benötigt. Über den präparierten Bohrkanal wird mittels eines speziellen chirurgischen Instrumentes vorsichtig die Schneider Membran der Kieferhöhle von innen angehoben, ohne diese dabei zu verletzen. In den so entstandenen Hohlraum werden folglich die Knochenersatzmaterialien eingefüllt. Diese können durch die noch intakte Schneider Membran nicht in die Kieferhöhle gelangen und lagern sich so um das Implantat an. Im Laufe der Zeit wächst zudem natürlicher Knochen ein und festigt das Implantat langfristig.

Im Idealfall erfolgt direkt im Anschluss an den internen Sinuslift die eigentliche Implantation, also noch in der gleichen Sitzung. Die Wunde wird abschließend versorgt und spannungsfrei vernäht.

Externer Sinuslift auch offener Sinuslift genannt:
Der Externe Sinuslift, oft auch offene oder direkte Sinusaugmentation genannt, wird dann angewandt, wenn die verbliebene Knochenmenge des Sinusbodens für einen internen Sinuslift nicht ausreicht, oder gleich mehrere Implantate eingesetzt werden müssen. Er ist deutlich aufwendiger, als die interne Variante.

Dabei muss das Zahnfleisch über der zu behandelnden Stelle bis hin zum knöchernen Sinusboden eröffnet werden. Anschließend wird der Sinusboden mittels spezieller chirurgischer Instrumente wie Diamantbohrern, feinen Fräsen oder Piezo-Ultraschallinstumenten, bis zur Schneider Membran frei präpariert. Die Schneider Membran wird daraufhin vorsichtig von innen angehoben. In den so entstandenen Hohlraum wird folglich analog zur internen Sinusaugmentation das Knochenersatzmaterial eingefüllt.

Auch in diesem Verfahren verhindert die noch intakte Schneider Membran das Eindringen von Knochenersatzmaterial in die Kieferhöhle. Allerdings erfolgt bei diesem Verfahren in den seltensten Fällen in der gleichen Sitzung die eigentliche Implantation. Wenn das neu gewonnene Knochenvolumen ausreicht, ist eine zeitgleiche Implantation zwar möglich, doch in den meisten Fällen wird die Implantation erst nach einer Einheilungs- und Festigungszeit des eingebrachten Knochenersatzmaterials in einer zweiten Sitzung durchgeführt. Abschließend wird die Wunde mit einer synthetischen Membran versorgt und spannungsfrei vernäht.

Sinuslift mittels Ballonverfahren auch Transkrestale Antro Membrano Plastie genannt:
Bei diesem innovativen und sehr schonenden Verfahren wird analog zur internen Sinusaugmentation lediglich das Bohrloch des Implantates benötigt. Daher wird das Ballonverfahren, ebenso wie die interne Sinusaugmentation, zu den sogenannten minimalinvasiven Verfahren gezählt. Sie wird mittels eines flüssigkeitsgefüllten Ballonkatheters durchgeführt.

Durch den präparierten Bohrkanal wird über einen Katheter ein Ballonsystem zwischen knöchernen Sinusboden und Schneider Membran eingebracht. Das Ballonsystem lässt sich zielgerichtet mit einer Flüssigkeit füllen und hebt so sehr präzise und überaus schonend die Schleimhaut von ihrem knöchernen Untergrund ab. In den so entstandenen Hohlraum wird nach Entfernung des

Ballonsystems analog zu den beiden vorherigen Verfahren das Knochenersatzmaterial eingefüllt.
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Bild Implantat

Knochenaufbau und Implantation in einer Sitzung – geht das?

Tendenziell ist ein einzeitiges Vorgehen, also Knochenaufbau und Implantation in einer Sitzung, möglich. Man spricht in diesem Fall von einem einzeitigen Sinuslift. Das setzt aber eine Mindestknochendicke und Stabilität bereits vor dem Eingriff voraus. Ist das verbliebene Knochenmaterial geringer als 1-2 mm, ist eine Primärstabilität des Implantates nicht gegeben. Die zeitgleiche Implantation macht in diesem Fall keinen Sinn, da das Implantat schlicht nicht halten würde. In diesen Fällen wird in einer zweiten Sitzung nach 4- bis 12-monatiger Einheilungs- und Festigungszeit des Knochens dann erst implantiert. Diese Verfahrensweise wird auch als zweizeitiger Sinuslift bezeichnet.

Sinuslift schön und gut – aber gibt es denn Alternativen?

Ja die gibt es. Neben Kurzen- oder Mini-Implantaten sind hier auch die Zygoma-Implantate zu nennen. Jedoch lassen sich hier nicht pauschale Alternativen aufzeigen. Diese müssen individuell an die persönliche und anatomische Situation angepasst und mit dem behandelnden Arzt ausführlich besprochen werden.

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