Wundheilung muss nicht endlos sein

Ein kleiner Moment der Unachtsamkeit, und schon sind sie da – die Abschürfung, der kleine Schnitt, die Brandblase. Sofort schlägt die Zentrale im Kopf Alarm und schickt die Reparaturkolonnen los. Der Arzt und Kabarettist Eckart von Hirschhausen umschrieb dies sinngemäß so: “Der menschliche Körper ist ein Wunderwerk. Ritzen Sie doch einmal Ihre Haut ganz leicht mit einer aufgebogenen Büroklammer. Nach drei Tagen ist davon nichts mehr zu sehen. Und nun machen Sie das Gleiche mal mit dem Lack von Nachbars Auto …”. Wie wahr! Dennoch kann der Körper bei der Wundheilung jede nur denkbare Hilfe brauchen, damit sie so schnell wie möglich und komplikationslos verläuft.

Systematik versus Hektik

Meist fließt bei Verletzungen Blut. Das ist gut so, spült der wertvolle Saft doch Schmutz und Keime in gewissem Maße aus. Dann setzt die Blutgerinnung ein, und erst danach sollte der Mensch in Aktion treten. Der erste Arbeitsschritt ist das Reinigen der Wunde. Dabei sollen Restschmutz und eventuell vorhandene Keime entfernt werden. Hierzulande herrscht Trinkwasserqualität in den Leitungen, also kann kaltes Leitungswasser in der Regel bedenkenlos zum Reinigen der Wunde eingesetzt werden. Ist kein Leitungswasser in der Nähe, tut es auch stilles Mineralwasser aus der Flasche.

Abgekühlter Kamillentee leistet ebenfalls gute Dienste und wirkt dabei noch leicht antibakteriell und schmerzlindernd. Ist die Wunde gereinigt, kann sie weiter versorgt werden. Als zweiter Schritt ist eine zusätzliche Desinfektion ratsam, um auch dem letzten Keim den Garaus zu machen. Dafür können mit antiseptischen Mitteln getränkte Kompressen oder handelsübliche Sprays eingesetzt werden.

Kamillentee
Abgekühlter Kamillentee hilft bei Wunden

Frischluft oder Bandage – der ewige Streit

Die Frage, ob ein Abdecken der Wunde ratsam ist oder nicht, wird häufig kontrovers diskutiert. Bei Bagatellwunden wie winzigen Kratzern ist das Abdecken sicher kein Muss, aber bei etwas größeren Läsionen spricht Einiges dafür. Dabei spielt der Feuchtigkeitshaushalt, also Wasser, eine entscheidende Rolle. Wasser ist unabdingbar für das Heilen der Wunde.

Unter einem sachgerechten Verband trocknet die Wunde weniger rasch aus als im nicht abgedeckten Zustand. Gegner des Abdeckens führen gern das Argument ins Feld, dass es gerade unter Pflastern zu unerwünschten Prozessen kommen könne. Dies mag für Pflaster älterer Bauart vielleicht zutreffend gewesen sein, die Pflaster von heute sind jedoch einfach besser.

Ein gutes Beispiel sind Spezialpflaster zum Behandeln von Blasen:
Ein in ihnen enthaltenes Gel nimmt die Flüssigkeit unter der alten, abgestorbenen Haut auf, ohne dass die Blase aufgestochen werden muss. Das Infektionsrisiko sinkt

Ein Pflaster- oder Mullverband schützt zudem die Wunde vor äußeren Einflüssen, die zu einer nachträgliche Verschmutzung und zu Reinfektionen führen können. Sollen zwischen Wunde und Verband Salben zum Einsatz kommen, müssen sie hinreichend dick aufgetragen werden, um ein Verkleben von Wunde und Verband zu verhindern. Dabei ist beim Auftragen des Heilmittels auf den Verband hygienisch einwandfrei zu verfahren. Ein sauberer Spatel macht sich hier besser als ein verkeimter Finger.

Hausmittel, Apothekengang oder Beides?

Auch bei dieser Entscheidung kommt es auf die Schwere der Verletzung an. Einige Hausmittel genießen einen guten Ruf und sind für kleinere Wunden bestens geeignet.

Dazu gehören:

  • Heilkräuter wie Kamille, Arnika und Hamamelis,
  • Teebaumöl,
  • Johanniskrautöl,
  • Honig.

Die Öle werden in reiner Form aufgetragen, Honig ebenfalls, nur sollte es sich dabei um medizinischen Honig handeln und nicht um den beliebten Brotaufstrich. Aus den Heilkräutern müssen erst (meist wässrige) Auszüge gefertigt werden. Die genannten Hausmittel stehen nicht in Konkurrenz zu Präparaten aus der Apotheke, sondern sind häufig Bestandteil selbiger Mittel. Freilich sind in Pharmaka wie Wundheilsalben auch Hightech-Substanzen aus der Retorte zu finden, Diese und die Naturstoffe ergänzen einander und sind oft in ein und derselben Salbe zu finden. Damit ist die aufgeworfene Frage wohl beantwortet.

Wundversorgung VOR dem Unfall – geht das?

Auf den ersten Blick scheint dies absurd, auf den zweiten nicht mehr. Die Rede ist hier nämlich von unserer Ernährung. Gesunde Kost nützt dem gesamten Organismus und wappnet somit auch den Körper für den “Fall des Unfalls“. Einerseits stärkt eine sinnvolle Ernährung das Immunsystem. Bei Verletzungen haben Keime also weniger Chancen. Andererseits werden über die Nahrung dem Körper eben die Stoffe zugeführt, die im Prozess der Wundheilung wichtig sind. Ist das Malheur dann passiert, ist das Essen erst recht von Bedeutung. Die Liste der Nährstoffe, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, die bei der Wundheilung eine Rolle spielen, ist schier endlos, aber einige Faustregeln sind dabei einfach umzusetzen.

Sie lauten:

  • Feinde der schlanken Linie sind auch Feinde der Wundheilung. Weißmehl und Zucker stehen ganz vorn auf der Liste.
  • Freunde der Wundheilung sind Eiweiß, Wasser und Zink.

Zum Bilden neuer Zellen (und Wundheilung ist nichts Anderes) sind Eiweiße der Grundbaustoff. Das Gleiche gilt für Wasser, das zudem noch als Transportmittel im Heilungsprozess dient. Das Bilden neuer Zellen erfolgt durch Zellteilung, und diese wird durch Zink nachweislich gefördert. Will der Verletzte das Heilen seiner Blessuren beschleunigen, so sind eiweißreiche Nahrung und ausreichendes Trinken ein Gebot der Stunde. Den erhöhten Zinkbedarf decken Käse, Nüsse, Haferflocken, Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte am besten. Die tierischen Zinklieferanten sind dabei auch sehr gute Eiweißquellen.

Wasser
Viel trinken beschleunigt den Heilungsprozess

In der Ruhe liegt die Kraft

Wenn eine Wunde heilen soll, dann hat der Körper Schwerstarbeit zu leisten. Dabei sollte der Mensch ihm Ruhe lassen. Körperlich sehr aktive Menschen wie zum Beispiel Sportler neigen häufig zu Ungeduld. Sie strapazieren die verletzten Körperpartien zu stark und sind dabei noch der irrigen Ansicht, Gutes zu tun. Das Gegenteil ist der Fall.

Aktivität verbraucht körpereigene Ressourcen, die für das Abheilen von Wunden dringend gebraucht werden. Deshalb sollte sich der Verletzte schonen. Heilung und Rehabilitation können ineinander übergehen, aber eben nicht zeitgleich verlaufen. Ein eklatanter Störfaktor bei der Wundheilung ist auch das Betasten der Wunde. Dies ist tunlichst zu unterlassen, zumal der Betroffene selten ans Händewaschen denkt, bevor er auf die Wunde greift. Mit der nötigen Ruhe lässt sich die Wundheilung tatsächlich beschleunigen.

Nicht verzagen – Fachmann fragen

Den Prozess der Wundheilung in eigener Regie zu managen, bietet sich nur bei vergleichsweise harmlosen Verletzungen an. Liegen großflächige Wunden oder tiefe Schnitte vor, dann gehört das Einleiten und Überwachen des Heilungsprozesses eindeutig in die Hand des Arztes. Gleiches gilt, wenn Symptome wie Rötungen, entzündliche Vorgänge oder Fieber auftreten.

Das Nachbehandeln von OP-Wunden fällt ebenso in die Kompetenz medizinisch ausgebildeter Fachkräfte. Neben dem Arzt ist auch der Apotheker ein hilfreicher Ansprechpartner, wenn es um das Beschleunigen der Wundheilung geht. Wenn Patient, behandelnder Arzt und Pharmazeut gut kooperieren, sollte einer schnellen, erfolgreichen Wundheilung nichts mehr im Wege stehen.

Titelbild: Urheberrecht / Birgit Reitz-Hofmann / 123rf.com

Textbilder: Pixabay.com/de

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